Beitragvon Volker L. » 9. September 2006, 16:26
Peter Gustav Bartschat schrieb:
>
> Dazu kommt noch so etwas wie "Zeitgeist": Manche Dinge
> funktionieren in dem Jahrzehnt, in dem sie zum erstem Mal mit
> der Öffentlichkeit konfrontiert werden, überhaupt nicht, und
> werden 30 Jahre Später als verschollene Geniestreiche über
> den grünen Klee gelobt und jeder will sie haben.
Paradebeispiel: Billy Wilders Berlin-Komödie "Eins zwei drei"
Roman Pelek schrieb:
>
> Hi Gustav,
>
> Peter Gustav Bartschat schrieb:
>
> > In "Raumschiff Enterprise" (der
> > alten Serie) gibt es eine Folge über Leute, die im Inneren
> > eines durch die Leere treibenden Planeten leben und über die
> > Außenwelt fast nicht wissen. Die Episode heißt im Original
> > "For the world is hollow and I habe touched the sky"
> > (übersetzt: Denn die Welt ist hohl und ich habe den Himmel
> > berührt), in der deutschen Fassung hieß sie "Der verirrte
> > Planet". Was ist da der "bessere" Titel?
>
> Ganz klar der Englische, denn der trifft den nicht
> vorhandenen Kern ;-)
LOL - Roman versagt bei dem Versuch, ein Phänomen der Spielebranche
auf andere Bereiche zu übertragen - nämlich die [i]Zielgruppenorientierung[/i] :-P
> > Im ZDF hat damals
> > bestimmt jemand mit Nachdruck die Überzeugung vertreten, dass
> > nur knappe, knackige Titel "gute" Titel sind. Ich persönlich
> > mag mich dieser Meinung aber nicht anschließen.
>
> Aber sicher doch. Man sollte dem deutschen Volk nicht zuviel
> zumuten. Da ist ein verbaler Gartenzwerg besser :-D
Dieses Phänomen gab es ja auch bei den späteren Star-Trek Ablegern
noch und bei diversen anderen Serien. Als ich erstmals mit diesen
"poetischen" Episodentiteln konfrontiert wurde, war ich sehr erstaunt -
muss aber den Übersetzern Recht geben. Ich gehe mal davon aus,
dass die amerikanischen Produzenten wissen, was sie tun ( :-)) ) und
diese Titel beim amerikanischen Publikum auch wirklich ankommen,
ins Deutsche übersetzt klingen sie irgendwie banal und nichtssagend.
Nachdem meine erste Überraschung abgeklungen war, war (und bin
immer noch) ich der Meinung, dass die "poetischen" Titel beim
deztschen Publikum nicht ankommen würden - bei mir persönlich
jedenfalls weckt ein Episodentitel "der verirrte Planet" eher Interesse
als "Denn die Welt ist hohl und ich habe den Himmel berührt".
Interessanterweise gibt es vereinzelt bei amerikanischen Fanseiten
auch Listen, auf denen den Originaltiteln die deutschen Übersetzungen
und deren Rück-Übersetzungen ins Englische gegenübergestellt
werden (zu anderen Sprachen ist mir sowas zumindest noch nicht
aufgefallen). Dazu gehörten Deep Space 9, Xena und - glaube ich -
auch Highlander.
> > Wie sollten Titel also sein? So, dass sie dem potenziellen
> > Käufer gefallen. Und was gefällt dem potenziellen Käufer? Das
> > weiß man - wie eigentlich alles im Leben - immer erst
> > hinterher. (Dann kann man aber zumindest behaupten, genau das
> > habe man auch vorher schon gewusst, es habe nur keiner auf
> > einen hören wollen.)
>
> Du stellst gerade ganze hochbezahlte Berufszweige in Abrede.
> Hast Du kein schlechtes Gewissen angesichts der aktuellen
> Arbeitslosenquote? Mensch, Gustav, hör' doch auf, ständig die
> Wahrheit über dieses irdische Jammertal zu verbreiten und
> denk' doch auch mal nach' :-))
>
> > Ein Autor, der gerade ein
> > Manuskript mit dem Titel "Der Detektiv von Bagdad" verkauft
> > hat, kann dann zum Beispiel gefragt werden, was er davon
> > hielte, wenn sein Buch statt dessen "Die Nacht des Kalifen"
> > hieße. Und wenn er antwortet: "Wenn ich mir diesen Titel
> > ausgedacht hätte, würde ich mich sofort erschießen.", dann
> > erscheint´s trotzdem als "Die Nacht des Kalifen".
>
> Das ist [i]total[/i] unrealistisch. Denn wer ein echter
> Problembär von Welt sein möchte, erschießt sich hierzulande
> nicht selbst, sondern lässt sich erschießen :-))
Da hörst Du's, Gustav: nächstes Mal verwüstest Du einfach den
Hühnerstall des Verlegers :lol:
> > Aber das
> > ist immer noch besser als nix.
>
> Ich hatte schon immer die schlimme Befürchtung, dass Du
> Pragmatiker bist. Aber lass' sofort die Ente zu Wasser, sonst
> passiert noch ein zwischenmenschliches Unglück.
>
> Ciao,
> Roman (konsumiert Gustav lieber lebend als als Gammelfleisch,
> notfalls auch unter falschem Titel)
Gruß, Volker (kennt Bärensteaks nur aus Karl-May-Lektüre, würde sich aber
nicht weigern, es mal zu probieren *zu-Gustav-schiel-und-sich die Lippen leck*)