Hallo Spieleautoren und solche, die es gern wären ;-)
Nach einigen Jahren der Sammelleidenschaft widerfuhr mir etwas ganz Normales: Ein eigenes Spiel musste her, gute Ideen gab es, Spieleverlage reichlich, also nachdedacht, gebastelt, gemalt, geklebt, getestet, Kontakte mit Verlagen aufgenommen und auch den einen oder anderen Prototypen abgeschickt.
Nun, so weit ja nichts Ungewöhnliches.
Was aber besonders in den letzten acht, vielleicht zehn Jahren immer wieder passierte, hätte gut und gerne zur einen oder anderen kahlen Stelle am Erfinderhaupt führen können.
Vor einigen Jahren geschah es zum ersten Mal. Mit meiner neuesten Idee war ich sicher, die Solitär-Puzzlewelt zu revolutionieren. Was Herr Rubik geschafft hatte, das würde ich locker toppen. Ein unsichtbares Labyrinth im Innern einer Röhre! Dort hindurch muss ein Stab navigiert werden, der an einem Ende einen Zapfen besitzt, welcher durch das Labyrinth navigiert werden muss, bis beide Teile sich auseinander nehmen lassen. Gesägt, tun getan :-D
Kaum war der erste Prototyp geplant, da entdeckte ich während meiner Ausbildung in einem Spielzeuggeschäft die Ultimative Neuheit, welche die Spielewelt revolutionieren wollte: Eine Röhre mit einem unsichtbaren Labyrinth im Innern, durch das ein Stab...
Macht ja nix, nur nicht entmutigen lassen, dacht ich mir. Als positive Erfahrung nahm ich aus diesem Schicksalsschlag immerhin mit, dass meine Idee einen Markt hatte und günstig sowie funktional umsetzbar war. Während meiner Arbeit an einem Spiel, welches räumliches Vorstellungsvermögen schulen sollte, vergaß ich das Röhrenlabyrinth allmählich (die Puzzlegemeinde übrigens auch).
Mein neuester Streich war also zur Versendung bereit, da traf mich ein Doppelschlag: Meine Idee, In Gedanken einen Würfel in verschiedene Richtungen zu drehen und möglichst schnell seine neue Position zu nennen, begegnete mir kurz vor Fertigstellung des Prototyps bei einem Kleinverlag in Essen. Konnte das sein? Bei meiner Recherche fand ich dann noch ganz nebenbei heraus, dass dieser Mechanismus bei der Ausbildung von Piloten den längsten aller Bärte hatte...
Hey, kein Problem, ich bin ja noch längst nicht am Horizont meiner Kreativität angelangt! So motiviert stürzte ich mich in mein bisher ambitioniertestes Projekt: Ein Tempel-Bauspiel, das ausschließlich mit Spielkarten funktioniert, welche die einzelnen Ebenen darstellen. Die ersten Testspiele verliefen sehr viel versprechend, so dass einer Weiterentwicklung nun wirklich nichts im Wege stand - bis zur Veröffentlichung von "Babel" bei Kosmos jedenfalls. Ich habe die Spielkarten aus meinem Prototyp dann als Notizzettel für Lebensmitteleinkäufe bei Aldi verwendet...
Was also geht hier vor? Habe ich das zweite Gesicht? Bin ich einfach nur zu langsam? Nein, ich denke, die Konkurrenz und Marktanalyse der Verlage hat eine neue Dimension erreicht. Hier werden nachts, während ich schlafe, heimlich Fotos meiner Prototypen gemacht. Größere Verlage der Szene beherrschen vielleicht auch schon das Scannen von Gehirnströmen.
Ging es Euch auch schon so wie mir? Wie geht Ihr damit um? Ist es vielleicht so, dass die Entwicklung von Spielen durch eine gewisse Sättigung und Routine mittlerweille oft vorhersehen lässt?
Forschende Grüße
Peter