Beitragvon Maddin » 15. Januar 2007, 09:42
Moin Guido!
Da Du mich direkt angesprochen (bzw. zitiert) hast, möchte ich meiner o.a. Kurzkritik hier gern ein paar erläuternde Worte hinzufügen.
Die Materialqualität im Sinne von Robustheit halte ich für "durchschnittlich": der Plan ist nicht besonders dick, aber auch nicht fledderig; die Karten haben das heute übliche Maß und eine taugliche, weder nach oben noch nach unten aus der Masse herausragende Stärke. Die Chips, die auf dem Spielplan verteilt werden, sind ebenfalls Standard-Pappe; Einrichtungen, die ein Verrutschen etc. verhindern könnten, fehlen. Die einstürzenden Brücken sind ebenfalls nur kleine Papp-Chips; hier hätte der Spielplan nach meiner Meinung gern 3D-Elemente wie z.B. bei den "Brücken von Shangrila" oder bei "San Marco" vertragen.
Einzig wirklich erwähnenswertes Gimmick sind somit die Diamanten, die es einzusammeln gilt. Die funkeln wirklich hübsch, sind zwar ein bisschen fummelig klein, aber das kann man mit der Idee "naja, sind halt Kostbarkeiten", gern verschmerzen. Leider wird diese positive Eindruck dadurch sehr bedrückt, dass von diesen Diamanten nicht ausreichen viele beiliegen: ich glaube, es sind 12 Stück. Und die reichen erfahrungsgemäß kaum für eine Partie aus. Ich persönlich habe mir aufgrund der freundlichen Hinweise hier auf SPIELBOX-ONLINE (per Link zur Hasbro-Homepage) über den dortigen "Consumerservice" zusätzliche Steine angefordert, was unproblematisch, schnell und kostenlos erledigt wurde: innerhalb von etwa 10 Tagen wurden mir 10 zusätzliche Diamantenspielsteine zugeschickt.
Natürlich fürchte ich, so eine Nachforderung dürfte die "Normalspielfamilie" eher überfordern. Aber genauso gehe ich mal davon aus, dass HASBRO in zukünftige Auflagen diese Extra-Diamanten lieber gleich mit einlegt, als weitere ratlose Kunden in gerade dieser geplanten Hauptabnehmerschaft zu riskieren.
Die Regel ist auf lächerlich dünnem Hochglanz-Papier gedruckt, inhaltlich nicht vollständig und - zumindest für den versierten Spielregelleser, für den ich mich halte - ohne erkennbare innere Logik gestaltet. Mag sein, dass da jemand dachte, man müsse den "Nicht-Vielspielern" den "Zugang erleichtern". Hmm - da müsste man mal jemand aus dieser Gruppe fragen...
Wenn ich mich nicht sehr täusche, fehlt ferner eine online- oder sonstige mediengestützte Regelerklärung. "On Date" scheinen da also eher KOSMOS, ZOCH und eggertspiele zu sein.
Bleiben noch die Pöppel: Standard-Halmakegel aus Holz, wie sie seit spätestens dem 2. Weltkrieg üblich sind. Keinerlei Innovation also auch hier, eher Rückschritt: mindestens seit Existieren des "Spiel des Jahres"-Preises halte ich individuell und thematisch passend gestaltete Spielsteine für normal.
Das leitet gut über zum optischen Eindruck des Gesamtmaterials:
Regel, Spielplan, Karten und Cover sind im gleichen Graphik-Stil gestaltet; immerhin konsequent also. Leider gefällt mir die angewandte Technik überhaupt nicht: Draufsicht direkt von oben mit trotzdem Seitenansichten von Gebäuden und anderen Elementen. Ein wenig erinnert mich das an "Drunter und Drüber"; nur dass diese Technik da zum chaotischen Gesamthintergrund hervorragend passte - und hier eben nicht. Die Darstellungen der einzelnen Bergwanderer sind so lala - rein geschacksmäßig nicht mein Fall, aber das ist jetzt zugegebenermaßen rein subjektiv. Schade aber, dass man aus der Chance, die die Charakterisierung der einzelnen Personen (irritierenderweise aus den Schmalseiten des Deckels angebracht) kein Kapital geschlagen hat: im Spiel gibt es keinen regeltechnischen Unterschied zwischen den Bewegungen der einzelnen Figuren. Hier wäre mehr möglich gewesen!
Gesamtbilanz:
Wenn dies wirklich schon die von HASBRO/PARKER beworbene "besondere Ausstattung" sein soll, dann muss man konstatieren, dass dieser Verlag mindestens die letzten 20 Jahre der Weiterentwicklung von Spielen verschlafen hat. Hier ist dringender Nachholbedarf - eine zweite so wohlwollend-eingehende Kritik wie diese wird es zumindest von mir nicht geben. Eine Orientierung an den durch "Spiel des Jahres", "Essener Feder" u.ä. Preisen gesetzten Materialstandards darf wohl erwartet werden, wenn ein so kapitalkräftiges Unternehmen sich auf den Bereich der Autorenspiele vorwagt.
Sonst drohen von breiten Teilen der sonstigen Vielspieler-Öffentlichkeit Häme, Spott oder bestenfalls Missachtung...
Verspielte Grüße,
Maddin = : - )