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Nur Anfangseuphorie?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Matthias

Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon Matthias » 27. Januar 2005, 13:57

Hallo!

Jeder, der auch nur ein bißchen von der Brettspielleidenschaft gepackt wird, kennt folgendes Phänomen: Ein Spiel, dass erst ganz toll war, und das wir selbst unheimlich toll fanden, entpuppt sich ganz langsam (oder auch schnell?) als Niete. Das peinliche ist nur, wir haben schon allen erzählt, wie prima das neue Spiel ist. Aber warum haben wir das, obwohl wir es als erfahrene (?) Brettspieler eigentlich besser hätten wissen müssen:

a) Weil manche Spiele erst mit der Zeit einen gravierenden Mangel aufzeigen? Schon möglich, oder doch nur Ausrede?

b) Weil man Spielekritiker ist und schnell eine Kritik schreiben muss, um die Süchtigen zu unterhalten? Ich mache jede Wette, mindestens 25% aller Spieletests würden innerhalb kürzester Zeit (sagen wir mal 10 Testspiele später) von ein und demselben Kritiker eine andere Rezi bekommen. Hart, oder?

c) Wir müssen das Spiel einfach lieben, weil es supi aussieht? Meine Behauptung: In den letzten Jahren haben die Hersteller eines mit Sicherheit erkannt: Das Aussehen macht's! Die Spiele werden immer opulenter, aber auch besser bei der Spielmechanik? Beispiel 'Ringkrieg': Alles nur Hype?

d) Wir haben eine Menge Kohle abgedrückt, also muss das Spiel einfach gut sein! Es muss einfach! Es muss! Aaaah! :-) Das ist ein Grund, gebt es zu!

e) Weil eben alles mal langweilig wird. Der Langzeitspielspass war eben nicht gut genug. Das Totschlagargument schlechthin!

f) Wisst Ihr noch weitere Gründe?

Als Beispiel aus meiner Erfahrung (natürlich subjektiv - keine Diskussionen bitte!): Das Geheimnis der Abtei. Eindeutig c und d. Aber irgendwie funktioniert das Spiel nicht richtig. Was darf man fragen und was nicht... usw usw usw.

Also, womit seid Ihr schon daneben gelegen, und warum? Wo würdet Ihr aus heutiger Sicht sagen, dass Ihr damals aus den Gründen a bis f zu schnell zu positiv geurteilt habt? Manchmal ist es schwer zuzugeben, wer traut sich?

Gruß
Matthias

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andreas

Re: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon andreas » 27. Januar 2005, 14:08

...absolut richtig! Wer viel Geld für ein Spiel ausgegeben hat, will nicht so schnell wahr haben, dass es eine Fehlinvestition war. Ich habe das Gefühl, das der Spielemarkt seit "Siedler" mächtig aufgebläht ist, was die Masse der neuen Spiele betrifft. Dies zeigt sich auch an der hohen Anzahl an Kleinverlagen, die jedes Jahr neu gegründet werden (mit zum Teil nur einem Spiel im Sortiment).
Die Qualität der Spiele lässt jedoch oft zu wünschen übrig, und es wird immer schwerer, die Spreu vom Weizen zu trennen...

Andreas

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Wolfram Püchert alias WeePee

Re: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon Wolfram Püchert alias WeePee » 27. Januar 2005, 14:22

- Weil sich der eigene Geschmack geändert hat
- Weil es keine geeigneten Mitspieler gibt (manche Spiele funktionieren nur, wenn die Mitspieler auf derselben Wellenlänge mitspielen)
- Weil ein Spielmechanismus, den man am Anfang ganz toll gefunden hat, von einem anderen Spiel so verbessert wurde, dass das erste Spiel auf einmal ziemlich lächerlich aussieht
- Weil im Laufe der Zeit festgestellt wurde, dass es für das Spiel DIE ultimative Siegstrategie/Siegtaktik gibt.
- Weil das Spielthema selbst "uncool" geworden ist
- Weil der Verlag die x-te Erweiterung heraus gebracht hat und man gar nicht mehr weiß, mit welchen Regeln man gerade spielt (geht mir bei Carcassonne so)
- Weil der Verlag die x-te Erweiterung heraus gebracht hat und die Spieler sich nicht einigen können, welche Version sie spielen wollen
- Weil das Spiel die x-te Neuauflage (evtl. auch noch in verschiedenen Verlagen) erfahren hat und es nun mindestens x+1 Regelvarianten gibt.
- Weil es inzwischen mindestens x FAQs, y Erratas gibt.
- Bei Sammelkartenspielen: Weil es inzwischen die 8. Auflage gibt und keiner mehr weiß, welche Karten denn gerade verboten bzw. erlaubt sind.

