Beitragvon Marten Holst » 18. Januar 2006, 14:38
(Völlig unwesentliche Spitzfindigkeit: Die Reihenfolge der rosafarbenen Plättchen zu Spielbeginn ist auch ein Caylus-Glücksfaktor)
Moin,
ich muss hier Mike unterstützen: Dinge, auf die ich keinen Einfluss habe, sind aus meiner Sicht "Glück". Sehr viel davon ist aus der Königsmacher-Ecke. Beispiel Vinci: ein Spieler hat zwei Chancen an drei Landgebiete zu kommen, einmal haut er auf mich, einmal auf Dich. Aus seiner Sicht gibt es keinen Unterscheidungsgrund der beiden Optionen. Haut er auf mich, so habe ich Pech, plättet er Dich, so habe ich Glück. Und für einen vierten Spieler ist es Glück, dass dieser Spieler überhaupt so weit gedacht hat, und nicht blind gegen ihn angepatzt hat (was objektiv schlechter für den aktiven gewesen wäre).
Doch auch bei zweiern geht das los: Bei einem Schachturnier kann ich das Glück haben, dass ich gegen einen bestimmten Gegner genau an dem Tag spiele, an dem er Schnupfen hat, und daher in der Partie das Glück, dass er einen Patzer einstreut, den er sonst nicht spielte. Eine Art Meta-Glück: im Spiel habe ich einfach besser gespielt. Aber dass ich besser gespielt habe, das habe ich dem Glück zu verdanken.
Ja, selbst Computerschachturniere enthalten Glück. Das Glück, zum Beispiel, das ein Programm in einer (aus seiner Rechentiefe heraus) gleichwertigen Entscheidungssituation den Weg einschlägt, mit dem der Gegner schlechter kann, aus welchen Gründen auch immer.
Stefan Kempen ("campino" aus der Brettspielwelt) hat dafür den schönen Spruch geprägt: "Das größte Glück im Spiel sind die Mitspieler". (Der lässt sich nebenbei auch noch als Erklärung, warum Gesellschaftsspiele so schön sind, einsetzen).
Ein Beispiel vielleicht noch zur Veranschaulichung:
> Und bei PR ist es doch gerade der Joke an dem ganzen Spiel,
> die Pläne der anderen genüsslich zu vernichten und gerade
> die Rolle zu wählen, die den anderen am wenigsten bringt
> und dir gleichzeitig einen guten Vorteil.
>
> Klar, gibts immer mal, dass man denkt: "Scheiße, ständig
> ist mir einer dazwischengeballert!"
>
> Aber dagegen kann man in diesen Spielen ja was tun. Musst
> du halt mal ne andere Strategie spielen.
Naja, nehmen wir mal an, alle anderen spielen "gemeinsam" gegen Dich. Ob nun aus Absicht, totalem Unvermögen, oder einer Art "Group Think" heraus: wenn einer von seinen Nachbarn andauernd die Vorlagen bekommt, die er braucht - eine Produktion wenn er vorher nicht vernünftig hätte verschiffen können - dann mach was dagegen mit einer anderen Strategie :-)
Ein anderer Spruch aus dem Brettspielweltumfeld: "Es ist einfacher, gegen zwei mittelmäßige Spieler zu gewinnen, als gegen zwei schlechte."
Tschüß
Marten