Beitragvon Bernd » 28. August 2004, 21:37
Hallöchen Spieler,
nun gut, jeder sieht das was er sehen will. Obgleich manche Wortwahl doch ein wenig heftig (daneben) ist (Gruß hier an Günter, der doch bitte mal die Spielboxartikel der letzten 10 Jahre durchforsten sollte, hier ist genügend Material über das Wesen der Spielebranche zu finden).
Zum SdJ: Ich glaube jeder hier im Forum (Spielinteressierte) kennt die in der Vergangenheit geführte Auseinandersetzung mit der Auszeichung zum SdJ (siehe entsprechende Spielboxartikel). War da nicht diese Diskussion über die Zusammensetzung (und Austausch) der Jury, und wie unabhängig sie sind? Das kommt nicht von mir, sondern stand in der Spielbox. Und wenn ich sehe, wie in Politik (Spendengelder), im Sport (Olympiaschmiergelder, Bestechungsgelder für Schiedsrichter), in der Industrie (Werbeentzug bei kritischer Berichterstattung) oder sonstwo wo es um viel Geld geht versucht wird, Einfluss auf Entscheidungen zu nehem, dann lässt das viele Fragen offen, bei entscheidungen, die nicht nachzuvollziehen sind. Vom Eisberg sieht man eben nur das, was aus dem Wasser herausragt!
Zu Puerto Rico: Wenn dieses Spiel in der Spielewelt auf Platz 1 steht (boardgamegeek.com + diverse Spielehitparaden), dann muss ich den Sachverstand der Jury anzweifeln!
Kriegsspiel: Nun, lieber Günter, du solltest die Spielbox gründlich lesen. Heft 3/2004, Seite 7, Erwin Glonegger im Nachruf auf Alex Randolph, bezüglich Spieleveröffentlichung bei Ravensburger :"Eine Beschränkung, die ich von ihm erbat, akzeptierte er bis zum Schluss: Das Thema 'Krieg' sollte für uns absolut tabu sein...". Das hat sich bis heute erhalten. Wallenstein ist für mich kein Maßstab. Eher Axis&Allies, Memoir44, Zero, Cosims zu WWI und WWII... sonst könnte man ja auch das Herr der Ringe-Risiko als Kriegsspiel bezeichnen.
Das mit der Deutschen Vergangenheit wird immer als Begründung herangezogen. Verarbeitet man seine Vergangenheit besser, wenn man sie im Spielebereich unter den Teppich kehrt (deshalb auch meine provokative Frage, ob die Welt dadurch besser wird). Das verhält sich dann so, wenn Deutschland auf jegliches Kernkraftwerk verzichtet (und sich den Sauberkeitsbutton ans Hemd heften darf) und in den Nachbarländern strahlt es noch und nöcher. Ich glaube, hier haben die Deutschen ein verschobenes Verständnis (oder eine falsche Vorstellung von Vergangenheitsbewältigung). Siehe auch im Softwarebereich C&C Generals deutsche und englische Version.
@Günter: Ich kenne deinen Verlag nicht. Doch wenn er gute Spiele produziert, warum soll ich ihn meiden? Du solltest nur mehr Werbung machen, damit die Leute ihn kennen! Zu deiner Äußerung "Muß man blöde sein, um sich für Cosims zu begeistern oder wird man es erst dabei?" sei gesagt, dass ich zwar Memoir44 und Axis spiele und WH Fantasy und 40k, die Cosim-Leute aber als blöde zu bezeichnen zeugt von mangelnder Diskussionsfähigkeit.
