Beitragvon Roman Pelek » 5. Juli 2005, 21:57
Hi André,
andre schrieb:
> als ich heute mein Kreta auspackte, war ich schon etwas
> verwundert über das, was einem da so entgegen purzelt...Kann
> sich Goldsieber keinen guten Grafiker mehr leisten...das
> Spielmaterial lässt (gerade zu dem Preis) sehr zu wünschen
> übrig...der billigplastikeinleger und die einfallslosen
> Spielsteine runden den Billig-Produktionseindruck ab. Optisch
> zumindest ein ziemlich peinliches Produkt...hoffentlich gibt
> das Spiel etwas mehr her...
Auch ich fand das Spiel sowohl optisch (z. B. Schachtelgrafik, Kartendesign ohne Symbole zur Verdeutlichung der Funktion, Spielplan zu klein, um mit vier Spielern eine passable Übersicht zu haben) als auch von der Materialqualität (recht dünne Pappe, unsauber gearbeitetes/lackiertes Holzmaterial) eher unterdurchschnittlich. "Peinlich" würde ich es nicht nennen, aber es ist imho klar erkennbar, dass an den Produktions-/Redaktionskosten gespart wurde (und wo)...
Was das Spiel anbelangt: mir gefallen die thematische Umsetzung und die verzahnten Mechanismen an sich sehr gut. Was in unseren Runden jedoch für Unbehagen sorgte, war der nicht selten auftretende Effekt, dass der Sieger im Spiel recht früh erkennbar war. Dies mag zum einem nicht geringen Teil auf Kosten einer unglücklichen Kartenverteilung gehen, könnte aber auch ein Indiz dafür sein, dass eine frühe zentrale Positionierung von "Türmen" (z. B. in den zwei Viererknotenpunkten" bzw. an ertragreichen 6er-Feldern) sowie ein häufiges eigenes Auslösen von Wertungen durch den "Kastellan" (zwecks größtmöglicher Beeinflussung der zu wertenden Regionen) ggf. etwas stärker sein könnte als die übrigen Strategiemöglichkeiten.
Auf jeden Fall empfand ich es spätestens ab einer halbwegs vernünftigen Führung bislang für den Führenden relativ einfach, diese zu halten, da sich dieser ressourcenmäßig nicht unbedingt deutlich mehr verausgaben musste (bzw. konnte) als diejenigen, die das Nachsehen hatten. Zudem kann er, wie oben gesagt, durch frühes Werten und Beinflussen der weiteren Wertung(en) den anderen deutliche Steine in den Weg legen, da er zwischenzeitliche Punkteinbußen in Kauf nehmen kann, um langfristig Wertungen zu wählen, die ihm am besten gelegen kommen und zumindest seinen Vorsprung retten können.
Mein Tipp wäre also: Kreta einfach mal selbst spielen - spielerisch sehr reizvoll ist es m. E. auf jeden Fall. Ich fürchte nur, dass eingefleischte Strategenrunden evtl. vielleicht doch einen Weg finden, das Spiel zu früh in eine "Runaway-Leader"-Richtung, die nicht mehr zu kontern ist, zu zwingen.
Über Feedback würde ich mich jedenfalls sehr freuen - meine Mitspieler und ich grübeln nämlich auch darüber, ob wir ggf. etwas übersehen haben bzw. sich in unseren Runden eine einseitige Spielweise eingeschlichen hat, die nicht aus dem Spiel selbst sondern von unseren Herangehensweisen kommt (oder wir einfach auch nur mehrfach unglückliche Kartenverteilungen hatten, die im Schnitt nicht typisch sind)...
Ciao,
Roman