Beitragvon Volker L. » 20. September 2006, 15:54
Braz schrieb:
>
> Maddin schrieb:
> > Ich finde FINSTERE FLURE auch ein hervorragendes Spiel. Und
> > ja - ich oute mich - ich habe es eben deshalb gewählt, weil
> > es KEIN Glücksspiel ist.
>
> Sehe ich definitiv anders! Finstere Flure ist in meinen Augen
> deswegen ein Glücksspiel, da ich nicht wissen kann wohin z.B.
> Spieler Nr 5 das Monster ziehen wird und damit der Standort
> meiner Figuren zum Würfel/Glücksspiel wird. Nochmal: Dies
> gilt in meinen Augen für ein Spiel AB 3 Personen! ;)
> Bei 2 Personen geeb ich dir recht ;)
Man mag ja umgangssprachlich alles, was man nicht genau voraussehen
kann, pauschal als "Glück" bezeichnen (tue ich auch), aber spätestens
in einer Diskussion, wieviel Glücksanteil in einer Sache steckt, sollte man
schon differenzieren:
[ul]
[*][b]Glück[/b] durch Würfel, Karten o.ä.
[*][b]verdeckte Informationen[/b] wie die Aktionskarten bei Caesar & Cleopatra: der gegner sortiert seinen Stapel nach eigenem Gutdünken - ich kenne zwar jede einzelne Karte seines Decks, weiss aber nicht, für welche Reihenfolge er sich entscheidet und demzufolge auch nicht, welche er gerade auf der Hand hat
[i]und[/i]
[*][b]Mehrspieler-Interaktion[/b], bei der ich vollständige Information über die Möglichkeiten der Gegner habe, aber die Vielzahl der Optionen, Unkenntnis über die Prioritäten der Gegner bei der Verfolgung ihrer jeweiligen Strategien und die Möglichkeit von Fehlentscheidungen, von denen entweder ich oder ein anderer MItspieler profitieren können
[/ul]
sind nun einmal 3 verschiedene Dinge.
> > Huhu Braz!
> >
> > Sorry, aber das ist kein "Glück". Ansonsten müsstest Du auch
> > von "Glück" sprechen, wenn Dein Schach-Partner einfach
> > schlechter spielt als Du...
>
> Ahoi Maddin,
>
> dem kann ich nicht so ganz zustimmen: Schach spielt man zu
> zweit und man kann ich immer auf die Strategie seines
> Gegenübers einstellen. nur weil es ein Zugspiel ist, ist es
> noch lange kein Glücksspiel...und das hatte ich auch nicht
> behauptet (solltest du das Argument des Zug/Zieh-Spiels
> gemeint haben) ;)
>
> Wie ich erwähnte -und so ziehe ich die Parallele zum
> (2Personen)-Schach - ist ein 2Personen-Finstere Flure eher
> weniger glücksbetont, da ich mich auf die Strategie des
> Gegenübers einstellen kann bzw. vielleicht erahnen kann wie
> er evtl. das Monster ziehen wird. Ab 3 Personen kann ich dies
> aber nicht mehr und so kann ich mich mit meinen Figuren
> strategisch positionieren wie ich will: Ich kann den
> Monsterzug von Spieler Nr. 3,4, 5 oder gar bis 7 einfach
> nicht im voraus wissen und demnach meinen Zug planen. Mögen
> die Figuren noch taktisch gut in meinem und dem nächsten Zug
> gestanden haben, so können sie absolut auf offenem Feld bei
> Person Nr. 4 am Zug stehen.
Schach ist in diesem Fall in der Tat ein eher unpassendes Beispiel.
Nimm lieber die beiden besten Spiele der Welt: Puerto Rico und Caylus
PR hat einen kleinen Glücksanteil durch das Ziehen der Plantagen,
Caylus hat nach der Startaufstellung gar keinen mehr. Jetzt spiele mal
beide in voller Besetzung - rein theoretisch kannst Du berechnen, welcher
Spieler welche Rolle nehmen bzw. seinen Arbeiter wohin setzen wird,
praktisch klappt das nicht, weil ein Spieler andere Prioritäten setzt als
Du denkst, einen suboptimalen Zug (Fehler) macht oder Ihr beide zu
unterschiedlichen Ergebnissen bei der Einschätzung eines dritten kommt.
De facto kannst Du bei PR sogar noch etwas besser planen (sofern alle
Spieler eine gewisse Mindesterfahrung in dem Spiel haben!), wirst aber
trotzdem öfters erleben, dass es nicht klappt. Bei Caylus ist es IMHO
nahezu unmöglich, genau zu berechnen, welche Gebäude die anderen
4 Spieler besetzen werden, weil die Vielzahl der Optionen zu einer
wahrhaft unüberschaubaren Menge von Fallunterscheidungen führt.
--> gemäß Deiner Einschätzung von FF müsstest Du dann ja auch
PR und Caylus als Glücksspiele ansehen?
Gruß, Volker