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Spielthema vs. historische Korrektheit

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Tim Heinzen

Spielthema vs. historische Korrektheit

Beitragvon Tim Heinzen » 3. Juni 2005, 20:52

Guten Tag,
dies ist mein erster Eintrag in diesem Forum. Bitte um Nachsicht wenn ich unwissentlich gegen die hiesige Netiquette verstoße.

Doch nun zu meiner Frage:
ich habe ein Spiel entworfen, dass im großen und ganzem einem Handels und Aufbauspiel entspricht. Da die Inspiration der Spielidee aus einem Grundproblem der Informatik besteht, nämlich dem "Generäle von Byzanz- Problem" habe ich kurzerhand den Handlungsort eben nach Byzanz verlegt.
Die weitere Spielthematik hat allerdings herzlich wenig mit einer historischen Stadt am Bospurus zu tun.Es geht um Weinhandel und den Aufbau einer Stadt an zwei Ufern eines Flusses bzw. einer Meerenge.

Wie wichtig ist der Zusammenhang zwischen dem Spielkonzept und der Geschichte die drumherum erfunden wird um das Spiel prinzip zu konkretisieren?

Ich hänge ein wenig an dem klangvollen Namen und will das Spiel nach Möglichkeit nicht nach Bordeaux o.ä. verlegen, auch weil es halt an das Informatik-Grundproblem erinnert.

Sollte ich den Namen ändern oder ist es vorwiegend das Konzept das zählt?
Schließlich könnte man "Puerto Rico" auch ins Ruhrgebiet transformieren und "Alhambra" funktioniert auch als "Stimmt so!"

Vielen Dank für die Hilfe.
Tim

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Frank"Riemi"Riemenschneider

Re: Spielthema vs. historische Korrektheit

Beitragvon Frank"Riemi"Riemenschneider » 3. Juni 2005, 21:53

Herzlich Willkommen Tim,

wenn ich deine Frage richtig verstehe, geht es dir um den Namen deines Spiels, an dem du hängst.
Im Prinzip hast du dir deine Frage selber beantwortet.
Du hast einen Arbeitstitel entworfen. Wenn das Spiel von einem Verlag angenommen wird, ist das Konzept deines Spiels entscheidend. Einen Namen und Hintergrund wird sich dann schon finden. Vielleicht hast du Glück und es passt wie die Faust auf´`s Auge oder vielleicht wird dein "Baby" im Orient, Weltall oder Haifischbecken zu Hause sein. Wer kann schon sagen was gerade in ist.
Ich drück dir auf jeden Fall die Daumen das es was mit deinem Spiel wird :-)

Gruß

Riemi

PS.: Deine Frage hätte das Spieleautorenforum verdient ;-)

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Ernst-Jürgen Ridder

Re: Spielthema vs. historische Korrektheit

Beitragvon Ernst-Jürgen Ridder » 3. Juni 2005, 21:55

Hallo Tim,

ich hätte da kein besonderes Problem mit dem Namen.

Das derzeit aktuelle und viel gelobte Louis XIV. etwa, hat ein historisches Thema, es gibt allerlei Angaben dazu in dem Regelheft, das Spiel weist stimmungsvoll Bilder der historischen Personen auf, ohne deshalb historisch korrekt zu sein. Das ist ein Rahmen für ein in Wahrheit abstraktes Spiel -sehr gutes Spiel übrigens-, das mit dem Thema nicht die Bohne zu tun hat. Den Namen des Spiels, den historischen Hintergrund und die beteiligten historischen Personen braucht man nicht zu kennen, die entsprechenden Passagen im Regelheft nicht zu lesen, die Personenkarten könnten (abgesehen von den auf ihnen auch vorhandenen spielwesentlichen Angaben) vollig Anderes -Beliebiges- abbilden, das Spiel funtkionierte dennoch genau so gut.

Schöner fände ich es natürlich, wenn die Spielthematik mit dem Titel auch wirklich etwas zu tun hat. In deinem Fall gibt es ja wenigstens einen gewissen Bezug, den man im Regelheft erklären könnte.

Spielerische Grüße
Ernst-Jürgen

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Frank"Riemi"Riemenschneider

Re: Spielthema vs. historische Korrektheit

Beitragvon Frank"Riemi"Riemenschneider » 3. Juni 2005, 21:56

Frank"Riemi"Riemenschneider schrieb:

> PS.: Deine Frage hätte das Spieleautorenforum verdient ;-)

Schlingel! :D)

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Peter Gustav Bartschat

Re: Spielthema vs. historische Korrektheit

Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 3. Juni 2005, 22:01

Tim Heinzen schrieb:
> Sollte ich den Namen ändern oder ist es vorwiegend das
> Konzept das zählt?

