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Spieleinleitungen

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Niccolo
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Spieleinleitungen

Beitragvon Niccolo » 18. März 2006, 13:23

Hallo!

Über die Spielboxjahre hinweg las ich ja schon manche Diskussionen zu den Spiel'variablen'. Schachtelgrößen, Spielfarben, Auspackfreuden, Preis-Gewicht-ergoSpielwertkalkulierungen, usw.

Ein Teil der Auspackfreude ist für mich das Drumherum. Wohl für viele von uns. Na auf jeden Fall "suchte" ich hier gerade... fand bisher noch keine Plauderei über Qualitäten der Einleitung...


Wird ein Spiel live in einer ungeduldigen Spielerunde auf Jungfernfahrt geschickt, wird ja genau der oft kursiv geschriebene Einleitungstext gern übersprungen. Ran ans Eingemachte.

Die Freude am Lesen dieses "Einstimmers" wurde bei mir ja schon oft getrübt - oft auch, weil es da so schön nach Abenteuer klingt, was das Spiel dann eh nicht erfüllt.


Wie dem auch sei!
Hab ich mir vor kurzem wieder ein paar Spiele heim geholt und began aus Neugierde meine Aufmerksamkeit auf genau diese Einleitung zu legen.

[b]Zug um Zug Europa[/b]
Planlos!

Also meine Vorgeschichte. Ich fand, die Welt sah schon genug Eisenbahnspiele auf meinem Tisch, also kümmerte ich mich vorerst gar nicht darum. Freunde brachten es zum Spielen mit und ich war begeistert. Englisch heisst dieses Spiel ja: Ticket to Ride.
Also erwartete ich mir irgendwas wie: irgendwelche Leutchen, die Bahntickets zusammenbekommen müssen (quasi Geld für einen bestimmten Abschnitt), um möglichst viele Örtlichkeiten zu besuchen. Wer den erfolgreichsten Bildungsurlaub verbrachte, hat gewonnen.
Ich gebe zu, auch überzogen...

... aber was ich bei ZuZ:E vorne lese: "ich werde zu einem Zug-Abenteuer entführt... ob ich mich wohl durch finstere Tunnel in der Schweiz traue (hä?)... Werde Europas bedeutendster Bahnmagnat! (HÄÄÄ?)"

Wer hat sich denn DAS einfallen lassen?


[b]Revolte in Rom[/b]
Konservativ.
"Ganz Rom in Aufruhr... egal ob ich mit Karten wie Turm und Prätorianer schütze, oder die Fäden hinter den Kulissen ziehe... wer seine Karten clever ausspielt, erntet die Lorbeeren."

Kurz und schmerzlos halt. Spielthema abstrakt dargestellt, Einleitung weiß somit wohl auch keinen Grund, um sich stimmiger darzustellen.


[b]Heckmeck am Bratwurmeck[/b]
Niedlich.
"Das Federvieh liebt Würmer... Haralds Onkel aus Übersee brachte ihn auf Idee einer Bratwurmfastfoodecke... überall scharren Hühner nach frischen Rohstoffen..."

Ja - schlicht und ergreifend: niedlich.
Da weder Schachtelabbildung noch Schachtelrückseitentext einen Hehl daraus machen, dass es sich um ein einfaches, flottes Würfelspielchen handelt - eben dieser Punkt, wo ich mich immer wieder 'beschummelt' fühlte (nicht drin, was draussen versprochen wird) -> fein! :)

[b]Dungeon Twister[/b]
Massig, aber hahnebüchen.
Also der Auslöser dieser 'Untersuchung' war die Enttäuschung bei Zug um Zug - DT hebt sich dadurch ab, dass es eine Einleitung hat, die eine gesamte Regelseite einnimmt. Fiel mir schon länger nimmer auf, dass dafür so viel Engagement aufgewendet wird...

"... mystischer Planet mit unzähligen Kreaturen... die mächtigste ein Mensch... ein supermächtiger Erzmagier... beherrscht alles, sucht nun nach der Macht der Unsterblichkeit! Ist 3000 Jahre alt..." aha, aber vielleicht geht da ja noch was!
"Wurde so mit süßen 1000 umtriebig... baute ein Königreich... war 2000 Jahre voll beschäftigt mit Festungs- und Schlösserbau." 2000 Jahre? War wohl allein - na egal.

