Beitragvon Gerald Rüscher » 14. März 2000, 13:31
Eine Bemerkung vorneweg: Zum Lernen der 18xx Spiele ist
1835 nicht unbedingt das beste Beispiel.
1830 ist etwas klarer und die Regeln sind besser strukturiert.
Ralf schreibt:
> seit jahren besitze ich nun schon ein exemplar von "1835"
> (HiG). habe zwar schon mal die regel durchgearbeitet und
> probepartien fuer mich gespielt, aber es gibt einfach so
> viele details, die man beachten muss, dass ich die erste
> partie mit genauso unwissenden bis jetzt immer wieder
> verschoben habe!
> [...]
> wie geht ihr also solche regelmonster an?
> irgendwelche tipps?
Bei dieser Komplexitätsstufe muss man wirklich etwas
arbeiten.
Als bei uns damals 18xx auf den Tisch kam, haben wir zu zweit und unabhängig voneinander die Regel durch- gearbeitet und dann eine vereinfachte Übersicht des Spiel- ablaufs erstellt, die wir dann 6x fotokopiert haben.
So ähnlich bist Du ja auch vorgegangen.
In
der ersten Spielrunde wurden dann die Basics erklärt
(Aktienrunde vs. Operationsrunde) und dann einfach per Sprung in's kalte Wasser gespielt.
Anders geht es IMHO nicht.
Mann muss mindestens eine ganze Partie spielen und dabei alle Fehler machen, die man halt so macht.
Nach der ersten Partie haben wir dann - wieder zu zweit
und wieder unabhängig voneinander - die Regeln nochmal durchgekämmt, die Fehler rausgeschrieben und beim nächsten Spiel vorher aufgelistet.
Ganz ganz wichtig ist auch, dass man in den ersten 1-2 Proberunden nicht ums Gewinnen spielt, sondern nur um zu lernen.
Das bedeutet, dass die erfahreneren Spieler viele Tipps geben müssen oder dass man auch mal bewusst einen dummen Zug macht, um gewisse Schweinereien zu demonstrieren (bei 18xx ist das enorm wichtig, besonders was das Thema Zwangskäufe von Zügen angeht)
Generell geht sowas natürlich nur mit sehr erfahrenen Viel- spielern, aber andere Leute legen sowas ja erst gar nicht auf den Tisch.
Aber ich will Dir auf jeden Fall Mut machen: Bleib am Ball und Du wirst fürstlich belohnt :-)
Für mich und einige meiner Vielspieler-Kollegen gehören die 18xx Spiele zu dem Besten was der Spielemarkt zu bieten hat. Die Kombination aus Aktienhandel und Zugstreckenbau ist ungeschlagen und die Spannung die regelmässig aufkommt,
wenn der Schacher um die besten Züge beginnt ist enorm!
Noch einige Tipps speziell für 18xx:
- Für eine Einführungsrunde empfiehlt es sich, Privatbahnen
nicht nach dem etwas wirren Versteigerungssystem unter
die Leute zu bringen, sondern einfach zuzulosen und zum
Fixpreis zu verkaufen.
Das ist etwas zwar ungerecht aber
lässt diesen recht verwirrenden aber für den normalen
Spielablauf nebensächlichen Punkt aussen vor. (Ich
habe allerdings lange kein 1835 mehr gespielt und weiss
gar nicht mehr, ob da überhaupt Privatbahnen vorkommen)
- Einige 18xx-Varianten empfehlen, zur Übung ein paar Mal
nur Operationsrunden zu spielen, d.h. man nimmt sich
3-5 Gesellschaften, setzt sie auf ihre Startbahnhöfe
und übt nur den Zyklus "Strecke bauen, Bahnhof setzen,
Gewinn einfahren"
Das geht auch mit 1835
- Bei 1835 empfiehlt es sich, den Punkt "Formierung der
Preußischen Staatsbahn" beim Erklären erst mal ganz
aussen vor zu lassen.
Es reicht zu sagen, dass irgend-
wann im Spiel alle Vorpreußischen Bahnen zu einer
Megagesellschaft fusioniert werden.
Wenn's dann so
weit ist, kann man das dann schrittweise durchspielen.
> ps: ist "advanced squad leader" wirklich DAS monster?
Ja. ~130 Seiten Regeln.
ASL ist eines der wenigen Brett- spiele, bei denen die Regeln einzeln verkauft werden. Knapp dahinter würde ich Star Fleet Battles (SFB) einordnen, das ist eine Gefechtssimulation im Star Trek Universum und auch nicht von schlechten Eltern.
Gruß und hoffentlich viel Spaß mit 18xx!
Jerry