Beitragvon Knut Happel » 14. November 2006, 01:41
Lieber Friedel,
ich glaube nicht, dass Ihr etwas "falsch gemacht" habt.
Wenn ein Spieler sehr hoch führt, ist dieser entweder sehr geschickt gewesen oder hatte Glück, dass Deine Spielrunde ihm trotz seiner Führung noch reichlich Siegpunkte verschaffte (d.h. auf seine Pfahlmarker baute, am Canale Grande baute während er auf der Gondel saß ......).
Dass IN DER ENDPHASE mal vermeintlich nur ein Spieler gewinnen kann, ist eine Situation, die sich bei einem Spiel nicht vermeiden läßt, welches als Spielprinzip auch darauf beruht, dass Spieler anderen Spielern Punkte verschaffen.
Aber bei den allermeisten "Die Säulen von Venedig"- Partien kann man nach meinen Erfahrungen aus Testrunden auch da noch was machen .....
Ganz allgemein als Tipp für die Endphase des Spiels:
Die anderen Spieler sollten RECHTZEITIG dafür sorgen, dass auf den letzten verbliebenen Pfählen genügend eigene Pfahlmarker vorhanden sind. Denn dadurch kommen sie an Siegpunkte, obwohl das Spielende näher rückt.
Fällt das nahe Spielende den anderen Spieler erst auf, wenn ein Spieler deutlich führt und nur noch 2 Pfähle übrig sind ..... naja, dann wird es in der Tat schwierig, den Führenden noch am Sieg zu hindern, weil jetzt kein "Pechtunker" mehr gespielt werden kann.
Schwierig, aber nicht aussichtslos:
1.
Der Führende braucht einen "Pechtunker", um das Spiel zu beenden (da ihm keiner seiner Mitspieler diesen Gefallen tun wird).
Er kann a.) schon einen haben oder b.) noch einen brauchen.
Im Fall a.) sollten alle Spieler versuchen, als jeweilige Startspieler dem Führenden genau diesen "Pechtunker" durch Ziehen wegzuschnappen.
Gerade bei Runden mit 4+ Spielern ist der Führende ja sehr vielen Spielern ausgesetzt, die bei ihm ziehen wollen ..... Und dann muss der Führende sich wieder irgendwo einen "Pechtunker" "organisieren" --> siehe b.)
Der "Spion" scheint übrigens ein gutes Mittel zum rechtzeitigen Wegschnappen des "Pechtunkers" zu sein, hat aber den gewaltigen Nachteil, dass der ausspionierte Führende dann den "Spion" auf der Hand hat und sich damit auf die (recht leichte) Suche nach einem neuen "Pechtunker" machen kann.
Im Fall b.) muss der Führende als Startspieler versuchen, irgendwo einen "Pechtunker" durch Ziehen zu finden.
Wenn es tatsächlich in einem Spiel einen deutlich Führenden gibt, sollte vermieden werden, dass die "Pechtunker" sich bei einem Spieler sammeln und dieser bei 5 Handkarten 3 "Pechtunker" hat. Dadurch würde nämlich einem aufmerksamen Führenden eine zu gute Möglichkeit gegeben werden, als Startspieler mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bei genau diesem Spieler eine ("Pechtunker"-) Karte zu ziehen ......
Außerdem: Der Führende hat natürlich ein Interesse daran, dass der Startspieler häufig wechselt, denn dadurch bekommt er selbst viele Chancen, als Startspieler einen "Pechtunker" zu ziehen. Der Startspieler wechselt, wenn ein "Ratsherr" oder "Baumeister" ausgespielt wird (diese Karten haben das entsprechende Symbol auf der Karte). Die anderen Spieler sollten - wenn möglich - dem Führenden die "Arbeit" überlassen, diese Karten zu spielen, um das Weiterreichen der Startspielerkarten zu forcieren. Denn diese Aktionen haben für den Führenden vielleicht sonst keinen Vorteil, da er ja den "Pechtunker" will ......
2.
Mit dem "Saboteur" können schon bebaute Pfähle freigeräumt werden. Dadurch entsteht neuer Platz für (punkteträchtige) Stadtteile, ohne dass ein "Pechtunker" gespielt werden muss und den Führenden zum Sieger macht.
In gewisser Weise ist der "Saboteur" also eine Art "Pechtunker" ohne aber das Spielende herbeizuführen ......
3.
Wenn gegen Ende kein "Pechtunker" mehr gespielt werden kann (weil der Führende sonst gewinnt), können oft trotzdem Stadtteile mit dem "Ratsherrn" aus dem Vorrat genommen oder mit dem "Baumeister" gebaut werden. Wer in diesen Situationen auf das Ausspielen dieser Karten "zockt" und deshalb einen "Spekulant" oder "Händler" spielt, kann Punkte machen, ohne mittels "Pechtunker" das Spielende herbeizuführen.
4.
Die Vorteile von "Saboteur", "Spekulant" oder "Händler" kann man sich natürlich ganz leicht auch mit dem "Bettler" verschaffen - leider gilt dies aber auch für einen aufmerksamen Führenden ;-)
Weiterhin viel Spaß - und die ein oder andere knifflige Aufholjagd - wünscht Dir und Deinen Mitspielern
Knut
www.die-saeulen-von-venedig.de