Beitragvon Roman Pelek » 4. August 2005, 05:13
Hi Máren,
máren kruse schrieb:
>
> wann ist ein hobby ein hobby, wann ein hobby ein beruf und
> wann gar ein beruf ein hobby? ist ein beruf erst dann ein
> beruf wenn mensch damit seine existenz absichern kann?
>
> ich denke das liegt im individuellen blickwinckel.
Nun ja, für einen Beruf braucht's sicher eine gewisse Berufung, sonst wird das eh keine Liebschaft auf Dauer. Aber Hobbies waren für mich dementsprechend die Dinge, die ich zum jeweiligen Zeitpunkt mindestens genauso gerne tue, aber ohne eine grundsätzliche Verpflichtung, ein gewisses Pensum zu erfüllen oder Geld damit zu verdienen. Wobei es da immer einen fließenden Wechsel gab: mal war das eine Hobby, das andere womit ich Geld verdient habe, und umgekehrt. Was mich aber immer gefreut hat: egal, wie oft man mir gesagt hat, ich würde meine Freizeit mit "unnützen Dingen" verschwenden - irgendwann durfte ich immer auf positive Art das Gegenteil beweisen :-)
> für das arbeitsamt zählt als beruf derjenige, der mittels
> zettelchen (sprich zertifikaten, staatlicher anerkennung,
> diplomen etc. ) erworben wurde.
>
> für das finanzamt zählt womit du dein geld verdienst - das
> kann den beruf oder das hobby oder beides betreffen.
Wie wahr, wie wahr... Gerade angesichts Reinhards Posting kommt mir die Erinnerung, wie mich mein Finanzbeamter danach fragte, was man "denn als Autor im Spielebereich verloren hätte - und ob ich ihm das mal näher erörtern könnte" :-))
> für mich kann somit die KREATIVITÄT (nichts anderes
> beinhaltet das entwickeln von dingen) niemals nur als hobby
> angesehen werden.
> es ist ein lebenslanger prozess - ein harter, mitunter
> schweißtreibender, tag und nacht beherrschender und
> ortsunabhängiger vernetzungsprozess!! das ist nicht mal eben
> zwischendrin zu erledigen. KREATIVITÄT beinhaltet zudem ein
> hohes maß an disziplin und erfordert ein breites
> wissensspektrum - auch das ist nicht mal eben so erworben.
Hm... Aber Kreativität an sich hat doch nix mit der Frage "Hobby oder Beruf" zu tun. Es ist m. E. eher eine Eigenschaft, die man im Leben immer - und an allen Ecken und Enden - braucht, egal was man tut. Sie manifestiert sich nur gerne in reichlich unterschiedlichen Situationen in sehr verschiedener Form, sie muss sich noch nicht mal konstruktiv äußern, auch wenn sie etymologisch dem Gebären und Erschaffen entspringen mag *seufz*
Mal satirisch formuliert: wenn das niedliche Sabinchen - 9 Jahre alt, zwei schnuckelige Zöpfchen und bei der Verwandtschaft als "so wie die Großmutter" äußerst beliebt - plötzlich beschließt, den Hamster ihrer aktuell ungeliebten Schwester in den Tintenstrahldrucker zu spannen, um ihn mit Spongebob-Wallpapers aus dem Internet zu bedrucken, hat das auch was Kreatives. Selbst wenn ich als potenzielles Elternteil dieses fiktiven Sabinchens sicher im Nachgang die Position verfechten würde, dass das beileibe nicht die beste Möglichkeit gewesen sein dürfte, kreatives Potenzial zu zeigen - ich könnte es kaum nachvollziehbar in Abrede stellen. Eher stünde ich mit nacktem Entsetzen davor und dächte: "Denk Dir was aus, Roman, aber was Besseres. Um das wieder auszubügeln. Und schnell. Schneller als der ganze Rest der Verwandt- sowie Nachbarschaft, der das gerade potenziell mitbekommt." - und das wäre durchaus auch eine kreative Herausforderung :-))
> betrachtete ich mich als hobbyautorin, würde ich meine
> kreativität in frage stellen und mich unter den wert meiner
> eigenen persönlichkeit stellen.
Ich persönlich sehe das nicht als Problematik an. Wenn mir jemand etwas als sein Hobby präsentiert, finde ich das höchst sympathisch, weil ich dann einen Anhaltspunkt finde, worin sein Herzblut stecken könnte - egal, ob ich mit dem Hobby selbst etwas anfangen kann.
Wenn mir jemand hingegen all allererstes seine Berufsbezeichnung, Referenzen und Titel präsentiert, weiß ich, womit er notfalls versucht, seine Familie zu ernähren, kann mir aber nie gewiss sein, ob dies nur Mittel zum Zweck (sowohl was die vielleicht gar nicht vorhandene Begeisterung für das Thema angeht, als auch den Antritt, mir notfalls aus "Nestverteidigung" heraus hinterrücks eine reinzuwürgen, wenn wir zufällig "im selben Feld jagen gehen" sollten) ist.
Aber natürlich wird das gerne sehr anders gesehen, was einiges an Kraft kosten kann, da kann ich Dir nur beipflichten. Schön fand ich in diesem Kontext den folgenden Spiegel-Artikel über grassierenden Titelwahn in Österreich (lässt sich aber locker übertragen, die menschliche Verlogenheit bleibt in diesem Kontext anscheinend stets dieselbe, egal in welchem Land :-) ):
http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,363231,00.html
> und genau dies gilt es zu verhindern - wer nicht überzeugt
> ist vom eigenem wert, von dem was er kreativ hart erarbeitet,
> kann sich und somit seine arbeit auch nicht als wertvoll und
> achtenswert verkaufen!!!
Da gibbet aber m. E. nix "per se" zu verhindern, denn niemand kann niemandem aufoktroyieren, wie sie oder er ihre/seine Arbeit am besten verkaufen sollte. Eine Grundüberzeugung ist sicher absolut essentiell - es muss aber zur Persönlichkeit passen. Manche können's besser über Understatement und müssen notfalls aus'm Nest gehoben werden, andere flattern locker drauflos und werden neben Erfolgserlebnissen halt auch öfter mal gegen 'ne nicht vogelgerecht schattenbeklebte Scheibe klatschen - wie soll man diese Charaktere denn je unter einen gemeinsamen Hut kriegen...?
> (im gegensatz zu andrea spreche ich meist vom 1., 2., 3. usw.
> beruf :-))
Ciao,
Roman (sieht das Leben eher als eine Ausübung diverser Hobbies mit teils sehr unschönen Begleiterscheinungen - oder wie sagt der "Brockhaus" etwas hochtrabender: "Kreative Ergebnisse sind vor allem dann zu erwarten, wenn das Individuum über eine starke intrinsische Motivation verfügt." - nu denne, die müssen's wissen - es ist ja schließlich ihr Beruf, nicht wahr 8-) )