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Regelfragen und Varianten: Wie geht Spiel XY?
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Günter Cornett

Re: Einfach mal pragmatisch sein

Beitragvon Günter Cornett » 4. Mai 2007, 00:44

Ferdinand Köther schrieb:
>
> Hallo Günter,
>
> Junge junge, lang und länger ... alle Achtung.
>
> Aber nur ganz kurz:
>
> "Dass die Drähte einzeln durchgeschnitten werden müssen, ist
> die Spielregel. Welcher zuerst durchgeschnitten wird, bleibt
> dem Spieler überlassen."
>
> Eben nicht, es ei denn, die Regel=Anweisung sagt, daß der
> Spieler die Wahl hat.

Wenn nur drin steht, dass die Drähte einzeln, aber nacheinander durchgeschnitten werden müssen, dann hat der Spieler automatisch die Wahl der Reihenfolge (vorausgesetzt es ist kein Regelfehler).

Dass unterscheidet die Regel von einer Anweisung:
Der Spieler ist in seinen Entscheidungen frei, solange er die Regeln nicht verletzt. Er hat mehrere Handungsmöglichkeiten. Bei einer Anweisung hat er genau eine Handlungsmöglichkeit, nämlich die, die die Anweisung ihm vorschreibt.

Eine Spielanleitung, die nur aus Anweisungen besteht, ist nicht wirklich eine Spielanleitung, da das bloße Befolgen von Anweisungen nicht wirklich ein Spiel ist. Es fehlt die Möglichkeit des Spielers selbst über seine Handlungen zu entscheiden.

> Irgendwie verstehtst du es nicht, sorry, mein Lieber. Der
> Spieler entscheidet, WAS er macht, aber nicht, WIE er es
> macht,

Hm, der Spieler kann im Rahmen des Regelwerks nicht entscheiden, die Figuren von einer Insel zu einer anderen zu setzen. Und die Regel schreibt ihm auch nicht vor, mit welcher Hand er die Figuren überzusetzen hat.

Die Regel gibt Möglichkeiten vor:
Alle (in Frage kommenden) Figuren einer Farbe oder
1 Figur von jeder (in Frage kommenden) Figur überzusetzen
oder nichts von beiden zu tun.

Eine Anweisung Figuren überzusetzen, gibt es nur vor der Schlußwertung, aber auch da bleiben dem Spieler noch (wenn auch geringe) Wahlmöglichkeiten, das im Hinblick auf das von der Spielanleitung vorgegebene Spielziel taktisch geschickt zu tun.

> und genau deshalb ist und bleibt jede Regel eine
> Gebrauchsanweisung.

In einer ANWEISUNG würde genau stehen, welche Figur ich überzusetzen habe und welche nicht. Der Spielaufbau z.B. ist eine Folge von Anweisungen, die Auswertung bei Spielende ebenfalls.

> Zuerst den Nippel durch die Lasche ziehen (und nicht
> andersherum)
> [b]oder[/b]
> Einen Knopf an die Backe nähen und dann ein Klavier
> dranhängen (und nicht anders herum).

Für sich genommen ist jedes eine Anweisung.
Verbunden durch das [b]oder[/b] erfordert es aber eine Entscheidung. Es ist keine bloße Anweisung mehr sondern wird zu einer Regel.

Wer einer Anweisung folgt, entscheidet nicht.

> Genau so ist eine Spielregel aufgebaut und genau das ist eine
> Gebrauchsanweisung. Der Spieler hat die Wahl, was er tut,
> aber wie er es tut, ist genau geregelt. Auch eine

Wichtig ist, dass der Spieler mehrere Handlungsalternativen hat. Damit ist es keine Anweisung mehr.

Regeln müssen nur beachtet, Handlungsanweisungen aber genau befolgt werden. Eine Spielanleitung enthält sowohl Regeln als auch Anweisungen sowie ein Spielziel.

Auf dem Weg vom Start zum Ziel gibt es Mauern (=Regeln), die mich hindern und leiten, aber Entscheidungen von mir abverlangen, sowie Einbahnstraßen (=Anweisungen), die mir einen bestimmten Weg aufzwingen.

Gibt es nur noch Einbahnstraßen (Anweisungen), so handelt es sich nicht mehr um ein Spiel sondern um bloßen Sport.

> Gebrauchsanweisung kann mir die Wahl lassen, ob ich das Moped
> im gedrosselten Modus fahren will oder im normalen,
> gegebenenfalls sogar im Rennmodus. Es folgt (sollte zumindest
> folgen) eine genaue Beschreibung, was ich in Fall a, b, c zu
> tun habe.

Eine Gebrauchsanweisung wird dir vielleicht Beispiele dafür nennen, wann es sinnvoll ist, in welchem Modus zu fahren. Die Entscheidung darüber liegt aber ausserhalb der Gebrauchsanweisung, da die Gebrauchsanweisung dein persönliches Spielziel (Fahrstrecke, Vorlieben) nicht kennt.

Wenn in der Gebrauchsanweisung ein Reiseziel stünde, z.B. 'fahre mit dem Moped in beliebiger Reihenfolge nach Rostock, Hamburg und Buxtehude' sowie eine Siegpunktberechnung, die sich aus Spritverbrauch und der Reisedauer zusammensetzte, dann wäre es - zusammen mit der STVO und den Gesetzen der Physik - möglicherweise eine Spielanleitung (wobei das mehr eine Solitärrätselaufgabe wie z.B. rushhour wäre als ein 'richtiges' Spiel).

