Beitragvon Günter Cornett » 4. April 2007, 11:54
Thomas schrieb:
>
> Günter Cornett schrieb:
> > Obwohl, dass man Marken- und Urheberechte nicht verletzen
> > darf ist eigentlich so banal, dass es da keiner Diskussion
> > bedarf.
>
> "bedürfte" würd ich eher sagen. Leider scheint für viele das
> Internet ein einziger kostenloser Selbstbedienungsladen zu
Bei obigem Satz bezog ich mich auf den geschilderten Fall, bei dem davon ausgegangen wird, dass eine Marken- bzw.- Urheberrechtsverletzung vorliegt.
(es ist ja theoretisch möglich, dass die Spiele mit Genehmigung des Rechteinhabers produziert wurden, was aber niemand von uns wissen kann).
Und dennoch habe ich 'eigentlich' geschrieben, weil ich weiss, dass es auch da wieder Diskussionsbedarf gibt.
Im übrigen geschehen die meisten Marken- und Urheberrechtsverletzungen auf Webseiten sicherlich aus Unwissenheit und Unbedarftheit, weil im Netz die Methode 'learning by doing' vorherrscht. Das muss man nicht tolerieren, aber auch nicht gleich mit der großen Keule kommen.
Ich kann von mir selbst auch nicht sicher sagen, zu keinem Zeitpunkt Urheberrechte verletzt zu haben.
> sein. Wenn ich dann im Impressum auf vielen Seiten Hinweis
> wie "Wenn wir Bilder/Texte von dir veröffentlicht haben, und
> du das nicht möchtest, schick uns eine kurze Mail, wir nehmen
> es dann raus" sehe, dann erscheint die allgemeine Einstellung
> zum Urheberrecht irgendwie verkehrt. Deshalb wunderte es mich
Jo, einerseits klingt das dreist, da man verkündet, sich nicht darum gekümmert zu haben, ob man Urheberrechte verletzt hat. Andererseits irgendwie naiv - oder doch raffiniert? Möglicherweise schützt das davor, teure Unterlassungserklärungen zu unterschreiben, da es ja sowas wie eine Unterlassungserklärung darstellt. Weiß das aber nicht so genau.
> auch, dass der Anbieter, nachdem er anscheinend seinen Fehler
> bei dem einen Artikel eingesehen hat, bei anderen, ähnlich
> problematischen Artikeln (MäDN, 4Gewinnt, etc.) nicht auch
> handelt. Stattdessen scheint er darauf zu warten, dass er auf
> jeden einzelnen Fehler einzeln hingewiesen wird. Und wenn
Nun, vielleicht ist der Anbieter auch nur leicht überfordert ...
Das sollte sich in den nächsten Tagen zeigen.
> dann ein Rechteinhaber mal ohne einen netten Hinweis gleich
> eine strafbewährte Unterlassungserklärung oder
> Lizenzgebühren/Schadenersatz fordert, zeigen fast alle nur
> auf den "bösen" Rechteinhaber, der es doch auch erstmal mit
> einem netten Hinweis versucht haben könnte.
Ich denke, dass in den meisten Fällen ein mehr oder weniger netter Hinweis angebracht ist. Vierstellige Anwaltskosten muss man dem anderen auch bei einer einfachen Urheberechtsverletzung nicht aufbürden.
Als Urheber möchte ich auch den leichtfertigen Verletzer nicht einschüchtern sondern erreichen, dass er den Wert meiner Arbeit anerkennt. In fast allen Fällen reichte bisher eine freundliche Email, die mit einer Entschuldigung und einem Dank für die Info zur Rechtslage beantwortet wurde. In einem Fall wurde ich von einem - vermutlich nicht volljährigem - aufgefordert zu beweissen, dass die Grafik von meiner Seite sei. Dabei hatte er sie direkt von meiner Seite eingebunden. Da bin ich dann etwas heftiger geworden (ungefähr so wie mich vor allem die Funktionäre der SAZ kennen - SCNR) und die Seite war vom Netz.
Nur in zwei Fällen musste ich einen Anwalt bemühen (wohl dem Urheber, der in der Gewerkschaft ist - sonst ist Rechtsschutz für Urheberrechtsstreitigkeiten fast unbezahlbar): eine große Tageszeitung (erfolgreich: Vergleich auf meiner Position) und einem gar nicht mal so kleinem Internetportal. Hier hatte jemand meinen Text kopiert, leicht verändert, Fehler reingebaut, seinen Namen und Copyright-Zeichen druntergesetzt. Seit Einschaltung des Anwalts hat er zwar seinen Namen durch meinen ersetzt, weigert sich aber immernoch den Text von seiner Seite zu nehmen. Und die Mühlen des Gerichts mahlen langsam ...
Aber solche harten Fälle sind doch eher selten. Ich denke, für Urheber ist es generell wichtig, das Bewusstsein über die Urheberrechtslage zu verbessern und dafür zu sorgen, dass die Nutzer den Wert ihrer Leistung anerkennen anstatt die Leute einzuschüchtern. 'Raubkopierer sind Verbrecher'-Kampagnen sind da völlig kontraproduktiv, weil es da nur um Macht und Einschüchterung geht. Urheber werden dadurch in eine Ecke gedrückt, in der zumindest ich mich nicht sehen will.
Auf der anderen Seite ärgert mich die Haltung der (ganz bestimmt nicht: Gewerkschaft der Spieleautoren) SAZ, wenn sie es als normal ansieht, dass man Eigentumsrechte an seinem Werk ohne Gegenleistung an die Weltbank abtritt, so nachdem Motto: soll jeder selbst entscheiden, ob er das will; wir äußern uns nicht dazu. Eine Interessenvertretung sollte schon zumindest darauf achten, dass man in seinen Verträgen nicht zungunsten des Urhebers gegen das geltende Urheberrecht verstößt. Man muss den Mitgliedern ja nicht gleich die Teilnahme am Wettbewerb verbieten oder auch nur die Information darüer vorenthalten, aber eine distanzierende Stellungnahme wäre hier schon angebracht gewesen. Insbesondere wo mehr als die Hälfte der SAZ-Mitglieder noch nie ein Spiel veröffentlicht haben.
Eine echte Interessensvertretung der Spieleautoren würde solche Bedingungen zudem durch eine öffentliche Stellungnahme kritisieren und so das allgemeine Bewusstsein für das Urheberrecht schärfen. Aber wenn die SAZ dazu eine öffentliche Stellungnahme verfassen sollte, beginnt die garantiert mit: 'Wir begrüßen, dass die Weltbank ...'
Gruß, Günter