Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 31. Januar 2005, 07:08
Wenn ein Spieler eine Unklarheit mit einer Regel hat, dann ist es selbstverständlich völlig in Ordnung, wenn er danach fragt: Was mir aufgrund meines Wissens, meiner Erfahrung und meiner Art zu Denken unmittelbar einleuchtend ist, kann einem Anderen dennoch fraglich erscheinen.
Manchmal allerdings ...
Sehen wir uns mal ein Beispiel an: Die Karte "Kanzler" aus dem Catan-Kartenspiel.
Der Text auf der Karte lautet: "Sie dürfen von einem Ausbaustapel 3 Karten ziehen". Ich persönlich finde, dass das eine klare Anweisung ist.
Dazu hatten wir bisher folgende Anfragen in den FAQ der Encyclopaedia Catanica:
- Darf ich die 3 Karten auch vom Ablagestapel ziehen?
(Nein: Ein Ausbaustapel ist ein Ausbaustapel und kein Ablagestapel.)
- Darf ich die 3 Karten auch von drei verschiedenen Stapeln ziehen?
(Nein: Ein Ausbaustapel ist ein Ausbaustapel und nicht drei Ausbaustapel.)
- Darf ich mir die 3 Karten aus allen Karten im Stapel aussuchen?
(Nein: Ziehen heißt ziehen und nicht aussuchen.)
Eins lässt sich auf jeden Fall daraus lernen: Es ist unmöglich, einen Text in deutscher Sprache so zu formulieren, dass er von allen Lesern gleichermaßen inhaltlich verstanden wird. Und daraus folgt: Die Frage, ob Regeln heute weniger verständlich formuliert sind als früher, lässt sich argumentativ nicht klären, da - zum Beispiel - mindestens drei Spieler der festen Überzeugung sein werden, dass der oben zitierte Satz unverständlich formuliert ist, und die (und vermutlich viele andere mit ihnen, die sich dieselben Fragen gestellt, sie nur nicht laut ausgesprochen haben) werden diese Meinung natürlich immer zu vertreten wissen.
Es sollte sich natürlich niemand scheuen, Regelfragen zu stellen: Der "Service" dieses Forums, Fragen zuverlässig zu beantworten, ist gradezu vorbildlich, und es gibt keinen Grund, ihn nicht zu nutzen. Außerdem kann auch der Klügste einfach mal "wie vernagelt" sein, auch wenn es nur um einen Satz, eine Floskel, ein mehrdeutiges Wort geht. (Gut, meine Antworten sind bisweilen etwas patzig ... aber ein BISSCHEN Spaß möchte ich ja auch dabei haben. :-) )
Übrigens apropos PISA-Studie: Aus der PISA-Studie lässt sich nicht folgern, dass deutsche Jugendliche dümmer wären als Jugendliche anderer Länder. Die Folgerung heißt nur: Das deutsche Bildungssystem ist praxisfern und die Bildungschancen sind abhängig vom sozialen Status. Die PISA-Studie beschreibt nur einen Status quo, der schon lange vor der Studie galt: Wir könnten daher vermutlich keinen Unterschied zwischen "früher" und "jetzt" feststellen, da nur die Studie relativ neu ist, nicht aber das Phänomen, das sie beschreibt.
Mit einem lieben Gruß
Gustav