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cristinus

Re: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon cristinus » 27. Januar 2005, 14:33

Hi Matthias,

sehr schöner und treffender Beitrag von dir! Ich kann aus meiner Erfahrung berichten, dass von den Essen 2004-Neuerscheinungen, die ich mir in einem Fall akut grassierender "Ludophilitis" gekauft habe, die meisten nach mehrmaligen Spielen durchgefallen sind und schon längst wieder eine anderes Zuhause haben...

Ergo: Ich werde mir die Neuheiten erst dann zulegen wenn sie keine mehr sind bzw. ausgiebig probegespielt wurden....

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Wolfram Püchert alias WeePee

Re: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon Wolfram Püchert alias WeePee » 27. Januar 2005, 14:39

- Weil ein Verlag sich Zeit lässt, das Spiel zu vervollständigen (Blue Moon)

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Martin

Re: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon Martin » 27. Januar 2005, 15:06


>
> e) Weil eben alles mal langweilig wird. Der
> Langzeitspielspass war eben nicht gut genug. Das
> Totschlagargument schlechthin!
>
> f) Wisst Ihr noch weitere Gründe?

Es ist wahrscheinlich ein bißchen e) und ein bißchen f).

Bei guter Musik geht es mir z.B. so, dass ich mir eine neue CD gerne immer wieder anhöre, bis ich es irgendwann leid bin oder eine Neue gekauft habe. Erstaunt bin ich dann, wenn ich mir anschaue, was ich vor drei Jahren ständig gehört habe.
Superschöne Spiele wie "El Grande", "Dampfroß" oder "Manhattan" kommen entsprechend selten auf den Tisch, weil der Reiz des Neuen fehlt - dennoch finde ich sie nach wie vor richtig gut.

Ich würde das jedoch nicht als "Totschlagargument" bezeichnen, sondern als gesunde Neugier, ohne die die Welt sich kaum weiterentwickeln würde.

Martin

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Olivier Boss

Z.B. St. Petersburg

Beitragvon Olivier Boss » 27. Januar 2005, 15:46

St. Petersburg habe ich so viele Male gespielt, dass ich m.E. die ultimative Siegstrategie gefunden habe und so das Spiel langweiliger geworden ist. Darum habe ich es auch nicht gekauft.

Interresant wäre es vielleicht mit Leuten zu spielen, welche die gleiche Strategie haben; aber so entscheidet dann das Glück.

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Michael Weber

Re: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon Michael Weber » 27. Januar 2005, 16:52

Matthias schrieb:
> b) Weil man Spielekritiker ist und schnell eine Kritik
> schreiben muss, um die Süchtigen zu unterhalten? Ich mache
> jede Wette, mindestens 25% aller Spieletests würden innerhalb
> kürzester Zeit (sagen wir mal 10 Testspiele später) von ein
> und demselben Kritiker eine andere Rezi bekommen. Hart, oder?

Nein, nicht hart. Ich schätze, nach jeder Partie würde die Besprechung ein bisschen anders ausfallen. Ab einer gewissen Anzahl von Partien kann man aber den Charakter des Spiels recht gut einschätzen und "darf" dann auch eine Rezension verfassen. Diese Anzahl ist je nach Spiel ganz unterschiedlich.