Die entscheidende Frage ist: Was möchtest du erreichen?

Möchtest du das Spiel als Einzelstück oder in einer kleinen Auflage basteln, um es als Unterrichtshilfe im Fach Informatik einzusetzen?

Dann solltest du den Byzanz-Bezug eher stehen lassen.

Oder möchtest du es kommerziellen Verlagen zur Veröffentlichung anbieten?

Dann brauchst du dir um die örtliche und zeitliche Beziehung ohnehin nicht all zu viele Gedanken machen: Da sagt dir dann schon der zuständige Redakteur, ob´s Byzanz im 9. Jahrhundert oder St.-Marie-sur-Mêr im 21. Jahrhundert wird.

Hat diese Generäle-von-Byzanz-Geschichte nicht irgendwas mit Verschlüsselung oder Verschleierung bei der Nachrichtenübermittlung zu tun? Ich habe da nur eine ganz dumpfe Erinnerung dran, ich glaube, aus meiner Militärzeit. Wie kommen dabei wohl die Weinhändler ins Spiel? Bieten sie vielleicht eine "liebliche Spätlese" an, und der Kenner weiß sofort: Das heißt "enthält Diäthylenglykol"? :-)

Mit einem lieben Gruß
Gustav

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Tim Heinzen

Re: Spielthema vs. historische Korrektheit

Beitragvon Tim Heinzen » 3. Juni 2005, 22:09

Vielen Dank für die flotte Antwort,
Ich hab den falschen Thread leider zu spät bemerkt.

Mit dem Verlag hast Du ein Thema angesprochen. Natürlich denke ich insgeheim daran, das Spiel des Jahres 2007 erfunden zu haben. Allerdings bin ich da wohl nicht der einzige Naivling auf der Welt. Momentan kann ich an nichts anderes mehr denken.
Eigentlich ist das Spiel eine Koporoduktion von mir und meiner Spielegruppe. So wie es scheint ist es ausgeglichen. Allerdings fehlen mir noch andere Spieler die das Spiel testen. Ich befürchte nämlich unsere Spielegruppe ist ein wenig "überstrategisiert". Wir schaffen es immer die auf den Schachteln angegebenen Zeiten beinahe zu verdoppeln.

Vielleicht sehen wir uns ja im nächsten Jahr in Göttingen.
Viele Grüße
Tim

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Tim Heinzen

Re: Spielthema vs. historische Korrektheit

Beitragvon Tim Heinzen » 3. Juni 2005, 22:13

Vielen Dank, für die ausführliche Antwort. In der Tat, das Spielprinzip ist abstrakt. Die wenigen geschichtlich angelehnten Spiele die ich kenne, stolpern häufig genau über den Geschichtsbezug. Das Problem ist, glaube ich, dass Geschichte eben schon abgeschlossn ist und so natürlich der Spielverlauf nur in sehr engen Bahnen verlaufen kann.
Viele Grüße Tim

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Tim Heinzen

Re: Spielthema vs. historische Korrektheit

Beitragvon Tim Heinzen » 3. Juni 2005, 22:21

Hallo Gustav,
es handelt sich um Protokolle, die bei der fehlertoleranten Programierung eingesetzt werden.
Die Generäle von Byzanz belagern Byzanz und müssen einen Zeitpunkt finden, an dem alle geführten Armeen einsatzbereit sind. zu diesem Zweck werden Boten ausgesandt die die eigene Bereitschaft (oder Nichtbereitschaft) an die anderen Armeen mitteilen. Aber was ist wenn ein General mit Byzanz kolaboriert oder verrückt geworden ist (oder im Informatik-slang: ein defekter Knoten ist)?

Naja, aus den Generälen sind Weinhändler geworden und Byzanz wird auch nicht niedergebrannt, sondern aufgebaut.
Soviel zum Thema ich passe die Idee an meine Konzepte an :-)

Viele Grüße Tim

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Peter Gustav Bartschat

It´s not a bug, it´s a feature

Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 4. Juni 2005, 08:38

Tim Heinzen schrieb:
> Das Problem ist, glaube ich, dass
> Geschichte eben schon abgeschlossn ist und so natürlich der
> Spielverlauf nur in sehr engen Bahnen verlaufen kann.

