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Spielen in der Literatur

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Patrick Junge-Ilges

Spielen in der Literatur

Beitragvon Patrick Junge-Ilges » 26. Dezember 2005, 12:49

In seinem Buch "Die Kunst des stilvollen Verarmens" - Mischung aus Autobiografie und Lebenserkenntnissen wendet sich der Autor Alexander von Schönburg auch unserem Thema zu. Für den, den es interessiert, hier einige Auszüge:

Im Kapitel "Geld oder Leben - Work less, live more!" schreibt er:

"Das Geheimnis besteht darin, ein entkrampfteres Verhältnis zur Arbeit zu entwickeln und ihr mit einer spielerischen Haltung zu begegenen. Begreift man seinen Beruf als Spiel, kann man in ihm aufgehen, so wie man in einem Spiel aufgeht. Auch ein Spiel nimmt man, solange man es spielt, ja durchaus ernst und sieht darin nicht bloß eine zeittötende Zerstreuung. Aber sollte es vorbei sein, fällt man nicht ins Leere. Und wenn man verliert, beginnt ein neues Spiel.
Die Begabung zum Spiel ist nahe verwandt mit der Befähigung zur Muße. Mir wurde von kleinauf beigebracht, dass Muße etwas Heiliges ist. In der Muße ist der Mensch am meisten bei sich. Nur in der Muße, oder aus Spaß, vermag er wirklich große Dinge. ...

Die Fähigkeit zur Muße wurde mir glücklicherweise ebenso in die Wiege gelegt wie ein Hang zur spielerischen Tätigkeit. In meiner eigenen Familie haben die männlichen Mitglieder in den letzten 100 Jahren ein Gutteil ihres Lebens auf der Jagd oder beim Kartenspiel verbracht. ...
Nach der Jagd folgte in der Wertschätzung der männlichen Mitglieder meiner Familie lange nichts und dann das Kartenspiel. Sobald mehr als drei Mitglieder meiner weiteren Großfamilie, Onkeln, Tanten, Vettern, beisammen sind, werden die Karten ausgeteilt. Fehlt ein gibt es keine Entschuldigung, auch schwerstbehinderte Familienmitglieder haben mitzuspielen.
Tante Eule zum Beispiel: Wegen eines nervösen Augenleidens konnte sie ihre Lider immer nur kurz öffnen. Also spielte sie mit geschlossenen Augen und blinzelte nur manchmal, um das Gesehene sozusagen zu fotografieren.
Mein Vater spielte auch im fortgeschrittenden Stadium der Parkinson´schen Krankheit bis zuletzt. Als er kurz vor seinem Tod schon stark sprachbehindert, seinen jüngeren Bruder Georg besuchte und sagte, er wolle an den , führte Onkel Georg ihn nach draußen. Darauf reagierte mein Vater sehr unwirsch, denn natürlich wollte er an den .

Als Heranwachsender war mir die Jagd- und Kartenleidenschaft meiner Familie nicht geheuer. Inzwischen vermute ich, dass ihr eine tiefere Einsicht zugrunde liegt, die ich noch nicht gelüftet habe, von der ich aber ahne, dass sie ein kultureller Vorteil sein könnte."

Frohe Weihnachten

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