Im Großen und Ganzen, behaupte ich mal, arbeiten die Rezensenten in dieser Hinsicht ordentlich. Und schnell eine Kritik schreiben? Na, wenn das mal so schnell ginge und die vielen Testspiele vorher nicht wären ;-) Ich warne an dieser Stelle ganz ausdrücklich davor, die Rezensenten und den notwendigen Zeitaufwand zu unterschätzen.

Mit dem Rest hast du in jedem Punkt ein bisschen Recht. Mal mehr mal weniger. Die Kritik an Geheimnis der Abtei und Ringkrieg teile ich jedoch so nicht.

Michael
(schreibt auch ab und zu Rezensionen)

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Armin

Re: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon Armin » 27. Januar 2005, 21:05

Halllo Matthias,

zunächst würde mich interessieren wo bei Dir die "Niete" anfängt (in Schulnoten ausgedrückt).

Bei mir ist es eher so, daß ich einige Spiele nach mehrmaligem Gebrauch "nicht mehr ganz so toll" finde. In Schulnoten rutschen sie von 2 auf 3, sind aber Keinesfalls Nieten (5 oder 6).

Das liegt m.E. zunächst daran, daß wir Menschen "neuen" Dingen prinzipiell einen hohen Wert zuordnen. Warum ist ein Neuwagen soviel mehr wert als ein Jahreswagen? "Neu" ist in der Werbung eindeutig positiv besetzt.

Außerdem gibt es da den Entdecker in mir. Neue Spiele wollen erforscht werden. Das macht einen Teil ihres Reizes aus. Sind sie erforscht, so nach ca. 5 Spielen, erlahmt der Entdeckerreiz. Der eigentliche Spielreiz, ausgehend von Mechanik und Aufmachung bleibt aber.

Und natürlich werden die Spiele immer besser. Nicht unbedingt jedes Jahr, aber im Abstand von 5 Jahren kann man doch in der breiten Masse einen Qualitätsanstieg deutlich feststellen. Also sind die neueren Spiele letztendlich immer die besseren.

Wenn ich wirklich mal in der Beurteilung eines Spiels stark schwanke, hat das fast immer mit der Zusamensetzung und Atmosphäre am Spieltisch zu tun. Anno Domini ist bei mir in den ersten Runden durchgefallen, weil die Chemie am Spieltisch nicht gestimmt hat und dadurch kein Spielspaß aufkam. Heute liebe ich es.

Gruß Armin

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Franz-Benno Delonge
Kennerspieler
Beiträge: 277

Schnelle Liebe, späte Liebe

Beitragvon Franz-Benno Delonge » 27. Januar 2005, 21:31

Hallo Matthias,
das ist mal wieder ein schöner Grundsatzbeitrag. (Das kommt mir in letzter Zeit hier ein bißchen zu kurz!)
Die Erfahrung, die du schilderst, mache ich oft, aber nicht immer. Manchmal ist es auch genau andersrum: Erst nach ein paar Runden erkennt man Qualitäten an einem Spiel, das man zuerst gar nicht so toll gefunden hat.
Das erinnert mich dann an die LP-Käufe meiner Jugend. Gerade da hatte ich früher die Faustregel: Eine Platte, die mir beim ersten Anhören wahnsinnig gut gefallen hatte, wurde nach spätestens fünfmal Hören platt und banal. Was ich hingegen beim ersten Anhören eher nur "irgendwie interessant" fand, entwickelte sich auf die Dauer oft zur Langzeitliebe.
Davon ausgehend könnten wir jetzt Parallelen herstellen zwischen Spielen, Musik, Autos, bis hin zu Menschen des anderen (bzw. sonstwie bevorzugten) Geschlechts - aber das würde wohl zu weit führen und Abzugsbefehle ins oT-Forum nach sich ziehen...
Schönen Gruß
Benno

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Manuel Siebert
Brettspieler
Beiträge: 57

Re: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon Manuel Siebert » 28. Januar 2005, 01:27

Nur zwei (von vielen) Gegenbeispiele:

- Nero (Phalanx)
- Mare Nostrum (Eurogames)

Anfangs sehr skeptisch gewesen und mit der Zeit (in beiden Fällen über ein Jahr) immer mehr schätzen gelernt. Die Liste könnte ich noch lang fortsetzen, aber bei den beiden war die Diskrepanz von anfänglicher Ablehnung und neu gewonnener Wertschätzung einfach am größten. Torres ist bei mir auch so ein Kandidat - hat Jahre gedauert, bis ich damit warm wurde und dieses Jahr habe ich es mir dann sogar selbst gekauft.

