Beitragvon die Thüringerin » 4. Februar 2005, 14:24
Hallo Daniel,
> ich habe da andere Erfahrungen gemacht.
ich sehe da kaum einen Widerspruch, zu dem von mir gesagten. Aber der Reihe nach:
> Als ich hier ankam existierte keine mir bekannte
> Brettspielgemeinde und dass in einem Kreis (Studenten), der
> ja für sein großes Zeitrepertoire und seine Spielbegeisterung
> bekannt ist. Eher sah man die Leute am PC zocken (Gruß an
> Marcel :-) ) und gelegentlich Skat klopfen. Mit Siedler und
> Bluff konnte man die Leute in unserem Studentenclub langsam
> an die Materie heranführen und die Begeisterung wecken.
Ich kann nur für Dresden ab 1996 sprechen. Damals grassierte das Siedler-Fieber unter den Studenten da jedenfalls. Die meisten hier kamen durch die Siedler zum Spielen.
Meine Spiele-Sozialisation war schon früher, etwa 1992 als ich mit 14 Jahren durch meine Schulclique in Kontakt mit Stratego und Risiko kam. Aber auch als Kinder haben wir Brettspiele gespielt, zum Teil (Monopoly und Auf Achse) selbst welche gebastelt und erfunden. Nur die DDR-Spiele waren nicht so bunt und glänzend.
> Speerspitze der Bewegung bildeten aber meist zugewanderte aus
> dem Westen, die in ihrer Kindheit schon mit „Sagaland“, „Cafe
> International“ oder „Adel verpflichtet“ Erfahrungen gesammelt
> hatten.
In meinem Fall nicht. Ich denke, das lässt sich nicht verallgemeinern. Spielgruppen, ohne Westbeteiligung kennst Du ja zwangsläufig nicht. ;-)
Ich möchte damit nicht ausdrücken, dass in
> Ostdeutschland die Menschen weniger spielbegeistert sind, sie
> wissen nur oft nicht, dass es überhaupt eine solche Breite
> und Tiefe in diesem Genre gibt.
Ich glaube, dass viele Leute die Tiefe und Breite kaum kennen aber dennoch nix vermissen. Die Spieler hier spielen dafür vielleicht wenige Spiele öfter.
Es fehlt hier an einer
> "Spiele-des-Jahres-Generation", die in Westdeutschland schon
> seit 1979 existiert. Je älter die Menschen hier sind, desto
> weniger hatten und haben sie Kontakt mit diesen Spielen. Es
> muss sich daher erst eine solche Generation entwickeln, die
> die Brettspielbasis erweitert.
Volle Zustimmung! Es sei denn, die Computerkids von heute verlieren die Lust an nicht piepsenden Spielen deutschlandweit.
> Spiele spielen oder besonders sammeln wird hier noch als sehr
> sehr außergewöhnliches Hobby angesehen. Ein organisiertes
> Spielen ist daher seltener anzutreffen und entwickelt sich
> nur langsam. Ich behaupte aber, dass in spätestens zehn
> Jahren der Osten mit dem Westen gleichgezogen ist.
Auch hier volle Zustimmung. Das ist aber kein Widerspruch, zu meinen Behauptungen. Die mentalen Unterschiede verwischen halt.
Momentan wird hier eben noch hauptsächlich im Freundeskreis und in Famile gespielt.
> Letztes Jahr habe ich mich dazu entschlossen ein Team für die
> Vorausscheidung zur DM aufzustellen (3 Westdeutsche, 1
> Ostdeutscher), wir haben gewonnen und Leipzig mehr schlecht
> als recht, aber mit viel Spaß bei der DM vertreten. Auch
> dieses Jahr werden wir wieder einen Anlauf versuchen. Schade,
> dass wieder nur vier Teams teilnehmen, obwohl wir in unserem
> Bekanntenkreis immer wieder darauf aufmerksam gemacht haben.
He, ich würde prinzipiell gern mitmachen, aber ich kenne leider nicht tausende Spiele. Dazu fehlt mir momentan die Zeit.
Aber vielleicht könnte man ja das organisierte Spielen im Südraum etwas pushen?
Grüße aus Ost-Ost-Ost-Thüringen