Beitragvon Christian Hildenbrand » 3. Januar 2007, 19:17
Hendrik schrieb:
Hallo Hendrik,
> Ich nehme an, Du möchtest damit sagen, dass die
> Europa-Version wesentlich geringere Chancen gehabt hätte.
> Kannst Du dies noch konkret begründen?
Ja, ich würde diese Behauptung aufstellen, weil ZuZ-Eu diesen Hauch zu viel "Komplexität" innehat im Vergleich zum Ursprungsspiel.
Beweisen ist natürlich nicht möglich, was im Übrigen ein prinzipielles Problem beim Veröffentlichen von Spielen ist ... man hat nur immer eine 1. Chance als Verlag...
> Im Gegenteil stelle ich einen Trend fest, dass erfolgreiche
> Konzepte mit der Zeit noch verfeinert werden.
> Bspw. Zug um Zug USA -> Europa
> Battlecry -> M'44 -> C&C Ancients -> Battlelore
> Carcassonne -> diverse (die Burg / die Stadt)
> Wallenstein -> Shogun
Ich denke nicht, dass es verkehrt ist, gute Spiele weiter zu verbessern, wenn man wirtschaftliche Bedenken dafür aus dem Weg räumen kann, da die Selbstkannibalisierung innerhalb des Verlagsprogramms nicht zu verachten ist.
Vor allem ist es eine feine Sache, wenn man es schafft, mit den unterschiedlichen "Editionen" unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen. In meinen Augen geschehen bei:
Zug um Zug - Familien
Zug um Zug Europa - Spieler
Zug um Zug märklin - Sammler, Spieler
Carcassonne - Familien, Spieler (eines der familientauglichsten "Spielerspiele", die ich kenne)
Carcassonne alle weiteren - Spieler, erfahrenere Familien, Sammler
Battle Cry / Memoir'44 - Spieler, die Kriegsthemen annehmen
BattleLore - Spieler, die Kriegsthemen ablehnen (gibt es mehr als man denkt)
Prinzipiell stellt sich bei allen verschiedenen Versionen die Geschmacksfrage, so spiele ich selbst lieber das Carcassonne-Grundspiel mit erster Erweiterung als Jäger&Sammler, Stadt oder Burg und lieber Zug um Zug märklin als Europa (und auch das Original lieber als Europa). Und ich ziehe Wallenstein Shogun vor ... aber wie gesagt, alles Geschmackssache.
> Natürlich hat der Nachfolger kaum noch Chancen auf einen
> Titel, weder SDJ noch DSP, aber er stellt (meistens) das
> ausgefeiltere Spielkonzept dar.
"Ausgefeilter" stimmt in den meisten Fällen - weil die Chance da war, aus den "Fehlern" der Vorversion zu lernen und diese Punkte zu verbessern. Oft kommen auch erst die Vielspieler auf Ideen, die man vorher noch nicht hatte, oder die Familienspieler kommen mit Fragen, die man vorher nicht bedachte. Doch noch mal der wichtige Punkt: der Verlag hat bei jedem Spiel nur eine 1. Chance ... entweder es klappt oder es klappt nicht. Hier und da wüssten wir gerne schon im Vorfeld, ob ein Spiel so ankommen wird, wie wir es auf dem Markt präsentieren, oder ob es den Geschmack (leider) nur in unseren Testrunden getroffen hat.
Wurde ein Spiel zuvor nicht betrachtet, hat die "verbesserte Version" aber durchaus Chancen ... ich möchte nur auf "Der Palast von Alhambra" verweisen, das zuvor als "Al Capone" und "Stimmt so!" auf dem Markt war. Ebenso wurde ein "Funkenschlag" erst in der 2. Version berücksichtigt, gleiches gilt für "Die Gärten der Alhambra", die zuvor als "Carat" nicht auf die Auswahlliste (heute: Empfehlungsliste) kamen.
Auch im Kinderspielbereich finden sich hierzu Beispiele, wie zum Beispiel "Der Schwarze Pirat", das bekanntlich 2006 zum Kinderspiel des Jahres gekürt wurde, nachdem vom gleichen Autor beim gleichen Verlag "Akaba" nicht berücksichtigt wurde.
> Im Falle von ZuZ Europa sähe ich die SdJ Chancen völlig
> intakt, gäbe es keinen Vorgänger.
Das ist leider etwas, was niemand je nachprüfen kann ... ich bin der Meinung, dass es weniger Chancen gehabt hat, einfach weil ich denke, dass es durch die Zusätze den Hauch zu "komplex" geworden ist. Andere Meinungen dazu höre ich mir gerne an, denke aber für mich, dass ich mit meiner richtig liege.
Erklärende Grüße,
Christian (kann mit seiner Ex-Freundin BattleLore, nicht aber Memoir spielen...)