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Matthias

Re: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon Matthias » 28. Januar 2005, 08:24

Hi Spielsuchties! ;-)

Natürlich war mein Posting etwas provozierend. Muss ja sein, sonst gibt es weniger Resonanz. Spieletester arbeiten mit Sicherheit im Allgemeinen ordentlich. Aber! Sie stehen unter Zeitdruck! Keiner will eine Kritik ein Jahr später lesen. Und der Langzeitspielspass ist (zumindest für mich) das wichtigste Kriterium. Kann man den denn schon nach 10 Spielen gut genug kennen? Komisch, aber in kaum einem Test steht, wie oft der Tester das Spiel eigentlich gespielt hat. Meist ist es sogar so, dass der Eindruck entsteht, es wurde genau 1 mal (In Worten: ein mal) gespielt... Das ist mir zu wenig bei so viel Geld. Und Ebay kann ja nicht die Lösung für alle Fehlkäufe sein, oder doch? :-)

Aber jetzt kommt's: Ist es vielleicht gerade bei den Hardcore-Spielern so, dass der Langzeitspielspass gar nicht so wichtig ist, da bei einer solchen Flut von Neuerscheinungen kein Spiel über mehrere Monate gleichmäßig auf den Tisch kommt? Da kommt so viel Neues nach, dass alte Spiele doch relativ schnell wieder im Schrank landen. Natürlich von Ausnahmen wie Puerto Rico mal abgesehen...

Danke für die Postings bisher. Aber seid etwas mutiger! Bringt mehr Beispiele und Erfahrungen.

Ich wage mich erneut vor und behaupte (subjektiv! ;-)): Doom ist ein Hype-Spiel gemäß c) und d). Eine Regel, die versucht, ein Computerspiel aufs Brett zu bringen... na ja! Also, ob man das Thema des Spiels nun gut findet oder nicht, aber mal ehrlich: Wozu? Nur damit wir nebenher gemütlich Chips essen können? Das Spiel ist bei mir komplett durchgefallen. Oder ist das für Euch sowieso kein Thema, da Ihr solche (amerikanischen?) Spiele gar nicht spielt?

Gruß
Matthias

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Michael Weber

Testanzahl

Beitragvon Michael Weber » 28. Januar 2005, 09:15

Matthias schrieb:
> Natürlich war mein Posting etwas provozierend. Muss ja sein,
> sonst gibt es weniger Resonanz.

Provozier ruhig, das nimmt dir sicher keiner übel.

> Spieletester arbeiten mit
> Sicherheit im Allgemeinen ordentlich. Aber! Sie stehen unter
> Zeitdruck! Keiner will eine Kritik ein Jahr später lesen.

Der Zeitdruck entsteht weniger durch die Leser, sondern dadurch, dass die Verlage so viele Spiele veröffentlichen. Wir denken inzwischen von Messe zu Messe bei den Großen und von Essen zu Essen bei den Kleinen. Dennoch haben wir gerade deshalb bei Reich der Spiele das Team so aufgestockt, dass jedes Spiel ausgiebig getestet werden kann und kein Rezensent überfordert wird.

> Und
> der Langzeitspielspass ist (zumindest für mich) das
> wichtigste Kriterium. Kann man den denn schon nach 10 Spielen
> gut genug kennen? Komisch, aber in kaum einem Test steht, wie
> oft der Tester das Spiel eigentlich gespielt hat. Meist ist
> es sogar so, dass der Eindruck entsteht, es wurde genau 1 mal
> (In Worten: ein mal) gespielt... Das ist mir zu wenig bei so
> viel Geld. Und Ebay kann ja nicht die Lösung für alle
> Fehlkäufe sein, oder doch? :-)

Hm, wenn du schon provozierst, dann nenn mal Beispiele.
Ganz abgesehen davon, glaube ich schon, dass es vereinzelt Spiele gibt, die man nach ein Mal spielen beurteilen kann. Aber ganz selten.