Jetzt ist ihm wieder fad, "da hat er DIE Idee!
Er heuert Zwerge und Gnome an, die unterirdische Labyrinthe bauen ... jetzt, mit 3000 überschlägt er sich geradezu, weil er startet dieses Projekt auf der ganzen Welt GLEICHZEITIG!!!"
Hätte sonst wohl wieder gut 2000 Jahre rumgebuddelt... aber wär im wenigstens nicht fad gewesen?
"Als die Labyrinthe fertig waren, ließ er in allen Glaskugeln aufstellen" - so ne Art Webcam eben.

Nun Vorsicht an sensible Gemüter!!!:
"Mit Hilfe von Teleportation brachte er Kämpfer seiner Wahl in die Labyrinthe. Mann, Frau, wurscht. Diese armen Wesen wurden ihrer normalen Umgebung entrissen und fanden sich auf einmal - genau! - in einer völlig fremden wieder."
Schlimmer sogar: "In einem Albtraum ohne Ziel und Sinn!" - (jetzt fiel mir grad ein Gag dazu ein - den versteht man aber wohl nur in der Firma wo ich arbeite, drum lasse ich es).

"Sie mussten Fallen ausweichen, kämpfen, überleben, das Labyrinth verstehen und einen Ausgang finden. Ohne es zu wissen, würden die unglücklichen Gefangenen Schauspieler in einem blutigen Drama sein, dessen einziges Ziel es war, den Erzmagier zu unterhalten..."

Naaaa? Nicht schlecht - was?
Dass da zwei gleiche Gruppen am jeweiligen Ausgang der gegenüberliegenden Gruppe anfangen, ist sicher so eine Supermagiergrausamkeit.
Ober ihm diese grausamen Kämpfe in den Labyrinthen schon wieder langweilen?
Aber wenn es bei der Suche nach der Macht der Unsterblichkeit hilft, soll's mir recht sein.



Wie steht's bei Euch mit Spieleinleitungen?
Geliebt?
Gehasst?
Egal?
Besonders gute bekannt?
Vielleicht gar eine besonders unfreiwillig komische?

Na schöne Grüße noch! :)

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Frank Schaubrenner

Einleitung - Kreml

Beitragvon Frank Schaubrenner » 18. März 2006, 13:41

sehr positiv die Einleitung von Kreml

Szenario kurz und knackig, bischen böse :-)

Für wen ist Kreml gedacht?
sehr originell

.. ab 50 Jahre - Auch jüngere Leute können ausnahmsweise mitspielen, vorausgesetzt, sie haben das gewisse Gefühl fürs Eigenleben der Gerontokratie
...
Stalinisten können KREML direkt als Lernspiel verwenden.
Auch Reagan-Liberale, wenn sie "Sibierien"durch "Privatwirtschaft" ersetzen - Normale Leute können genüsslich spielen.

..
Während fortgeschritttene Kreml Spieler Innen neue Spielvarianten entdecken und erproben werden, können NEulinge sehr rasch mithalten, indem sie die Haupttaktik von Kreml anwenden:
abwarten und Tee trinken, die Zeit arbeiten lassen...

---> wir wissen was uns erwartet, wie wir grob spielen sollen und für wen das Spiel ist,... was will man mehr ;-)

Kathegorie: gewollt lustig und wie ich finde gelungen :-)

ansonsten finde ich es nett wenn der Einleitungstext passt.
Da mir aber Themen oftmals eh egal sind ist es mir nicht sooooo wichtig

Gruss
Frank
der die Story vom original WoC RoboRally genial findet - Twonky forever :-)

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Franz-Benno Delonge
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Beiträge: 277

Re: Spieleinleitungen

Beitragvon Franz-Benno Delonge » 18. März 2006, 14:44

Liebe Textkritiker,
ich meinerseits wäre schon lange dafür, harte Strafen zu verhängen, wenn solche Einleitungstexte mit dem Satz "Die Spieler schlüpfen in die Rolle von..." beginnen.
Schönen Gruß
Benno

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Andreas Kwasniak

Re: Spieleinleitungen

Beitragvon Andreas Kwasniak » 18. März 2006, 16:14

Hallo Franz-Benno,

harte Strafen sollen ja nicht nur selbiges sein , sondern auch abschreckende Wirkung haben.
In dem Spiel zu dem ich in Kürze eine Einleitung verfassen werde, schlüpfen die Spieler in die Rolle eines ... aber ich werde mich nun davor hüten es eigens zu erwähnen.
Danke für die Präventivhilfe :-). Andreas

