Beitragvon Roman Pelek » 14. Oktober 2006, 09:14
Moin zusammen,
um meinen schlechten Ruf zu festigen hab' ich mir mal wieder was aus den Fingern gesogen:
Es war ein lauer Sommertag in einem Mainzer Biergarten Anno 2004. Die versammelte deutsche Männerschaft fand es gut, dass Holland nicht dabei war, hegte abgesehen vom Spiel mit solchen und ähnlichen Klischees keine besonders bösen Absichten und trank einfach ihr Bier. Im Sinne der Völkerverständigung hatte ich sogar ein StreetSoccer mitgebracht, um Claudia mal gehörig ins Nirwana zu schießen. Und irgendwie war es mir auch gelungen, ihr zu vermitteln, dass sie diesmal an der Reihe sei, das nächste Bier zu holen.
Das hätte ich besser nicht gemacht.
Bevor ich’s mir versah, krabbelten während ihrer Absenz (bitte nicht mit "Absinth" verwechseln, ein Van Gogh-Ohr reicht) zwei Kinder auf mir: „Was’n das? Ist das ein Spiel? Geht das um Fußball?“. Innerlich tobte ein Zwiespalt in mir „a) Hast Du ja rein gar nix gegen Kinder, Roman aber b) wie sieht das denn in Zeiten medial geschärfter Päderastenparanoia aus?“ In einem Anfall von erklärtechnischer Exzellenz rutschte mir heraus: „Äh, also das weiße runde Steinchen ist der Ball, und, äh, also der Würfel bewegt die Männchen.“ – „Und weiter, Onkel?“ Das war der Moment, als ich Claudia hektisch winkte, um ihr zu bedeuten, sie solle doch bitte nicht soviel Wert auf das Bier legen und lieber herkommen. Sie hingegen machte eine zustimmende Geste, die wohl bedeuten sollte: „Keine Sorge, Roman, das mit dem Bier krieg ich schon alleine hin.“
Das war der Moment, als ich darüber nachdachte, ob man nicht eine eigene Sprache für die Konversation zwischen Männern und Frauen erfinden sollte. Naja, gut, versuchen wir’s mal mit der Frau, die diese Kinder vermutlich geboren hat. Ich richtete meinen verzweifelten Blick auf sie – was sie auch recht schnell gemerkt hat – und sie erhob ihre Stimme. Man stelle sich die Absurdität des Szenarios mal vor: Mann wartet auf Errettung und Frau reagiert sogar darauf. Ich war sozusagen in anderen Umständen, in froher Hoffnung, oder wie auch immer man das für Männer tituliert. Und dann kam dieser eiskalte Hauch der Realität im Form einer weiblichen Antwort: „Meine Kinder machen nix, die wollen nur spielen.“ Ach. Echt? Es hat wieder niemand meine Frage verstanden, die da unausgesprochen lautete: „Ich wollte hier auch nur spielen. Mir macht es auch überhaupt nix aus, wenn Kinder dazukommen. Aber wer trägt hier eigentlich Sorge dafür, dass nicht morgen im nächsten ortsansässigen Revolverblatt steht ‚Best Päderast in town verführt im Biergarten wieder kleine Kinder?’“
Und dann kam zum Glück Claudia wieder. Ein Augenblinzeln lang fühlte ich mich wohl, bis der Kommentar „Du vermehrst Dich ja schneller als eine anständige Frau Kinder kriegen kann“ auf mich niederschlug.
Also noch mal ansetzen: „Äh, also Kinners, das weiße runde Steinchen ist der Ball …“
Ciao,
Roman („But they haven’t put their mittens on and there’s fiveteen feet of pure white snow...” / Nick Cave)