> Aber jetzt kommt's: Ist es vielleicht gerade bei den
> Hardcore-Spielern so, dass der Langzeitspielspass gar nicht
> so wichtig ist, da bei einer solchen Flut von
> Neuerscheinungen kein Spiel über mehrere Monate gleichmäßig
> auf den Tisch kommt? Da kommt so viel Neues nach, dass alte
> Spiele doch relativ schnell wieder im Schrank landen.
> Natürlich von Ausnahmen wie Puerto Rico mal abgesehen...

Ich glaube sogar, dass mit der Flut von Neuheiten
a) alte Spiele potenziell abgewertet und aus den Handel gedrängt werden und
b) sich die Verlage langfristig ins eigene Fleisch schneiden.

Ich bin mir nicht sicher, ob Spieler und Handel wirklich ständig neue Spiele brauchen. Sie brauchen gute Spiele, damit man lange Spaß hat und mal wieder Lust auf ein anderes gutes Spiel hat, das dann hoffentlich im Handel vorhanden ist.
Lieber die Hälfte der Spiele, die aber qualitativ, in Ausstattung und in Sachen Anleitung besser. Also einfach gründlicher bearbeitet.

Michael

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Markus N.

Re: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon Markus N. » 28. Januar 2005, 09:26

Ein Beispiel für die Rubrik e) ist meiner Meinung nach Transamerica!

Wir haben es auf der Messe in Essen mehrmals gespielt und danach auch häufig zu Hause (meistens zu 2), aber je öfter wir es spielten um so weniger Spannung kam auf.

Zunächst mit verdeckten Tickets wurde der Glücksfaktor zu groß, da man des öftern dem Anderen den Sieg "schenkte" durch seinen eigenen Zug. Mit offenen Tickets wurde das ganze dann mehr ein Rechenspiel bzw. Glücksspiel, wer die besseren Tickets zog!

Um jetzt da es mit Zug um Zug ein"kompletteres" Spiel gibt kommt natürlich noch der Grund dazu, dass das Spielprinzip einfach vergleichsweise "veraltet" und überholt ist!

Ein Beispiel für die Kategorie d) ist meiner Meinung nach Einfach Genial.

O.K. so irre teuer ist es nicht, aber ich habe glaub ich noch um die 30 Euro dafür bezahlt. Außerdem ist ja auch noch zum SdJ nominiert gewesen! (Ist vielleicht auch noch ein weiterer Grund für Fehlkäufe - Ein nominiertes Spiel muss doch gut sein!). Die Spannung kommt bei uns meistens erst bei den letzten 5-6 Plättchen auf und kurz darauf ist das Spiel auch schon zu Ende!

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Jost Schwider

RE: Z.B. St. Petersburg

Beitragvon Jost Schwider » 28. Januar 2005, 11:14

"Olivier Boss" hat am 27.01.2005 geschrieben:

> St. Petersburg habe ich so viele Male gespielt, dass ich
> m.E. die ultimative Siegstrategie gefunden habe und so das
> Spiel langweiliger geworden ist. Darum habe ich es auch
> nicht gekauft.

So ist es mir nach der dritten Partie auch ergangen... :-P

Wobei natürlich das Vorhandensein einer "ultimativen Siegstrategie" nicht bedeutet, dass das Spiel automatisch gewonnen wird. Dazu sind die Abhängigkeiten von anderne Faktoren (Mitspieler, Kartnnachschub) dann doch zu groß.

> Interresant wäre es vielleicht mit Leuten zu spielen,
> welche die gleiche Strategie haben; aber so entscheidet
> dann das Glück.

Wie meinst du das? :-?
Gerade wenn Leute die gleiche Strategie haben, entscheidet doch das Glück.

