Beitragvon Kai Borschinsky » 10. April 2006, 18:02
Also, soweit ich es mitbekommen habe, sind einige Verlage durchaus interessiert an der Diskount Schiene. Aber es mag nicht nur an den Verlagen liegen, wenn das nicht breiter ausgeführt wird.
Grundsätzlich muss man den Discountern ja auch erst einmal die Spiele schmackhaft machen. Und die interessieren sich letztlich nur für hohe Bekanntheitsgrade, die sehr hohe Absätze garantieren. (Das ist das, was die Spiele bei ihnen so billig macht.)
Das ist faktisch meist nur bei den üblichen Verdächtigen möglich, die die Discount Kundschaft auch zumindest mal gehört hat.
Andreas schrieb:
> 1. Kernidee: Spiele sollen über die Discounter (natürlich
> hier das Argument des Preises) einen Zugang zu Nichtspielern
> finden. Die Käufer sollen Spaß an diesem Spiel, dieser Art
> von Spielen finden und so etwas mehr dem Spielen zugetan
> sein. Sicher gibt es deutliche Streuverluste (verstaubende
> Spiele), aber gerade deswegen ist es auch ein breites Angebot
> an die Masse. Wenn nur ein geringer Prozentsatz sich dann
> etwas intensiver mit unserem Hobby beschäftigt, profitieren
> alle Interessengruppen vom etwas größer gewordenen Markt.
Die Intention ist gut und verständlich. Ganz so optimistisch würde ich das aber nicht sehen. Wirklich beschäftigen werden sich die Kunden mit unserem Hobby eher nicht. Sie werden es, bestenfalls, mal auspacken und mit den Kindern spielen. (Und dann halt in die Ecke stellen.) Länere Regeln sind auch eher unpraktisch, da die meisten Leute eben nicht bereit sind, erst mal die Regeln zu lernen. Man sollte nicht vergessen, dass Vielspieler einfach einen Startvorteil beim Verständnis von Spielregeln haben. Und man kann halt leider nicht jedem Spiel einen Erklärer begeben. Die Niagara DVD ist zwar ein guter ANsatz, aber auch da bezweifle ich, dass die Mehrzahl der Kundschaft bereit ist, so viel Zeit in die Vorbereitung zu investieren.
> 2. Keine Konkurrenz zu Fachhandel und Internet-Shops.
> Freilich entsteht kurzfristig eine gewisse Konkurrenz, aber:
> 1) es wird eine ganz andere Zielgruppe angesprochen;
> 2) Spieler (unseres Schlages und „normale“ Menschen, die ganz
> gelegentlich mal spielen) werden die angebotenen Spiele eh
> schon haben;
Ich fürchte, das sieht der Fachhandel anders. Soweit ich mitbekommen habe, sieht es eher so aus, dass von Seiten der großen Einkaufsverbände durchaus sehr aufmerksam beobachtet wird, wenn ein Spieleverlag verstärkt auf Discounter anspricht. Bei Puzzlen gibt es z.B bei Schmidt nicht ohne Grund ein eigenes Sub-Label "Blatz" für Discount-Sonderaktionen...
Es gibt durchaus Ansätze, dass Spiele/Puzzles, die bei Discountern auftauchen, konsequent ausgelistet werden. (Wobei wohl nicht generell gegen Discount Aktionen gesprochen wird, aber Produkte wie das SdJ zählt definitiv zu den kritischen Fällen)
> 3) keine Daueraktion:
Auch der Fachhandel und die Handelsketten (Karstadt, Metro...) macht definitiv nicht den Großteil seines Absatzes durch gezielte Käufer, sondern überwiegend mit Gelegenheitskäufern...
> 3. Natürlich keine Spiele mit eher komplexen Zugang, also
> kein Puerto Rico oder Caylus (so sehr ich die schätze),
> sondern eher Spiel des Jahres-Spiele (Carcassonne, Alhambra,
> Siedler,...) mit vergleichsweise leichtem Regelwerk. Nichts
> spricht m.E. gegen die Platzierung von Spielen, deren Zeit im
> sog. Produktlebenszyklus sich dem Ende neigt (vgl. Beitrag
> von Tim).
Was ja durchaus teilweise auch passiert. Allerdings muss man so ein Spiel dann auch dem Discounter schmackhaft machen. Und das ist nun wieder gar nicht s einfach. Die nehmen eben doch nicht einfach so alles. ;) Und man muss dann auch erst mal das "Restspiel" in angemessener Stückzahl liefern können.
> Aber: die angebotenen Spiele sollen gut angekommen sein,
> also: keine Verramschung von „durchgefallenen“ Spielen, das
> wäre absolut kontraproduktiv. Nochmals hier die Frage: ist
> dieses Angebot Konkurrenz?
Tendentiell nicht. ;) Aber es ist eine Gratwanderung und ansonsten siehe oben: Der Discounter muss auch wollen. Und die wollen zunehmend nicht die Auslaufmodelle sondern nur die aktuellen Spitzenprodukte.
> Mein Vorschlag dagegen baut auf den zu beobachtenden
> Veränderungen im Handel auf, und versucht diesen Ansatz über
> die Preisschiene zu nutzen. Erst mal (günstig) kaufen, dann
> mal sehen. Aber ich bin überzeugt, dass die Masse mit einem
> Spiel zumindest ein Produkt gekauft hat, das ihnen etwas
> zurückgeben könnte, wenn sie es denn – evtl. auch eine
> zeitlang später – nutzen. (Das kann man nicht von allen
> zweckfreien Discounterprodukten behaupten…). Und ein paar
> Spieler würden so gewonnen werden, die Basis wird etwas
> breiter.
Sehen wohl einige Verlage auch so. ;) (Zumindest soweit ich das verfolgen kann.)
> Ich hoffe, meine Idee etwas präzisiert zu haben, und auf
> einige Argumente eine (indirekte) Antwort gegeben zu haben.
> Es sollte klar geworden sein, dass ich nicht noch billigere
> Spiele dauerhaft beim Discounter kaufen möchte, sondern eine
> Verbreiterung des Kulturguts Spiel in der Bevölkerung
> forcieren wollte, analog zu der Zielsetzung des
> SdJ-Auszeichnung, allerdings über einen anderen Ansatz.
Der Gedanke ist schon klar.
> Sicherlich lässt sich die Idee noch verbessern, vielleicht
> taugt sie aber auch wirklich nichts für die Praxis.
> Vielleicht liest ja auch von den Spieleverlagen jemand dieses
> Forum und greift den Ansatz auf.
Es dürften so ziemlich alle Verlage hier lesen. Ein paar schreiben ja sogar regelmäßig hier.