Ferdinand Köther schrieb:
>
> Hallo Günter,
>
> Junge junge, lang und länger ... alle Achtung.
>
> Aber nur ganz kurz:
>
> "Dass die Drähte einzeln durchgeschnitten werden müssen, ist
> die Spielregel. Welcher zuerst durchgeschnitten wird, bleibt
> dem Spieler überlassen."
>
> Eben nicht, es ei denn, die Regel=Anweisung sagt, daß der
> Spieler die Wahl hat.
Wenn nur drin steht, dass die Drähte einzeln, aber nacheinander durchgeschnitten werden müssen, dann hat der Spieler automatisch die Wahl der Reihenfolge (vorausgesetzt es ist kein Regelfehler).
Dass unterscheidet die Regel von einer Anweisung:
Der Spieler ist in seinen Entscheidungen frei, solange er die Regeln nicht verletzt. Er hat mehrere Handungsmöglichkeiten. Bei einer Anweisung hat er genau eine Handlungsmöglichkeit, nämlich die, die die Anweisung ihm vorschreibt.
Eine Spielanleitung, die nur aus Anweisungen besteht, ist nicht wirklich eine Spielanleitung, da das bloße Befolgen von Anweisungen nicht wirklich ein Spiel ist. Es fehlt die Möglichkeit des Spielers selbst über seine Handlungen zu entscheiden.
> Irgendwie verstehtst du es nicht, sorry, mein Lieber. Der
> Spieler entscheidet, WAS er macht, aber nicht, WIE er es
> macht,
Hm, der Spieler kann im Rahmen des Regelwerks nicht entscheiden, die Figuren von einer Insel zu einer anderen zu setzen. Und die Regel schreibt ihm auch nicht vor, mit welcher Hand er die Figuren überzusetzen hat.
Die Regel gibt Möglichkeiten vor:
Alle (in Frage kommenden) Figuren einer Farbe oder
1 Figur von jeder (in Frage kommenden) Figur überzusetzen
oder nichts von beiden zu tun.
Eine Anweisung Figuren überzusetzen, gibt es nur vor der Schlußwertung, aber auch da bleiben dem Spieler noch (wenn auch geringe) Wahlmöglichkeiten, das im Hinblick auf das von der Spielanleitung vorgegebene Spielziel taktisch geschickt zu tun.
> und genau deshalb ist und bleibt jede Regel eine
> Gebrauchsanweisung.
In einer ANWEISUNG würde genau stehen, welche Figur ich überzusetzen habe und welche nicht. Der Spielaufbau z.B. ist eine Folge von Anweisungen, die Auswertung bei Spielende ebenfalls.
> Zuerst den Nippel durch die Lasche ziehen (und nicht
> andersherum)
> [b]oder[/b]
> Einen Knopf an die Backe nähen und dann ein Klavier
> dranhängen (und nicht anders herum).
Für sich genommen ist jedes eine Anweisung.
Verbunden durch das [b]oder[/b] erfordert es aber eine Entscheidung. Es ist keine bloße Anweisung mehr sondern wird zu einer Regel.
Wer einer Anweisung folgt, entscheidet nicht.
> Genau so ist eine Spielregel aufgebaut und genau das ist eine
> Gebrauchsanweisung. Der Spieler hat die Wahl, was er tut,
> aber wie er es tut, ist genau geregelt. Auch eine
Wichtig ist, dass der Spieler mehrere Handlungsalternativen hat. Damit ist es keine Anweisung mehr.
Regeln müssen nur beachtet, Handlungsanweisungen aber genau befolgt werden. Eine Spielanleitung enthält sowohl Regeln als auch Anweisungen sowie ein Spielziel.
Auf dem Weg vom Start zum Ziel gibt es Mauern (=Regeln), die mich hindern und leiten, aber Entscheidungen von mir abverlangen, sowie Einbahnstraßen (=Anweisungen), die mir einen bestimmten Weg aufzwingen.
Gibt es nur noch Einbahnstraßen (Anweisungen), so handelt es sich nicht mehr um ein Spiel sondern um bloßen Sport.
> Gebrauchsanweisung kann mir die Wahl lassen, ob ich das Moped
> im gedrosselten Modus fahren will oder im normalen,
> gegebenenfalls sogar im Rennmodus. Es folgt (sollte zumindest
> folgen) eine genaue Beschreibung, was ich in Fall a, b, c zu
> tun habe.
Eine Gebrauchsanweisung wird dir vielleicht Beispiele dafür nennen, wann es sinnvoll ist, in welchem Modus zu fahren. Die Entscheidung darüber liegt aber ausserhalb der Gebrauchsanweisung, da die Gebrauchsanweisung dein persönliches Spielziel (Fahrstrecke, Vorlieben) nicht kennt.
Wenn in der Gebrauchsanweisung ein Reiseziel stünde, z.B. 'fahre mit dem Moped in beliebiger Reihenfolge nach Rostock, Hamburg und Buxtehude' sowie eine Siegpunktberechnung, die sich aus Spritverbrauch und der Reisedauer zusammensetzte, dann wäre es - zusammen mit der STVO und den Gesetzen der Physik - möglicherweise eine Spielanleitung (wobei das mehr eine Solitärrätselaufgabe wie z.B. rushhour wäre als ein 'richtiges' Spiel).
Wenn du das Moped willkürlich gedrosselt, normal oder im Rennmodus fährst, dann benutzt du es als Spielzeug (noch nicht als Spiel). Wenn du es von der Beschaffenheit der Fahrbahn abhängig machst, dann folgst du der Anweisung.
BTW: ein Kochrezept oder eine Bedienungsanleitung genießen keinen Urheberechtsschutz, Spielregeln schon.
> Ungedrosselte Grüße
> :-) Ferdi
gut geregelte Grüße,
:) Günter