Beitragvon Christian Hildenbrand » 11. Oktober 2007, 17:28
Hallo,
das mag ich von unserer Seite einfach mal unterstreichen. Als Redakteur sehe ich selbst, wie oft sich noch was ändert, bis dann endlich das fertige Spiel in Essen auf dem Tisch liegt oder im Regal steht. Warum sollte ich es mir also antun, schon Monate (!) vorher eine Vorschau meiner Neuheiten zu machen? Um dann am Ende alles noch mal umschreiben zu lassen? Ich habe in diesem Jahr gezielt gewartet bis knapp 2 Wochen vor der Messe und hab mich dann hingesetzt, um ein paar Sachen für die Messevorschau der Spielbox fertig zu machen. Denn dann habe ich endgültige Grafiken, gescheite 3D-Schachteln, damit es auch nach was aussieht, und ich weiß auch sicher, dass die Spiele kommen.
Als Spieler finde ich es schlicht langweilig, vorher alles zu wissen. Essen hat für mich sehr viel Reiz verloren durch die Unmengen an Informationen, die vielen Spielregeln, die schon im Vorfeld festgefahrenen Meinungen mancher Forumsschreiber, die - obwohl das Spiel noch nicht mal angespielt - bereits fixe Ranglisten haben, die wie vor einer anstehenden Hungersnot wie blöd auf die Lebensmittelregale zurennen, um möglichst viel zu erwischen.
Was wäre denn wirklich so schlimm, wenn nicht im Vorfeld klar wäre, was denn da alles kommt? Wenn nur die Titel, die Autoren dazu, die groben technischen Daten veröffentlicht würden in einer einfachen Tabelle von 5-6 Seiten? Braucht es einen 80-Seiten-Ausdruck mit allen Grafiken vom Prototyp bis zum endgültigen Spiel, mit den Spielregeln, mit den ersten Rezensionen von Testspielern?
Da rennen dann am Donnerstag jede Menge Leute durch die Gegend mit Scheuklappen auf dem Kopf, um Stand für Stand abzuklappern, nur mit dem gezückten Geldbeutel vorbeirennend und sich die Spiele in die Taschen stopfen lassen. Nach der Messe sind es dann gerade die, die dann schnellstmöglich in den Kleinanzeigen versuchen, die Sachen wieder loszuwerden, weil sie merken, dass ein kurzes Erklären lassen am Stand vielleicht sinnvoll gewesen wäre.
Klar, ich ärgere mich auch schon mal, wenn ich ein Spiel nicht bekomme. Aber wenn es wirklich gut ist, dann kann ich doch auch davon ausgehen, dass es irgendwann noch mal kommt in einer 2. Auflage. Und mal ehrlich: wie viele Spiele gibt es, die dieses in diesem Jahr betrifft? Ich hab Winsome vorbestellt, die Karten könnte ich mir aber auch einfach kopieren, dann hab ich sie auch. Und sonst glaube ich nicht, dass es noch malmehr als 5-10 Spiele gibt, die Freitagmittag nicht mehr zu bekommen wären.
So ein bisschen frage ich mich auch, wie das am Stand ist für die Aussteller, die nur als "Geld nehmen - Spiel geben" funktionieren, anstatt das Spiel auch wirklich mit der normalerweise in ihnen schlummernden Begeisterung erklären zu dürfen und das Spielen am Stand miterleben. Vielleicht täusche ich mich aber auch und es geht nur darum, über "limitierte Auflagen von NUR 1.000 Spielen" möglichst schnell viel Geld zu machen, der Sammler kauft doch eh alles, was ihm in die Finger kommt, völlig egal, was drin steckt.
Ich kann jedenfalls Bernd Brunnhofers Aussage voll unterstreichen.
Mit spielerischen - aber auch ohne Essen-Vorfreude versehenen - Grüßen,
Christian
Redaktion HUCH & friends