Beitragvon Udo Möller » 7. November 2004, 22:19
Hallo Thomas,
zu deiner Kritik an Weidespaß:
Thomas schrieb:
> 1. Die erste Phase "erinnert" vom Spielprinzip sehr stark an
> Carcassonne. Es werden Plättchen aufgedeckt und anstelle von
> Gefolgsleuten werde dann Pferde auf diese Plättchen gesetzt.
> Ich muss jetzt schon sehr vorsichtig formulieren, denn mit
> Plagiatsvorwürfen haben manche schon schlechte Erfahrungen
> gemacht... Es fehlt allerdings völlig die spielerische Tiefe
> des "Originals"
CC ist nicht das erste Spiel gewesen, bei dem man aufgedeckte Plättchen anlegt und Figuren darauf einsetzt und wird auch nicht das letzte sein. Bei Weidespaß ist das Aufdecken und Einsetzen vom Prinzip ähnlich, aber:
- bei Weidespaß kann ich nur auf Weiden Pferde einsetzen, nicht auf allen Plättchen,
- habe ich nur Pferde zur Verfügung, die ich zuvor aufgedeckt habe und somit in meinem Reitstall stehen, nicht die komplette Grundgesamtheit,
- deshalb kann ich auch mehr als ein Pferd einsetzen, wenn ich eine Weideplättchen aufdecke und Pferde auf meinem Reitstall stehen,
- ich kann gegnerische Pferde bei Figurenmehrheit schlagen, diese kommen in der 1. Phase wieder zurück in den gegnerischen Reitstall, sind also in der 1. Phase für den Mitspieler wiederverwendbar.
Über die Spieltife sollte jeder selbst entscheiden, die Autorin will bestimmt nicht die "Civilization"-Anhänger überzeugen.
> 2. In der zweiten Phase werden dann die Pferde stumpfsinnig
> vorwärtsgewürfelt. Ab und zu werden gegnerische Pferde
> geschlagen, die dann wieder vom "Start" beginnen dürfen. Bei
> uns heißt dieses "Spiel" Mensch ärgere Dich nicht....
2) Die Pferde werden mittels zweier Würfel (Zugweite + Anzahl) vorwärtsgewürfelt. Hierbei gibt es aber mehrere Ziele:
- Besuchen von Bauernhöfen, um Heuballen zu gewinnen (sind die Heuballen alle verteilt, ist das Spiel beendet und es kommt zur Wertung).
- Das Schlagen gegnerischer Pferde durch Pferdemehrheit ist nur auf den Weiden zulässig, im Bauernhof und auf dem Weg dürfen beliebig viele Pferde von mehreren Mitspielern stehen, ohne dass geschlagen wird.
- Möglichst viele verschiedene Weiden zu besetzen bringt jeweils 2 Punkte pro Weide, nicht pro darauf gesetztem Pferd. Dies bedeutet: möglichst viele Weiden mit nur einem Pferd besetzten bringt mehr Punkte, birgt aber auch die Gefahr, das meine Pferde geschlagen werden.
Werden Pferde (von einer Weide) geschlagen, kommen sie in den Reitstall, dürfen aber nicht mehr eingesetzt werden (also kein Mensch ärgere dich nicht, eher ein Stratego oder Subulata oder Schach oder ... :-))
> 3. Die absolute Krönung ist allerdings der Hinweis, dass man
> mit den 40 Pferdekarten (20 Paare) auch als "Zustazspiel" ein
> "lustiges (!) Aufdeckspiel für die ganze Familie" spielen
> kann. Ich kenne das unter dem Begriff "Memory"...
3) Es gibt bestimmt weitere 100 verschiedene "Memory"-Clons insebondere im Kinderspielebereich, die aber alle anders heißen, da dieser Name von Ravensburger gesetzlich geschützt ist. Von daher verbietet sich dieser Hinweis auf der Packung. Ist doch aber prima, wenn man auch schon mit der vierjährigen Tochter mit dem gleichen Spiel etwas anfangen kann, ohne doppelt dafür bezahlt zu haben? Natürlich könnte ich auch noch zusätzlich ein Pferdememory kaufen... :-)
Und gerade eben hat "Dicke Luft in der Gruft", ebenfalls eine Memory-Variante den deutschen Kinderspielepreis gewonnen. Und auch andere populäre Titel wie "Zicke Zacke Hühnerkacke" basieren auf diesem Prinzip. Memory ist also immer noch in.
> Das Spiel richtet sich laut Schachtelaufdruck an alle Pferde-
> und Strategiespielliebhaber. Hier von Strategiespiel zu
> sprechen, grenzt schon an Käuferverdummung.
Vielleicht ist "Strategiespiel" etwas zu hoch gegriffen, aber es gibt einige Entscheidungen, die ich gegeneinander abwägen muss. Und mit ähnlichen Attributen werden auch andere Titel von großen Verlagen belegt, ohne dass diese Spiele dies verdienen. Also sollte man das nicht so genau nehmen und kein "Diplomy" oder "Civilization" mit Pferden erwarten.
> Natürlich haben wir das Spiel trotz aller Vorbehalte auch
> gespielt. Leider wurden alle unsere Vorbehalte mehr als
> bestätigt. Es war an Langeweile kaum zu überbieten.
> Unterm Strich ist festzuhalten, dass die Zielgruppe für
> dieses Teil ausschließlich unter den weiblichen
> Zahnspangenträgern zu suchen ist, die von Pferden nicht genug
> bekommen können. Da in unserem Kreis diese Gruppe nicht
> vertreten ist und ich mich beim Anblick dieses "Spieles"
> nicht weiter ärgern möchte, habe ich es der Abfallbeseitigung
> zugeführt.
Ich hatte zwar als Kind auch einmal eine Zahnspange ;-), jedoch war ich noch nie weiblich, bin weder Reiter noch ein Pferdenarr. Nach meiner Meinung funktioniert dieses Spiel und ist besser als einige andere, die in Essen das Licht der Welt erblickt haben. Allerdings kann man über Geschmäcker jederzeit streiten, auch ich habe schon von Spielern gehört "das ist ja nur was für reitende Mädchen" :-), ohne dass das Spiel überhaupt nur einmal eine Chance bekommen hätte.
Vielelicht hättest du das Spiel besser beim örtlichen Reitstall als Spende abgegeben und damit "weibliche Zahnspangenträger, die von Pferden nicht genug bekommen können" glücklich gemacht als es in die Tinne zu geben?
LUdo ergo sum [Bei Jambo heute eien Bilanz von 2:1 erspielt]