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "jooost aus sooost")
http://www.schwider.de/spiele.htm - [i]Besser (Brett)Spielen[/i]

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Jost Schwider

RE: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon Jost Schwider » 28. Januar 2005, 11:14

"Matthias" hat am 27.01.2005 geschrieben:

Vorneweg: Ich habe ein Spiel noch nie als zu schlecht eingestuft, bevor ich dann nach und nach ein Spiel schätzen gelernt habe.
Ausnahme: Gute Varianten, die ein Spiel "retten" (etwa "Formel Fun" oder "Wettstreit der Baumeister").

Auch umgekehrt kommt dies nur seltenst vor. Und wenn, dann geht es nur um kleinere Veränderungen.
Ausnahme: "Jugendsünden" wie Monopoly - aber damals kannte man ja nichts anderes! :-D

> b) Weil man Spielekritiker ist und schnell eine Kritik
> schreiben muss, um die Süchtigen zu unterhalten? Ich mache
> jede Wette, mindestens 25% aller Spieletests würden
> innerhalb kürzester Zeit (sagen wir mal 10 Testspiele
> später) von ein und demselben Kritiker eine andere Rezi
> bekommen. Hart, oder?

Bei meinen Benotungen gebe ich deswegen nach gewisser Zeit einen Langzeitspielreiz an.

> c) Wir müssen das Spiel einfach lieben, weil es supi
> aussieht? Meine Behauptung: In den letzten Jahren haben die
> Hersteller eines mit Sicherheit erkannt: Das Aussehen
> macht's! Die Spiele werden immer opulenter, aber auch
> besser bei der Spielmechanik? Beispiel 'Ringkrieg': Alles
> nur Hype?

Ringkrieg ist m.E. kein gutes Beispiel, welches durch das Aussehen einen Hype bei "uns" Spielern auslöst. Die Miniaturen sind dafür -ähem- zu "grell".
Andererseits: Alleine der Spielplan (Karte von Mittelerde) würde sich für manchen HdR-Fan lohnen, um ihn als Poster an die Wand zu hängen. Da gibt es durchaus teureres Material zu kaufen. ;-)

> d) Wir haben eine Menge Kohle abgedrückt, also muss das
> Spiel einfach gut sein! Es muss einfach! Es muss! Aaaah!

Diesen Eindruck habe ich leider auch sehr oft bei irgendwelchen Spieleumfragen! Und wenn es dann noch eine "limitierte Auflage" ist, werden anscheinend auch mal gerne zwei Augen zugedrückt.

> f) Wisst Ihr noch weitere Gründe?

Das Neue verdrängt das Alte - nicht immer durch bessere Qualität. Aber man muss (müßte) jedes neue Spiel ja mindestens einmal Spielen um überhaupt feststellen zu können, dass das Alte besser ist...

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "jooost aus sooost")
http://www.schwider.de/spiele.htm - [i]Besser (Brett)Spielen[/i]

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Werner Bär
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Re: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon Werner Bär » 28. Januar 2005, 11:53

> Ein Beispiel für die Rubrik e) ist meiner Meinung nach
> Transamerica!
>
> Wir haben es auf der Messe in Essen mehrmals gespielt und
> danach auch häufig zu Hause (meistens zu 2), aber je öfter
> wir es spielten um so weniger Spannung kam auf.

Probiers mal wieder in einer grösseren Runde (5 oder 6 Spieler), und mit der Blockadevariante (natürlich mit verdeckten Karten):
http://www.winning-moves.de/transamerica/
Ein ganz anderes Spielgefühl. Kommt bei uns immer noch gern auf den Tisch.

Werner

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Werner Bär
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RE: Z.B. St. Petersburg

Beitragvon Werner Bär » 28. Januar 2005, 11:55

> > St. Petersburg habe ich so viele Male gespielt, dass ich
> > m.E. die ultimative Siegstrategie gefunden habe und so das
> > Spiel langweiliger geworden ist. Darum habe ich es auch
> > nicht gekauft.
>
> So ist es mir nach der dritten Partie auch ergangen... :-P

Nach der dritten Partie Puerto Rico kannten viele Leute auch schon die ultimative Siegstrategie (Mais verschiffen) ;-)

Werner.

