Beitragvon Duchamp » 15. März 2010, 19:42
Christian Klein sind m.E. allerdings ein paar fragwürdige Ausrutscher passiert, wenn auch teilweise andere, als du sie ansprichst.
1. "Nüchtern betrachtet", so resümiert er, seien die Objekte jeglicher Heldenverehrung "lediglich Menschen, die eine bestimmte Situation nur durch ein persönliches Opfer bereinigen konnten. In anderen Worten Leute, denen der Grips für eine elgantere Lösung fehlte."
Nun ja, angesichts eines verzweifelten Volksaufstandes vielleicht doch ein bisschen am Rande des Zynismus. Es würde mich interessieren, ob Herr Klein eine Besprechung des Spiels um die Pfadfinder-Postboten der Warschauer Widerstandsbewegung 1944, "Mali Powstańcy", auch so beginnen würde.
2. Die Sache mit dem "intimen Kenner der spanischen Geschichte" ist einfach nur peinlich. herr Klein tut sozusagen so, als sei er selber einer (sonst könnte er kaum darüber schreiben, was einem als solchem geläufig sein könnte und was nicht) - aber wer den 2.Mai 1808 noch nicht gehört hat, hat sich mit Spaniens Geschichte sicherlich noch überhaupt nicht weiter befasst.
3. "Auch wenn es weitere Aufstände im Land gab, wäre dies allenfalls eine Randnotiz in der europäischen Geschichte wert, führte es nicht ..." ja, jetzt wird es spannend, wozu führte es denn, damit es mehr als einer Randnotiz würdig werde? "... zu einem Spiel, das ein paar interessante Ideen aufweist."
Haben die eigentlich keine Redaktion für die Spielbox, die über die Artikel mal drüberliest?
4. "Zwar ist dieser Tag laut Autor die Geburt des modernen Spaniens ..."
Am Ende der historischen Anmerkung heißt es, ein Bürgermeister habe sich entschlossen, Abgesandte in alle Richtungen loszuschicken, "... with a true declaration of War against France. The War of Independence, and with it the tragic birth of modern Spain, had started."
Ist irgendwie nicht wirklich dasselbe, Herr Klein. Hier "beginnt" etwas tragisch mit einem 7-jährigen Krieg, dort soll der Tag selbst schon die Geburt sein, was dem Autor aufs Butterbrot geschmiert wird.
Ich sage mal so: Eine kurze Notiz über den hierzulande etwas ungewöhnlich klingenden Stil hätte gereicht. Dass in anderen Ländern mit historischen Kämpfen und Schlachten anders umgegangen wird, weiß man ja schon länger (aller-allerspätestens seit "Conflict of Heroes: Awakening the Bear 1941 - 1942"), und dass ein Volksaufstand wie der von Madrid noch heute große Emotionen auslöst, ist schließlich auch in Ordnung.
Ich finde es einfach schade, dass die ansonsten positive Rezension in Überschrift ("Ein spanisches Heldenepos"), Zwischentitel ("Hohles Pathos in Regel und Karten") und im Text sich immer wieder derart auf diesen Umstand kapriziert, zumal das Spiel ja eben NICHT episch daherkommt und auch von "hohl" kann nicht unbedingt die Rede sein.
Ich zumindest halte es für ausgesprochen nachahmenswert, wenn ein Kleinverlag ausführlichen historichen Background zu fast jeder der Karten abliefert. Und vom "schwülstigen und selbstmitleidigen Ton im historischen Teil" kann ich auch nicht so viel finden.
Oberflächliche Polemiken möchte ich jedenfalls woanders lesen, wenn überhaupt. Nicht in der spielbox.