Beitragvon Günter Cornett » 10. Januar 2006, 23:10
Achim Nieder-Vahrenholz schrieb:
>
> Hallo,
>
> folgende Sachen werden mich daran stören (vielleicht werde
> ich aber auch in ein paar Jahren begeiserter Benutzer sein):
>
> - Das elektronische Spielbrett wird bestimmt nicht lange
> still bleiben, sondern tolle Tipps, akustische Warnmeldungen
> u.ä. von sich geben.
Möglich, dass es damit anfängt. Die Insel und King Arthur nerven IMHO gerade durch solche Funktionen. Aber irgendwan wird jemand etwas erfinden, das die Lautstärke reguliert oder gar den Ton komplett deaktivieren lässt. ;-)
> Hilfe! Handys und elektronische Berieselung überall, auf der
> Arbeit bin ich über Funk (Pieps, pieps, piesps) immer
> erreichbar ...Gerade wegen der angenehmen Abwesenheit von
> elektronischem Gepiepse mag ich herkömmliche Brettspiele sehr
> gern. D.h. nicht, dass alle still vor sich hinbrüten sollen,
> die Kommunikation ist aber rein zwischenmenschlich, ungetrübt
> durch Elektronik
Vermutlich wird es von der jeweiligen Zielgruppe abhängen, ob es überall blinkt und piept oder ob es auch ruhigere Anwendungsmöglichkeiten gibt. Ist doch mit PC- und Internetanwendungen das Gleiche.
> - Die haptische Dimension des Spielens geht verloren.
Nicht zwangsläufig.
> Spielgeld in der Hand zu halten finde ich lustiger, als
> meinen Spielstand elektronisch angezeigt zu bekommen.
Jo, und ich schätze es gibt genug Leute, die das ähnlich sehen.
Von daher wird es auch Spielmöglchkeiten geben, die das Spielgeld erhalten und den Entertaible etwas dezemter einsetzen.
> - Wie schon angesprochen, werden, so denke ich, zunächst
> "massentaugliche" Spiele bedient: Scrabble, Cluedo und Co.
> Wann "interessante" Spiele dazukommen, bleibt fraglich
>
> - Softwareprobleme können einen ganzen Spieleabend ruinieren.
Jo, müssen aber nicht. Windows ist keine Zwangsläufigkeit.
> Wenn Bier über ein herkömmliches Spiel geschüttet wurde, hat
> man zwar schlechte Laune, aber noch viele Spiele als
> Alternative.
Ich hatte den Eindruck, dass obendrauf ne Glasplatte liegt.
> - Kleinverlage werden mit Sicherheit große Probleme haben,
> auf den "Spieltischen" (mit Windows-gestützter Software?Wer
> am meisten zahlt, macht das Rennen?) kompatibel zu sein. Wird
Mag sein, dass es sowohl 'Windows' als auch 'Linux' gibt.
Was online- und PC-Spiele betrifft: sind da auch die Etablierten ganz vorne und Kleinverlage generell im Abseits?
> jeder Spieleverlag ein eigenes technisches Verfahren haben
> (siehe neue DVD-Generation)?
Ich wage mal zu behaupten, dass sich Standards entwickeln werden, wenn eine solche Technologie erfolgreich sein soll.
> Ausprobieren werde ich Entertaible bestimmt, enthusiastisch
> bin ich aber nicht.
> Das mag aber auch daran liegen, dass ich PC-Spielen leider
> nichts abgewinnen kann.
Tja Entertaible ist eine Verbindung zwischen PC-Spielen und Brettspielen.
Ob von Vorteil oder zum Nachteil, hängt von der konkreten Umsetzung ab.
Wie geht es dann weiter?
Irgendwann wird man mit holographischen Spielern spielen, die sich komplexer als die so leicht zu durchschauenden Mitspieler.
Wirklich interessant wird es, wenn dann zusätzliche Möglichkeiten entwickelt werden, die die - noch hin und wieder anwesenden - menschlichen Spieler analysieren:
Wir spielen Bluff oder Poker und mein Analyse-Tool analysiert die Mimik meiner Mitspieler, gibt mir gleichzeitig Tipps, wie ich mich zu verstellen haben. Der Spieltisch wird zum Lügendetektor, denn im Spiel gibt man sich ungezwungen. Aber keine Angst: Damit meine Körperreaktionen mich nicht verraten, schaue ich - nebenbei heimlich ein aufregendes Video ...
Natürlich wird auch die Körpersprache analysiert: Wie reagiert man auf weibliche Mitspieler, wenn die eigene Freundin nicht anwesend ist? Wie auf männliche Spielpartner? Denn im Spiel sind die Reaktionen unbewußt.
Der Entertaible bringt dem Brettspiel endlich den lange herbeigesehnten gesellschaftlichen Durchbruch: In der Nachmittagstalkshow, Im Bewerbungsgespräch, in der Psychatrie, er fungiert als Super-Nanny für uns alle.
Nur mal so als Möglichkeit. ;-)
Gute Nacht!
Günter