Beitragvon Hartmut » 3. November 2000, 11:58
Hallo Spieler!
Auch international präsentierten sich einige Kleinstverleger ihrer eigenen Ideen. War es früher ein Walter Müller oder ein Alan Moon (White Wind war auch ein deutsches Label), so kommen die heutigen wahren Idealisten von weiterher - Gottseidank, sie kommen! Das Publikumsinteresse scheint hier eher verhalten gewesen zu sein. Liegt es an der möglichen Sprachbarriere? Ziehen nur Spiele mit blauen Dreiecken die Masse an? Alle Anbieter hatten ihr Spiel für den Marktplatz Essen auch mit deutschen Regeln vorbereitet, also das kann es nun wirklich nicht gewesen sein.
Was mich betrifft sind es jedenfalls genau DIESE Anbieter, die auch eine längere Anfahrt nach Essen für jeden Spiele-Interessierten wirklich lohnenswert machen. Wer nach Essen kommt und danach nicht schaut, ist wirklich selbst schuld.
D'RAF von Splotter Spelen, Holland. Mit ROADS & BOATS und BUS in der Spieleszene mittlerweile bekannt. Autos machen ein Wettrennen. Die Spieler legen kleine Plättchen als Strecke vor sich ab. Darauf sind schon mal manche Hindernisse. Jeder bestimmt mit einer von 9 Kärtchen (jeder hat einen Satz) seine Geschwindigkeit. Der schnellste fährt zuletzt, muß also die Strecke nehmen, wie die anderen sie hinterlassen haben. Bleibt man irgendwo hängen, gibt es Schäden - man muß entsprechend von seinen Zugkärtchen abgeben und beschränkt sich in seinen Möglichkeiten bei den folgenden Zügen. Wer zuerst über die Tischkante fährt (1m == ca. 30 Minuten), gewinnt das Spiel.
LUNATIX LOOP von Matt Leacock ist ein rein amerikanisches Spiel, das sich allerdings mit dem unverwüstlichen Trabbi im Cartoon-Stil ziert. Dahinter steckt ein familientaugliches Rennspiel, das mit Ölflecken, Reißnägeln und anderen Nettigkeiten für die immer beliebte Schadenfreude sorgt.
Am gleichen Stand legten Richard Heli und Philip Vogt mit BALMY BALLOONISTS einen ebenso fröhlichen Ballon-Wettflug um die Erde vor. Ein wenig erinnerte es an BALLONRENNEN und DER FLIEGENDER TEPPICH, hat sich doch aber davon unabhängig als eigenes Spiel entwickelt. Berge und Überflugverbote (z.B. Area 51) sind zu beachten, ebenso kann man sich gegenseitig im Fortkommen mit verschiedenen Mitteln behindern. Ich habe es noch nicht gespielt, wohl aber mit gutem Gefühl gekauft.
Richard und seine Freunde hatten das Material für jeweils 200 Spiele in 6 (!) großen Reisekoffern mitgebracht, die Kartons haben sie sich direkt in Essen anliefern lassen. Ich habe nur eine vage Vorstellung davon, was die Jungs so am Abend im Hotelzimmer gemacht haben... Hoffentlich ist ihr Idealismus mit einem hinreichenden Zuschuß für den Europa-Trip belohnt worden.
Aus Südafrika kam das Spiel BOUNTY in Halle 9. Auffallend die farbenfrohe und liebevolle Ausstattung. Hier wurde für 50 DM einiges geboten. Von einem Hafen fahren alle mit ihren Schiffen los, genauer, sie würfeln sich über den Plan. Je nach Entfernung vom Heimathafen gibt es unterwegs mehr oder weniger wertvolle Handelswaren einzukaufen - im Heimathafen sind sie dann ein Vielfaches wert. Unter den Waren sind aber auch Karten für Piraten- und Kriegsschiffe zu finden. War die zuletzt eingekaufte Karte keine Handelsware, so nimmt das Schiff nun die entsprechende Rolle an, was aber solange nicht zutage tritt, bis der Spieler davon Gebrauch macht (die Ladung wird verdeckt gebunkert). Ein Pirat bringt ein gegnerisches Handelsschiff auf (raubt die Ladung), ein Kriegsschiff tut es mit den Piraten gleich, kann selbst aber nicht handeln. Solange man die Rolle nicht nutzt, kann man auch wieder Ladung kaufen. Ist dies nun wieder Ware, ist man eben wieder Handelsschiff. Ein einmal zum Pirat oder Kriegsschiff geoutetes Schiff wird erst durch Einfahrt in den Heimathafen (die Piraten haben eine eigene Insel!) wieder frei für neue Aufgaben, d.h. eine neue Fahrt als Handelsschiff ist möglich. Ich habe mir BOUNTY nicht gekauft, weil mich die Würfelei als Motor etwas störte. Daß das Spiel natürlich mehr vom Bluff bestimmt wird, wer wem wann wie trauen kann oder nicht, und manche Jagd oder Blockade auftreten wird, dürfte es aber allemal reizvoll machen. Vielleicht habe ich hier doch wirklich was verpaßt...
Nach Keydom/Morgenland war natürlich ein Besuch von R&D und das neue Spiel KEYTOWN von Richard Breese angesagt. Auch hier werden wieder begrenzt vorhandene Plättchen um der Mehrheit willen auf einen Plan gesetzt, dann ist es aber mit der Parallelen zu MORGENLAND vorbei. Das Spiel dürfte um einiges taktischer zu spielen sein. Mehr Details spare ich mir mangels eigener Erfahrungen bis jetzt, es dürfte auch noch einiges darüber in der Presse und im Internet erscheinen. Schade, daß der Karton äußerst labberig ist und schon den Transport nach Hause nicht schadlos überstanden hat.
Eine rein deutsche Produktion - FLICKWERK von Friedemann Friese - konnte ich mir schon wegen der beruflichen Nähe zur Computerei nicht entgehen lassen. Klein, schnell erklärt, preiswert, spielenswert und für jeden "Netzwerker" ein Muß! Wege legen wie bei IRRGENDWIE (Pyramo), Wett-Tüfteln wie bei Jean Du Poels TANGRAM-DUELL (dessen grundsätzliche Spielidee in PYTHAGO geklont wurde - wer denkt da an das böse Wort mit "P..."?). Das richtige Spiel für die Pause zwischendurch.
Hartmut
- Spielekreis Hiespielchen -