Darin würde ich nur für den ein Poblem sehen, der für sich selbst eins daraus macht.

Um den konkreten Verlauf historischer Ereignisse abzubilden, ist ein Spiel ohnehin ein ungeeignetes Medium: Zum Spiel gehört die Entscheidungsfreiheit des Spielers in seinem eigenen Zug. Müsste also ein Spieler, der zum Beispiel den "Hannibal" in "Hannibal" führt, immer nur genau das tun, was der historische Hannibal auch getan hat, so hörte das Spiel auf, ein Spiel zu sein.

Wer das erreichen will, der wende sich anderen Medien zu: Umfangreiche, langweilige Fachbücher, die in Universitätsbibliotheken verstauben, scheinen mir da am ehesten geeignet zu sein. Schon bei Romanen, stärker noch bei Filmen kommt man um Zugeständnisse an die Authentizität nicht mehr herum.

Da zum Spiel die Entscheidungsfreiheit des Spielers gehört, können historische Situationen sich - beginnend bei einer vorgegebenen Ausgangslage - völlig anders entwickeln, als es die Ereignisse selbst taten. Ein historisches Spiel zu spielen bedeutet also auch, in einem Teilaspekt "experimentelle Archäologie" zu betreiben.

Aus der Sicht der an den historischen Ereignissen teilnehmenden Personen ist die zukünftige Entwicklung ja keineswegs determiniert, somit sind alle Entscheidungen und alle sich daraus ergebenden Entwicklungen möglich.

Historisch korrekt sein können aber sehr wohl das Umfeld, die Optionen der am Spiel beteiligten Seiten (Hannibal hätte sich entscheiden können, sich auf Norditalien zu konzentrieren und dort eine punische Kolonie zu etablieren; er hätte sich nicht entscheiden können, Rom aus der Luft zu bombardieren.) und das Lokalkolorit.

Wenn man die Tatsache, dass ein Spiel nicht nach den Kriterien eines Fachbuchs beurteilt werden kann, nicht als Fehler, sondern als Eigenschaft aller historischen Spiele begreift, gibt es eigentlich kein Problem damit, dass aus UNSERER Sicht die Vergangenheit vergangen ist, und die Seiten der "engen Bahn" weiten sich zu einem unendlichen Spielfeld.

Somit können Weinhändler innerhalb eines historischen Spiels ohne weiteres eine Stadt am Bosporus errichten, wenn das Spiel in einer Zeit und einer Gesellschaftsschicht angesiedelt ist, in denen es Wein, Händler, Städte und den Bosporus gibt und die Spielfiguren Kontrolle über die Faktoren besitzen, die man braucht, um solche Entscheidungen umzusetzen.

Mit einem lieben Gruß
Gustav

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peer

Re: Spielthema vs. historische Korrektheit

Beitragvon peer » 4. Juni 2005, 09:43

Hi,
das Basiskonzept ist zumindest in dieser Kurzbeschreibung originell. Und man merkt gleich, dass man es in jede Zeit, zu jedem Ort plazieren kann (Informationsprobleme gibt es ja überall) und wie schon vielfach andernorts gesagt: Da kann und wird der Verlag sowieso das amchen, was er für richtig hält.
Einen Tipp würd ich dir aber noch geben (aufgrund deines Postings weiter oben): Probier das Spiel UNBEDINGT in einer Runde aus, die es noch nicht kent! Wenn du willst kannst du die sogar die Regeln lesen lassen (damit du weisst, ob die auch unmissverständlich sind), aber auf jeden Fall müssen "unbelastete" Spieler an das Spiel rangelassen werden. Finden kannst du die über das Autoren- oder (wohl besser) das Spieletreff-Forum und ich bin sicher, wenn du nicht gerade auf der Zugspitze wohnst, finden wir ein paar Testspieler, für dich ;-)

ciao
peer (hat gestern auch einen Prototypen gespielt)

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Tim Heinzen

Re: Spielthema vs. historische Korrektheit

Beitragvon Tim Heinzen » 4. Juni 2005, 16:44

Hallo Peer,
keine Bange, seit ich mit dieser Idee schwanger bin treibe ich mich hier ja öfter herum. Die Spieletreffen werde ich in Anspruch nehmen. Ich wohne im Revier und da gibt es mit Sicherheit den einen oder andern Spieler. Schließlich ist es bis Essen nur ein Katzensprung:-)
Wenn also jemand Lust hat, hier bin ich zu erreichen gel! )
Viele Grüße
Tim


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