@peer: Arroganz der grossen Verlage. Ich hatte nicht gemeint, dass Kosmos Geld für's Spieletesten verlangt, sondern dass sie arrogant mit unbekannten Spieleautoren umgehen. Ich maße mir nicht an, ein Super-Spieleerfinder zu sein, deswegen habe ich das nicht genauer angeführt, aber ich hatte ein Spiel entwickelt (Kartenspiel mit nettem Mechanismus; und gehen wir hier davon aus, daß es SCHLECHT ist!). Ich hatte es an Kosmos geschickt und eine 'nette' Dame hat mir geantwortet, dass Kosmos generell (!!!) unbekannten Autoren keine Chance gibt und heute nur auf den eigenen Spielautorenstamm zurückgreift. Wie soll ich diese Haltung verstehen...in meinen Augen ist das Arroganz (was, wenn mein Spiel nun SUPER gewesen wäre, der Spielewelt wäre ein sicherer SdJ Anwärter verloren gegangen. Aber es war ja sowieso SCHLECHT, da macht das nichts).
Cosim und Massenmarkt: Das ist doch die Diskussion, peer. Wir wollen nicht vom Massenmarkt ausgehen. Zweifellos sind die Cosim in USA, England und Italien verbreiteter als in Deutschland (ich persönlich besitze kein echtes Cosim, wie zum Beispiel ASL, Third Reich, Barbarossa to Berlin). Axis und memoir44 sind keine, das weiß ich selbst! Was wäre nun, wenn Kosmos oder Ravensburger ein ASL light herausbringen würde? Wäre das der Ruin der Company oder würde sich der Spielekreis der Cosim-Spieler vergrößern? Ich glaube eher Zweiteres. Aber es ist Fakt, daß Cosims von deutschen Verlagen totgeschwiegen werden (Phalanx ist keine deutsche Firma und Wallenstein kein Cosim!).
Die Gleichung Kleinverlag=gut/Großverlag=schlecht habe ich nie aufgestellt. Das ist eine falsche Assoziation. Eine Meidung der Großverlage heißt für mich, durch den Kauf der Produkte nicht deren Politik zu unterstützen (obgleich ich an Puerto Rico nicht vorbei komme!). Dann eher die kleineren Verlage, wo es richtigen Spielspaß gibt. Das ist so zu lesen, wo ich gute Spiele finde, was wiederum nicht impliziert, daß bei Kleinverlagen generell nur gute Spiele zu finden sind. Gesegnet der, der ins Füllhorn greifen kann und nur so um sich wirft mit Golddukaten. Mein Spielebudget ist beschränkt (immerhin sammle ich seit 25 Jahren Spiele), also muss ich aussuchen und kann nicht alles kaufen.
Zum Innovationspreis für Blue Moon: Preise werden doch nicht ohne Grund ins Leben gerufen oder verliehen. Ich glaube es war die Nürnberger Spielwarenmesse, wo der Preis verliehen wurde (?), doch wer kann mir das genaue (!) Zustandekommen dieses Preises erklären. Wer hat von wem die Idee zugesteckt bekommen, solch einen Preis auszurufen. Mal ehrlich: Hat ihn die deutsche Spieleszene benötigt? War bis dato alles in-innovativ (gut mitgedacht, Jeffs Originalthread fragte nach Innovationen). Merken die Spieler und Spielinteressierten durch Foren/websites/Spielbox/Spielabende/Spielfreunde nicht, was innovativ und was nicht ist? Brauchen sie ein Siegel: DIES ist es, alles ohne dem Siegel NICHT? Nein, es ist der Wink mit dem Zaunpfahl für die Masse, für die Mutti die ein Geschenk für den Neffen sucht etc.eben für jene Menschen, die nicht so spielinteressiert sind. Und genau dieser unbedarften Klientel verkauft man Blue Moon als innovativ. Nun gut, ihr wirds egal sein, denn wenn die Masse Kübelbök und Superstars braucht, dann benötigt sie auch alles andere was, die Geschäftswelt ihr vorgaukelt.
