Beitragvon Bodo Zentner » 21. Januar 2007, 13:21
Hallo,
jetzt bin ich ein wenig schlauer :)
Unsere gestrige 4er Partie verlief zunächst nicht so gut für mich. Mein Plan mit den 315 Rubel Startkapital gleich zu Beginn 3 kleine Gesellschaften an den Start zu bringen ging nicht auf, da ich die Nikolaev nicht zu billig abgeben wollte. Ich erteigerte Sie für 130 Rubel und bekam noch die KK hinzu (keine Privatbahnen). Mein ursprünglicher Plan bestand darin die These meiner Mitspieler zu widerlegen, daß der Verlust einer kleinen Gesellschaft an die Staatsbahn unwiderrufliche Nachteile bringt. Ich wollte also so viele kleine Gesellschaften wie möglich so lange wie möglich fahren, also mit hohen (maximal 4er Loks) Loks austatten und Aktien fremder großer gesellschaften kaufen (Trittbrettfahren).
Leider sahen meine Einfahrergebnisse nicht sehr gut aus, da wir diesmal etwas agressiver spielten und gezielt versuchten den Mitspielern die Wege zu verbauen (was sich für mich im Nachhinein als unkonstruktiv und als Zeitverschwendung herausgestellt hat). So kam die gefährliche Phase der Fusionen durch einen drohenden 4er Lokkauf etwas zu früh und ich sah mich gezwungen drei der kleinen Gesellschaften zu fusionieren. Die neue große Gesellschaft ging mit 150 Kurswert und drei 2er Loks und einer 3er Lok an den Start. Durch Zukauf hielt ich 40% der Gesellschaft; eine weitere Aktie wurde von einem Mitspieler gekauft. Meine vierte kleine Gesellschaft, die "Donetsk", konnte durch eine gefährliche Transaktion (ich sah bereits meine Felle wegschwimmen) im Verlauf der folgenden OR, die letzte 4er Lok ergattern. Es war dann auch die einzige kleine Gesellschaft, die bis kurz vor dem Kauf der 8er Lok als solche existierte und dann in eine große Gesellschaft mit Startwert 100Rubel umgewandelt wurde.
6 große Aktiengesellschaften existierten zum Ende des Spieles, wobei eine wie gesagt erst kurz vorher gegründet wurde. Zu meiner persönlichen Freude habe ich dieses Spiel zum ersten Mal gewonnen und besaß zu Spielende ein Gesamtvermögen von 10100 Rubeln. Der Zweite ging mit 8000, der Dritte mit 7000 und der Vierte mit 6500 Rubeln aus dem Rennen. Ich war in dieser Partie der einzige, der an sein Papierlimit stieß, und das wohl auch nur wegen der spät gegründeten großen Gesellschaft (100Rubel Startkurs).
Mein Fazit zu diesem Spiel (nach 4 gespielten Partien):
a) das Spiel wird eindeutig über den Aktienbesitz gewonnen. Und zwar ist es IMO absolut notwendig Aktien der führenden Gesellschaften zu besitzen. Darum hieß mein ursprünglicher Plan auch "Trittbrettfahren", was sich in abgemilderter Form auch rentierte: ich besaß Aktien von den drei führenden Gesellschaften. Meine eigene Gesellschaft hatte den zweithöchsten Kurswert (gemeinsam mit der dritten Gesellschaft).
b) entgegen meiner ursprünglichen Auffassung halte ich es für elementar in Moskau mit einem Bahnhof vertreten zu sein. Das Spielbrett lässt sich in den Bereich links und rechts von Moskau aufteilen. Die Bahnhöfe unterhalb Moskaus ermöglichen zwar die lukrative Verbindung Katarinenburg-Moskau, jedoch muß man durch Moskau hindurch fahren können, um auch noch St.Petersburg und Polen zu erreichen (beide 70Rubel).
c) es gibt zwei sehr spannende Phasen im Spiel. Die erste beginnt, wenn der erste Kauf einer 4er Lok ansteht und jeder versucht, seine kleinen Gesellschaften zu retten. Dies hat einen Lawineneffekt, da die übrigen kleinen Gesellschaften durch das gesammelte Kapital in den enstandenen großen Gesellschaften bedroht werden. Die zweite Phase beginnt kurze Zeit später, sobald die Spieler über genug Eigenkapital verfügen, um Aktien zu kaufen. zunächst sind dies meistens die Aktien der eigenen Gesellschaft, um den nächsten oder zweiten Lokkauf gewährleisten zu können. Ist dieser Lokkauf gesichert investiert der Spieler in die zu dieser zeit vermeindlich lukrativste große Gesellschaft. Und so tritt hier ein starker Mitkoppeleffekt auf, denn diese gesellschaft wird enorm geboostet. Wer hier nicht rechtzeitig auf den Zug mitaufspringt liegt hinten. Nach der ersten großen Kaufrunde scheinen die karten verteilt und unausweichlich auf ein nun vorherbestimmtes Ende zuzulaufen. Hat man "richtig" investiert kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. So zumindest unser Eindruck. Danach zieht sich das Spiel in die Länge...
d) Privatbahnen sind in diesem Spiel sehr viel interessanter als in anderen 18xx varianten. Sie dienen nicht dazu das Geld aus den Gesellschaften in das Privatvermögen zu transferieren, sondern sind als Geldlieferant interessant, da sie bei ungefähr gleicher Investitionshöhe eine Rendite wie eine kleine Gesellschaft abwerfen und zwar ab der ersten OR, was einen interessanten Vorteil für die zweite Aktienrunde bringt.
Die Schwierigkeit in diesem Spiel besteht darin abzuwägen in welche fremde Gesellschaft man investiert: kauft man keine Aktien gut gehender Gesellschaften gerät man schnell ins Hintertreffen, andererseits gerät dieses Sponsoring schnell zu einer "Königsmacherei".
Im Vergleich würde ich persönlich 1844 (mein Favorit) oder 1830 vorziehen.
Euer Feedback würde mich sehr freuen !
Gruß,
Bodo