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Andreas Kwasniak

Re: Spieleinleitungen

Beitragvon Andreas Kwasniak » 18. März 2006, 16:45

Hallo Niccolo,

ebenso wie bei einem Roman möchte ich gerne gedanklich erst einmal an die Situation herangeführt werden, um die es geht. Dabei kann es auch gerne ein halber Roman sein.
Häufig ist dies eher was für eine ruhige Stunde auf dem Sofa oder in der Badewanne.
Beim Spieleabend, wo vier Mitspieler auf ihren Stühlen herumrutschen und anschließend auch noch Spiel B und dann auch noch Spiel C spielen wollen, empfehle ich aber doch eher auf Einleitungen zu verzichten, wenn es mehr als drei kurze Sätze sind.
Mit Spielern, die genügend Ruhe zum Spieleabend mitbringen, um sich auch auf eine Spieleinleitung einzulassen, erwarte ich nichts anderes als einen gelungenen Abend.
Viele gelungene Einleitungen wünscht Andreas

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Thorsten G aus B

Re: Spieleinleitungen

Beitragvon Thorsten G aus B » 18. März 2006, 18:46

Sehr lustig war auch die Einleitung von Schatten über Camelot (leider habe ich das Spiel nicht, daher kann ich nicht zitieren).

Die Erwähnung des schwarzen Ritters und der Schwalbe (ob es eine europäische oder eine afrikanische war, stand leider nicht dabei) im Einführungstext führte in er Spielrunde zu einiger Heiterkeit und dazu, dass vor dem eigentlichen Spiel erst einmal "Die Ritter der Kokosnuss" von Monty Python geguckt werden musste.

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Hermann

Re: Spieleinleitungen

Beitragvon Hermann » 18. März 2006, 20:22

Hi Niccolo,
als eifriger BGG-user habe ich festgestellt dass in den USA eine thematische Bindung einers Spiels geradezu eingefordert wird, währenddessen in Europa der Mechanismus zuerst entwickelt wird und dann ein Thema übergestülpt wird; das "Form follows function" Prinzip.
Aus diesem Grund haben z. B. Spiele von R. Knizia so gut wie nie eine stringente thematische Einleitung, da es sich fast immer um einen streng abstrakt-mathematischen Spielmechanismus handelt.
Bspl: Amun Re: Die Spieler übernehmen die Rolle rivalisierender Dynastien. Während des Spiels (sic!) nutzen sie ihren Einfluss, um Provinzen in Besitz zu nehmen und dort Pyramiden zu errichten... Das ist alles thematischer bullshit!
Wenn man "Dynastien" durch "Firmen", "Provinzen" durch "Märkte" und"Pyramiden" durch "Gewinne" ersetzt hat man sowohl ein anderes Thema als auch ein vermutlich völlig anderes Spiel...
Ich stelle es mir einfach schwierig vor einem abstrakt entwickeltem Spielmechanismus eine passende Thematik zu geben, was natürlich zu Lasten des einführenden Textes geht.
Gute subjektive Beispiele für eine gelungene Mechanismus/Thematik-Verschmelzung sind:
Siedler
Jenseits von Theben
Antike
Die Macher
Alle 18er
Friedrich
An den Ufern des Nils
Capone
Fast alle F. Friese Spiele
etc....

Schlechte Beispiele wären
Euphrat und Tigris
Torres
Goa
St. Petersburg
etc..

Ich persönlich liebe thematisch dichte Spiele, wie z. B. Kreml, Mall of Horror und Jenseits von Theben, und ich ergötze mich jedesmal an den einleitenden Worten der Regeln; aber wenn ich ein Knizia Spiel kaufe, dann weiss ich, das ich hier weder Thema noch Einleitung zu erwarten habe....
Gruß,
Hermann

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Hermann

Re: Spieleinleitungen

Beitragvon Hermann » 18. März 2006, 20:26

Ach, und natürlich "Hotel Life"!
Wie konnte ich "Hotel Life" vergessen...

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Mac

Re: Einleitung - Kreml

Beitragvon Mac » 19. März 2006, 01:55

Zustimmung!
Kreml ist einfach genial!
Mac

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Braz
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Beiträge: 6431

Re: Spieleinleitungen

Beitragvon Braz » 19. März 2006, 10:03

*lol :D

..besonders bei DT lag ich am Boden.. :D :D :D

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pajdl

Re: Spieleinleitungen

Beitragvon pajdl » 19. März 2006, 22:01

Ich liebe die Spielregel vom "Wie ich die Welt sehe"
Das Individuum, das erläutert, wie es die Welt sieht. Der Einfachheit halber Idewedwes genannt....
Es nennt sich nun >The artist formerly known as Idewedwes< kurz Tafkai....

"Unser" Schweizer Urs Hostettler scheint ein begnadeter Spielregelschreiber zu sein.


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