Wenn du das Moped willkürlich gedrosselt, normal oder im Rennmodus fährst, dann benutzt du es als Spielzeug (noch nicht als Spiel). Wenn du es von der Beschaffenheit der Fahrbahn abhängig machst, dann folgst du der Anweisung.

BTW: ein Kochrezept oder eine Bedienungsanleitung genießen keinen Urheberechtsschutz, Spielregeln schon.

> Ungedrosselte Grüße
> :-) Ferdi


gut geregelte Grüße,
:) Günter

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Heinrich Tegethoff

Re: Einfach mal pragmatisch sein

Beitragvon Heinrich Tegethoff » 4. Mai 2007, 15:18

Ferdinand Köther schrieb:
> Zuerst den Nippel durch die Lasche ziehen (und nicht andersherum)
> [b]oder[/b]
> Einen Knopf an die Backe nähen und dann ein Klavier
> dranhängen (und nicht anders herum).

und schon haben wir wieder den Salat. Denn mathematisch ist ein "oder" ein "inklusive oder", was viele dann besser umständlich (und missverständlich) als "und/oder" ausdrücken.
Präzise müßte da nämlich [b]entweder[/b] ... [b]oder[/b] stehen ("exklusives oder")... - so darf ich also beides!?

Nein, darf ich nicht, weil die meisten Menschen ein einzelnes "oder" als exklusives "oder" verstehen. Aber es gibt genug, die sich fragen, wo denn ansonsten das "entweder" hin ist.

Servus,
Heinz (liest hier noch mit, und weis, wie häufig Regeln schlicht durch den Erklärbär "definiert" werden und nicht durch das Regelheft)

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Ferdinand Köther
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Re: Einfach mal pragmatisch sein

Beitragvon Ferdinand Köther » 4. Mai 2007, 16:48

Heinrich Tegethoff schrieb:
....
> > Zuerst den Nippel durch die Lasche ziehen (und nicht
> andersherum)
> > [b]oder[/b]
> > Einen Knopf an die Backe nähen und dann ein Klavier
> > dranhängen (und nicht anders herum).
>
> und schon haben wir wieder den Salat. Denn mathematisch ist
> ein "oder" ein "inklusive oder", was viele dann besser
> umständlich (und missverständlich) als "und/oder" ausdrücken.
> Präzise müßte da nämlich [b]entweder[/b] ... [b]oder[/b]
> stehen ("exklusives oder")... - so darf ich also beides!?

Hallo Heinz,

natürlich steht über obiger Nippelanweisung der Satz:
"Der aktive Spieler kann in seinem Zug entweder ..., hatte ich der Einfachheit halber weggelassen ;-)

Ausgelassene Grüße
Ferdi

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Ferdinand Köther
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Re: Einfach mal pragmatisch sein

Beitragvon Ferdinand Köther » 4. Mai 2007, 17:06

Mann, du bist ja echt unermüdlich, lieber Günter!

Wie war das gleich - zwei Köpfe, drei Meinungen, oder so ;-)

Ich glaube aber, einen gemeinsamen Nenner haben wir:

Wir geben beide unser Bestes, um gute, verständliche und "richtige" (mußte jetzt sein :cool:) Regeln zu schreiben, und das ist doch sehr wichtig, oder?

Schönes Wochenende
:-) Ferdi

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Günter Cornett

Re: Einfach mal pragmatisch sein

Beitragvon Günter Cornett » 4. Mai 2007, 17:24

Ferdinand Köther schrieb:
>
> Mann, du bist ja echt unermüdlich, lieber Günter!
>
> Wie war das gleich - zwei Köpfe, drei Meinungen, oder so ;-)
>
> Ich glaube aber, einen gemeinsamen Nenner haben wir:
>
> Wir geben beide unser Bestes, um gute, verständliche und
> "richtige" (mußte jetzt sein :cool:) Regeln zu schreiben,

Nö, mein Bestes gebe ich dafür nicht. :-/
Denn leider schreibe ich die Regeln immer erst kurz vor der Veröffentlichung, so dass ich froh bin, überhaupt Regeln zu haben, die so einigermaßen verständlich sind.

> und das ist doch sehr wichtig, oder?

Ja, das ist verdammt richtig. Trotzdem kriege ich es nicht so geregelt, wie ich es gern hätte und es wünschenswert wäre. :wink:

Ich glaube theoretisch habe ich es besser drauf als du,
nur praktisch ist's wohl umgekehrt. :grin:

> Schönes Wochenende
> :-) Ferdi

Jo, das werde ich haben, beim Spielmarkt in Potsdam mit dem Packeis am Pol - Großspiel: http://www.bambusspiele.de/spiele/packeis/grossspiel.htm

Von wegen PC-Spiel versus Brettspiel - Wiese ist angesagt!

Gruß, Günter

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Ferdinand Köther
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Re: Einfach mal pragmatisch sein

Beitragvon Ferdinand Köther » 4. Mai 2007, 17:28

Günter Cornett schrieb:
...
>
> Ich glaube theoretisch habe ich es besser drauf als du,
> nur praktisch ist's wohl umgekehrt. :grin:

Jojo - wenn du "praktische" Hilfe brauchst, kein Problem, melde dich. Gerne!
Aber bitte nicht erst zwei Wochen vor Essen ...

Tschüß
Ferdi


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