Beitragvon Roman Pelek » 3. Dezember 2004, 21:06
Hi Kathrin,
ein wirklich sehr schöner und facettenreicher Artikel, der nach außen mehr aus der Spieleszene anklingen lässt als die meisten anderen, die man in der letzten Zeit lesen durfte. Dazu ist er noch flüssig und "menschlisch" (ja, blödes Wort, aber mir fällt grade kein besseres Wort ein, um zu beschreiben, dass man sich beim Lesen wohlfühlt) geschrieben . Was mich allerdings gestört hat, sofern die Printausgabe das so wiedergibt wie in Deinem Link, waren die Fotos. Die vermitteln durch Überbelichtung, Schlagschatten und Perspektive eher "intellektuelle Unnahbarkeit" und "Exotentum". Oder auf Deutsch, bevor ich mich noch versteige: ich fand sie Mist.
Warum ich sie Mist finde? Weil sie mir zu abgehoben wirken und damit vielleicht nach außen ein Klischee bedienen, das ich nicht leiden kann. Ich möchte das einfach mal an einem persönlichen Beispiel illustrieren: Darmstadt Spielt, Anno 2003. Eine Gruppe juveniler Mitt-Zwanziger möchte eine Brettspiel kennenlernen, bei dem es darum geht, in einer unwirtlichen Gegend knappe Wasserressourcen zu verteilen und notfalls auch der Bestechlichkeit anheimzufallen. Ein Gleichgesinnter erklärt sich bereit, die Regeln zu erklären und nebenbei die Spieler am Tisch ein wenig gegeneinander aufzuhetzen. Man schwätzt ein wenig nebenbei (oder besser: sehr viel sogar), lacht viel, zieht sich (spielerisch) über'n Tisch, und stellt am Ende fest: hat Spaß gemacht, waren alles supernette Leute, machen wir gerne wieder. Und vielleicht hat auch das Spiel ein wenig dabei mitgeholfen, zumindest war es nicht übermäßig hinderlich.
Und dann kommt der falsche Satz an den (zumindest nahezu) gleichaltrigen Erklärer: "Sag' mal, warum erklärst DU eigentlich dieses Spiel?". Nach ein paar "Ähms", "Öhms" und "Naja, irgendwie trage ich da versehentlich Mitschuld" muss man dann eingestehen, dass man den Blödsinn zumindest mit verbrochen hat. Stille. Lange, unerträgliche Stille. "Und ich dachte, Sie, also, Du, nee, Sie als Autor, also Spieleautoren wären eher gesetzte, graumelierte Herren, die so irgendwie genial-verschroben im Keller basteln, wenn die Ehefrau sie in mal in Ruhe lässt, und die dann - irgendwie – ‚sowas’ machen.". Das hat mich erschreckt, und zwar ob des Bildes, das wir anscheinend erzeugen. Und das Geschilderte ist leider kein Einzelfall (vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich mich einfach gerne subversiv in solche Runden einschleiche, um mal zu beobachten, was passiert - wobei es mir zupass kommt, dass ich selbst mit Anfang 30 noch wie „der Studi von nebenan“ aussehe. Aber warum sollte man das dann nicht genau deswegen für Feldforschung nutzen?).
Sei’s drum: auch wenn ich es von ganzem Herzen begrüße (und jederzeit voll unterstütze), dass wir Autorenspiele haben, weil Spieleautoren für ihr Werk sowohl Namensnennung als auch den damit einhergehenden Respekt für ihre Arbeit verdient haben, so sehr sorgt mich die Aura, die uns in der Öffentlichkeit zu umwabern scheint. In meinen Augen sind wir immer noch zu sehr „die“, zu wenig „sie“ oder „er“
Und wenn mich demnächst nochmal jemand Außenstehendes siezt, nur weil ich ein blödes Brett- oder Kartenspiel oder sonst irgendeinen Quatsch erfunden habe, gebe ich dieser Person erstmal drei Pils aus, um das zu relativieren und wieder zum „Du“ zu finden. Wir sind schließlich nicht hier, um Profilneurosen zu gießen, Knigge hat’s mit seiner distinguierten Etikette letztlich auch nur bis ins Grab gebracht ;-)
Ciao,
Roman
P.S.: Ich plädiere für die Aktion „Spieleautoren zum Anfassen – sie sind auch nur Menschen und beißen nicht (immer).“ :-))