Beitragvon Heinrich Tegethoff » 27. November 2005, 01:35
Hallo Roman,
Roman Pelek schrieb:
> Heinrich Tegethoff schrieb:
>>...
> Hm, m. E. zeigt es ein anderes Problem unserer Gesellschaft
> auf: nämlich dass reales Leiden und echter Krieg immer mehr
> als Spiel verkauft wird, um Bauernfängerei zu betreiben.
> Insofern würde ich dieses Pferd gerne von der anderen Seite
> her aufzäumen.
Ähm, hier verstehe ich das Pferd von hinten nicht - was meinst Du?
> > Nun, Gewaltspiele mössen nicht zu eigener Gewalt führen. Aber
> > Krieg und
> > Videospiel gingen schon im ersten Irakkrieg ineinander über.
> > Jetzt ist die erste Videospiel-Generation an der Waffe.
>
> Die Frage, die sich mir hier stellt ist diejenige: auf
> welcher Seite soll man nun Realitätsverlust kritisieren? Dass
> die Grenzen manchmal erschreckend fließend geraten, kann ich
> als Auffassung teilen, ich halte es aber, z. B. in dem von
> Dir zitierten Beispiel des Irakkrieges, mehr für eine
> ziemlich perfide PR-Maßnahme.
Der ganze Doppel-Artikel der SZ geht noch einmal - auf der
Reporterseite - auf die "embedded journalists" und deren Sicht ein,
also auch auf die gewünschte und erzielte PR-Maßnahme.
> Da zieht für mich die alte
> Weisheit, dass nirgendwo soviel gelogen wird wie im Krieg und
> in der Ehe.
Das mit dem Krieg steht genau so im SZ-Artikel.
Das mit der Ehe: kann sein, aber wie steht's mit "Handel"?
> > Nun kann ich G_T_A_ einordnen,
> > ohne es je gesehen zu haben.
>
> Das wiederum könnte ein Fehler sein. Ich halte es für
> fragwürdig, wenn wir Mafia-Filme als Kulturgut ansehen, und
> Spiele wie GTA verdammen.
"Einordnen" ist nicht gleich "verdammen", auch wenn dies so klang.
Zudem: Bei Filmen bin ich passiver Betrachter und kann "neutral"
Stellung beziehen; beim Spiel und im Krieg bin ich auf einer Seite
aktiv und habe dadurch nicht (immer) die notwendige Distanz zur
kritischen Selbstbetrachtung. Obiger Satz ist mit aber auch nicht
inhaltlich wichtig, war aber sehr wohl provokativ - im Sinne der
losgetretenen Diskussion - gedacht.
> > Servus,
> > Heinz (der nicht zu viel hineininterpretiert, aber auch
> > Gewalt auf seinem
> > Rechner ablehnt - es wird sich zeigen, wie dies als Erziehung
> > weitergegeben
> > werden kann, da der Älteste gerade 10 ist)
>
> Ich persönlich zweifle ein wenig daran, dass es wirklich
> hilft. Man kann niemanden im Leben vor bitteren Realitäten
> behüten, früher oder später werden sie eh damit konfrontiert
Seit dem Irakkrieg wissen die beiden heute 10 und 7 Jahre alten
Kinder, was eine Diktatur ist (und können Saddam und Hitler
gegenüber Schröder einordnen) und haben sehr wohl eine
Ahnung von der Schattenseite des Krieges. Behüten trifft bei
uns gar nicht zu: das Schwarz wird aufgezeigt, aber auch der
schwierige Weg zu Weiß, und warum meist nur Grau herauskommt.
> oder suchen sich aus pubertärem Trotz genau sowas aus.
Bis dahin haben sie hoffentlich ein Wertemodell, auf dass sie - wie ich -
von mir aus Panzermodelle aus Plastik bauen, aber das Leid realer
Zerstörung gegenüber Empathie sehen und abwehren.
Das dies mit PC-Spielen bisher gut geht, kann ich beurteilen (eigentlich
ärgere ich mich als Informatiker-Papa ja, dass zu [i]wenig[/i] Interesse am
Computer da ist). Das die FSK von Filmen bereits außer Haus unterlaufen
wird, sehe ich aber auch, gehe also nicht bläuäugig heran.
> Wie man anderen Leuten vermittelt, wie Konsequenzen des eigenen
> Handelns aussehen können und wieviel Leid man ggf. damit
> anrichtet, ist ein höchst schwieriges Thema.
Ich empfehle da "Logo", die Nachrichtensendung für Kinder, wochentags
um 19:50 auf KIKA - läuft bei uns häufig.
> Ich persönlich
> vertrete eher die Meinung, dass man auch die unangenehmen
> Mechanismen zwischenmenschlichen Daseins verinnerlicht haben
> muss, um zu überleben; viel mehr noch: um sie ändern zu
> können, wenn sie einem nicht passen.
In obiger Sendung laufen insbesondere die Erstmeldungen der
Tagesschau, ob Gewalt, Katastrophe, schwierige Politik oder auch
mal Gutes, aber für Kinder erklärt.
Servus,
Heinz