Beitragvon Marten Holst » 10. Februar 2007, 10:30
Moin,
>> Das kann man aber auch anders sehen. Ich zum Beispiel finde
>> "Regelbeschreibungen" ziemlich absurd. Ich will wissen, wie
>> das Spiel generell funktioniert. Details interessieren mich
>> zuerst einmal nicht - dafür schaue ich bei Bedarf lieber in
>> die echte Anleitung (zB. auf der Verlagshomepage).
>
> Früher war es in der Tat wichtiger, das Regelwerk zu
> paraphrisieren. Heute kann sich's jeder runterladen.
Ist hier nicht genau einer der Balanceakte, den ein Printmedium zu gehen hat? Einerseits kann es die Existenz des Internets natürlich nicht ignorieren und weiter printmediumisieren wie bisher, andererseits aber bin ich nicht sicher, ob die Zielgruppe aus überwiegend (a) Internetnutzern, speziell solchen, die (b) derartige Service- und Suchmöglichkeiten wahrnehmen besteht. Wie also die einen informieren ohne die anderen zu langweilen?
> Ernstgemeinte Frage: will mittlerweile, wo Spielinhalte für
> jeden öffentlich zugänglich sind, jemand wirklich etwas
> anderes als subjektive Fazits lesen?
Je nun, als Gelegeneheitsschreibviech ich sollte vielleicht meine Meinung nicht herausstellen, sondern Ergebnisse abwarten, aber Kontextschaffung durch Kurzreferenz dessen "was los ist" ist selbstverständlich nötig und hilfreich - genau so, wie man in Netzpostings gerne Kontexte durch zitieren von Textstellen schafft, die auch jedem (ein Posting weiter oben) zugänglich sind. Reine Fazitartikel stelle ich mir interessant vor für Leute, die den n-ten Artikel zu einem Spiel lesen und sich denken "Jaja, langsam weiß ich das mit der grünen Fischkarte". Ein fast reines Fazit so zu gestalten, dass dennoch aller Reininformationsbedarf mit erfüllt wird, das wäre eine Kunstform, die auch nur ausgeübt werden sollte, wenn man die Myoadenylatdeaminase (sorry, das Wort befand sich in meinem Zwischenspeicher, ich kam versehentlich auf einfügen, und nun habe ich keine Lust, es da weg zu machen), wenn man die Kunstform beherrscht. Man sollte bei Ansprüchen an Handwerk und Dienstleistung nicht unbedingt alle (individuellen) Handwerker und Dienstleister an der Spitze messen und verwerfen, wenn sie diese nicht erreichen.
>> Oder Hall9000.de. Durch die deutliche Trennung zwischen
>> Beschreibung und Fazit stellen die Rezensionen hier oft eine
>> gelungene Mischung dar. Längliche Regelbeschreibungen vorn,
>> zusammenfassendes (gleichwohl sprechendes) Resümee am Ende.
>> Wer will, liest nur letzteres.
>
> Hall9000 bedient das Informationsbefürnis sehr gut.
> Beantwortet jedoch nicht die Frage nach der aktuellen
> Rezensionskultur und ob es eine solche überhaupt gibt.
>
>> Warum diese Verkürzung, diese Fokussierung auf das Fazit,
>> eingetreten ist, dürfte fast schon ein Kulturphilosophischer
>> Exkurs werden.
>
> Vielleicht ist es eher eine Existenzfrage in Zeiten des
> Internets: braucht es Rezensionen und Rezensenten überhaupt
> jenseits der Amazon-Votings?
>
> Coap,
> Roman ("If we don't get to a higher place and find somebody
> / can help somebody, might be nobody no more", Tom Petty:
> "A higher place")