@Michael Weber: Wirtschaftliche Situation der Spielebranche: Natürlich kenne ich KEINE Daten der Spieleverlage, woher auch, und ich glaube wenn du nicht gerade der Prokurist bist, selbst du nicht. Jeder wird dir seine Version erzählen (das ist wie überall: jeder Unternehmer legt nur drauf. Glückliche und zufriedene Unternehmer sind die Seltenheit). Von meiner Zeit bei einem Medienverlag her kenne ich die Schwierigkeiten von Auflage und Verkaufspreis, Ausstattung (hier Seitenzahl und Farbwahl) und Werbeeinheiten. Das heißt aber noch lange nicht, dass man generell nur aufs große Geld schielen muss (es kommt darauf an, wie hoch du den Prozentwert für Wagnis und Gewinn setzt). Großes Geld heißt, ausschließlich für die große Masse zu produzieren (Beispiel Musikbranche: Bohlens Retortenzucht vs. "die-deutsche-Band-die-seit-10-Jahren-super-Musik-macht-und-doch-nicht-entdeckt-wird"). Wer dieses Industriegebaren gut heißt, entscheidet sich für Mittelmaß (nicht ausschließlich, doch in der Überzahl; bitte beachten). Monopoly (um bei den Spielen zu bleiben) hat sich über all die Jahre nicht so lange behauptet weil es so SUPER TOLL ist, sondern weil es den entsprechenden Support, die nötige Werbung des lizenzhabenden Verlags (kapitalstark) hat und in endlos vielen Varianten auf den Markt gebracht werden kann (Jedem Bayern-Fan sein Bayern-Monopoly). Ich sage doch nicht, daß die Verlage das nicht dürfen (ist wirtschaftlich verständlich, siehe mein erster Thread). Aber ICH darf doch dagegen angehen und zwischenrufen und fordern, daß man vom 'Kuchen' ein StÜck an die Spieler weitergeben soll (was heißen soll: mal etwas weniger Cash für den Vorstand, dafür ein 'abgefahrenes' Spiel für die Spielergilde). (Bevor es wieder Einwände gibt: Abgefahren in dem Sinne, daß die Spielregel auch schon mal länger sein kann...ASL lässt grüßen. Klar, je länger die Spielregel, desto...)
@Attila: AH-Pleite. Kann nicht als Exempel herhalten. Die AH-Pleite hat sich lange angekündigt und wo das Management nichts taugt kann der Verlag halt nicht ernten. Zu GMT kann ich leider nichts sagen.
Klar steht der Krieg bei uns in einem anderen Licht (sind eben die Verlierer), aber am Beispiel Amerika-Vietnam lässt sich doch sehen, dass nicht unbedingt die Sieger die bessere Einstellung und das 'Licht' haben. Ich würde sagen, hier mangelt es am deutschen 'International-Selbstbewußtsein'. Nochmals: ich bin kein Cosim-Spieler (spiele Axis und Memoir44), aber es ist traurig, wenn Cosimspieler als 'nachwachsende braune Gefahr' angeshen werden (beachten: nicht hier in diesem Forum!!!). Frage an die Industrie/Politik: Ist der, der Schlachten des WWII mit Pappcountern nachspielt ein potentieller Krieger/Soldat/Menschenrechtsignorant? Geht von ihm eine Gefahr aus? Wird es nicht endlich Zeit, eine solch antiquierte Einstellung eines Erwin Glonnegger (wie oben zitiert) endlich aufzubrechen und sich der Realität zu stellen? Wie die aussieht? Daß es viele Spieler gibt, die gerne WWI und WWII Spiele spielen (sonst könnten die entsprechenden Verlage ja nicht davon leben; wohlgemerkt ausländische Verlage) und daß der deutsche Spieler auf Importspiele angewiesen ist (es soll ja noch Menschen geben, die eine Spielregel nicht in Englisch lesen können!). Nochmals und unmißverständlich: Ich habe eine große Spielesammlung, doch Axis&Allies und Memoir44 sind die einzigen Titel, die ich mit WWI/WWII Hintergrund besitze. Bezogen auf die Kriegsspielphobie kann ich es nur nicht verstehen, wenn stets der Bürger als mündig hingestellt wird, und dann über seinen Kopf hinweg entschieden wird.
Diskussionen schaden nie, sie sind nur unnütz, wenn man mit Tauben oder Ignoranten spricht.
Auf dass die Spielbranche lebe!
Gruß Bernd