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TRH
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RE: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon TRH » 28. Januar 2005, 12:39

Moin!

Jost Schwider schrieb:

> > f) Wisst Ihr noch weitere Gründe?
>
> Das Neue verdrängt das Alte - nicht immer durch bessere
> Qualität. Aber man muss (müßte) jedes neue Spiel ja
> mindestens einmal Spielen um überhaupt feststellen zu können,
> dass das Alte besser ist...

-> Naja, bei mir gibts zweierleit Tendenzen: neue, interessant erscheinende Spiele ausprobieren und ggfs. kaufen und eine Recherche nach alten, guten Spielen betreiben, um zu sehen, ob man nicht noch was interessantes übersehen hat. Letzteres mache ich in letzter Zeit immer häufiger, allein deshalb weil man gute, ältere Spiele häufig zu recht günstigem Preis gebraucht (und doch wie neu) bekommen kann.

Gruß Tom
(der meint, dass das ganze vielleicht auch nur ein zeitliches Problem ist: mit steigender Anzahl guter Spiele im Vorrat sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Spiele häufiger auf den Tisch kommen...)

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Dieter

RE: Z.B. St. Petersburg

Beitragvon Dieter » 28. Januar 2005, 12:56

Hallo

Die ultimative Siegstrategie bei St.Petersburg - klingt interessant.
Und das bereits nach der dritten Partie ?

Wir haben jetzt vielleicht 10 Partien hinter uns und es ist immer sehr ausgeglichen (zum Glück). Der mit den Handwerkern beginnt, hatte bei uns bisher meist die Nase vorn.

Vielleicht ein kleiner Tip zur ultimativen Siegstrategie ?
Bin neugierig, aber kein Typ, der gewinnen muss. Spannend und ausgeglichen muss es sein, das ist das Wichtigste.

Gruß
Dieter
(einfach neugierig)

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Manuel Siebert
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Re: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon Manuel Siebert » 28. Januar 2005, 14:27

Manche Spiele kann man vor der Rezension gar nicht oft genug spielen. Ich denke da an Revolution oder 7 Ages. Da ist man schon heilfroh, wenn man genug Leute und Zeit findet, um zwei Partien hinzubekommen.

Ansonsten stimme ich Michael zu, dass es ganz vom Spiel abhängt, wie oft man es spielen muss, bevor man eine Rezension schreiben kann. Es gibt Spiele, da weiß man nach ein oder zwei Partien schon genug, um sich eine fundierte Meinung zu bilden. Schließlich spielt man schon recht lange, wenn man Rezensionen schreibt und hat auch einen guten Blick dafür, wieviel ein Spiel durch öfter spielen gewinnt. Auf diese Erfahrungswerte muss man manchmal vertrauen. Andere Spiele verlangen danach wieder und wieder gespielt zu werden. Bei mir ist es aktuell Im Schatten des Kaisers. Da sitze ich bei der Rezension und merke, dass ich einfach noch nicht oft genug gespielt habe. Also bringt man das Spiel beim nächsten Treffen wieder auf den Tisch.

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Michael Reitz
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Beiträge: 107

Re: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon Michael Reitz » 28. Januar 2005, 19:58

Wolfram Püchert alias WeePee schrieb:
>
> - Weil ein Verlag sich Zeit lässt, das Spiel zu
> vervollständigen (Blue Moon)

Sorry, das kann ich nicht nachvollziehen.
Wenn alle Karten gleichzeitig oder in sehr kurzen Abständen (z.B. 1 Set pro Monat) erschienen wären, dann wäre vermutlich schnell "die Luft raus", aber so wie es bisher gelaufen ist hat es zur Langzeitmotivation positiv beigetragen.

Michael

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Gerhard Passler
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Re: Medina - Nur Anfangseuphorie? Ja!

