Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 20. April 2008, 09:30
Ergänzend möchte ich noch hinzufügen, dass in der antiken Mythologie die Geburt eines - meist göttlichen - Wesens aus dem Kopf eines anderen in Zusamemnhang mit der besonderen Weisheit des aus dem Kopf Geborenen verwendet wird: Der Geborene ist frei von all den ablenkenden, eventuell auch als sündhaft empfundenen Teilen des Leibes entstanden.
Pallas Athene, die Göttin der Wissenschaft und Weisheit, wurde aus Zeus' Kopf geboren.
peer schrieb:
> Naja, es sollte wohl heißen, dass er
> [...] daran richtig gearbeitet hat,
> anstelle zu warten, bis ihn die Muse küßt.
> Und sowas ist in Künstlerkreisen wohl verpönt ;-)
Wenn das Wort "Kopfgeburt" heute eher abwertend gebraucht wird, dann soll damit vermutlich darauf hingewiesen werden, dass das entsprechende Werk zwar mit sehr viel Mühe entstand (was für sich allein noch nichts besonderes ist, den anstrengen muss man sich immer, wenn man etwas neues erschaffen will), dass aber außer der Mühe nichts in das Werk eingeflossen ist. Dass also andere Dinge wie Genialität, Originalität oder auch nur Unterhaltungswert, die man als Leser/Spieler/Betrachter sonst noch zu finden hoffen mag, dort eben nicht zu finden sind.
Ich denke nicht, dass dabei daran gedacht ist, einem Autor oder Künstler vorzuwerfen, dass er an seiner Schöpfung angestrengt gearbeitet hat, sondern eher, dass diese Arbeit vergeblich war.
Mit einem lieben Gruß
Gustav