Beitragvon Gerhard Passler » 28. Januar 2005, 19:59

Hallo Matthias!

Danke für den interessanten Beitrag, bitte mehr davon ...

Ich kann Dir ganz konkret "Medina" nennen, das in einer tollen Ausstattung mit viel Holzteilen daherkommt, einfache Regeln und eine angenehme Spieldauer hat, und viel Atmosphäre vermittelt.
In den ersten Spielen war der Wiederspielreiz sehr hoch, man konnte den Mitspielern gegenüber fies agieren und das Ärgerpotential - im positivem Sinne - war deshalb recht hoch.
So habe das Spiel eigentlich vielen Leuten uneingeschränkt empfohlen.

Heute - nach inzwischen weit mehr als zehn Spielen - muss ich sagen bzw. eingestehen, dass "Medina" mit Vielspielern, die das Spiel gut kennen, absolut keinen Spaß mehr macht, da in der Regel vom Anfang bis zum Ende destruktiv und gemein gespielt wird.
Mit Gelegenheitsspielern funktioniert das Spiel dagegen gut, aber genau für diese Gruppe von Spielern gibt es dann halt doch andere, bessere Spiele.

Auf "Medina" trifft also vor allem Grund a) zu, ein bißchen aber auch die Gründe c), d) und e).

Verspielte Grüße

Gerhard

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achim

Re: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon achim » 28. Januar 2005, 23:38

Hallo!
Zu einer Anfangseuphorie kommt nach einiger Zeit häufig noch Verklärtheit dazu.
Spiele die früher mal gut waren, werden nicht selten über Jahre nicht mehr gespielt. In der Erinnerung der Spieler werden die Spiele dann von Jahr zu Jahr immer besser, obwohl die Zeit diese Spiele längst eingeholt hat. Ausdruck findet das dann in EBAY-Versteigerungen. Nach dem einen oder anderen "Oldie-Spieleabend" kommt man dann schnell wieder runter von "Wolke sieben". Die alten Schätze sind zwar meistens nicht schlecht aber eben verglichen mit neuen Spielen meist etwas angestaubt. Beispiele finden sich viele, und ich möchte jetzt nicht eine Diskussion über einzelne Spiele auslösen, aber es ist schon richtig, wie weiter unter im Thread zu lesen ist, dass alle paar Jahre ein Ruck durch die Spieleentwicklungen geht und neue interessante Mechanismen und Synergien alter Ideen Einzug in die Spielregeln finden. Unterstützend wirkt dabei auch das immer besser werdende Spielmaterial sowie die Spielregeln. Hier wurde wahrlich ein Quantensprung vollzogen.
Schneller Spieleinstieg, super Spielmaterial und interessantes Thema verleiten heutzutage schnell zu einer Anfangseuphorie. Diese mag nach mehreren Spielen bei dem einen oder anderen Spiel zwar etwas abnehmen, aber es ist doch gerade dieses wunderbar schöne Gefühl, das uns immer wieder veranlasst neue Spiele zu kaufen. Wenn das Spiel dann auf dem Spieltisch floppt, sei es drum, kaufen wir halt eine andere Neuerscheinung, es gibt ja mehr als in die Wohnung passen.

Euphorische Grüße
Achim

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Bernd Eisen

Re: Nur Anfangseuphorie?

Beitragvon Bernd Eisen » 29. Januar 2005, 01:27

Hallo!

Ist mir auch schon öfter so gegangen, dass eine erste Runde Spaß gemacht hat und ich mir dann das Spiel zugelegt habe, um zu sehen, dass es nach weiteren Runden schnell an Reiz verliert.
Gerade wenn das Spiel recht teuer war will ich mir den "Flopp" nicht so recht eingestehen. Zum Glück kaufe ich selten teure Spiele "blind" oder ohne sie vorher intensiver probegespielt zu haben.

Einige Enttäuschungen waren:
Die Magier von Pangea,
Im Zeichen des Kreuzes
aktuell: Flandern 1302 und der Prestel Schlossgarten

Grüße

Bernd, der den threat interessiert weiterverfolgt


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