Beitragvon Roman » 4. November 2000, 12:00
Hi Matthias,
>Aber es ist halt wie beim Kochen: Zunächst sollte das Grundrezept streng
nach Kochbuch beherrscht werden, bevor variiert wird, sonst schmeckt's
nicht. Beim Spielen sollte IMO die Grundregel kanonartig präsent sein, bevor
an irgendwelchen house rules herumgefrickelt wird, sonst entgeht einem
womöglich das tatsächliche Potential eines Spiels<
Sehe ich genauso, wie soll ich meine eigenen Regeln oder Regelauslegungen basteln, wenn ich den Mechanismus eines Spiels noch nichtmal verinnerlicht hab? Nachher versaubeutel ich damit ein eigentlich gutes Spiel - manchmal reicht das drehen an Kleinigkeiten schon, um eine Spielbalance aus dem Gleichgewicht zu bringen...
>oder nervenzehrende
Endlosdiskussionen sind die Folge: ("In der Siedler-Regel steht aber
nirgends, dass ich meine Straßen nicht durch fremde Siedlungen
hindurchführen darf"- "Aber eine fremde Siedlung unterbricht die längste
Handelsstraße, damit ist dieses Verbot implizit formuliert" "Bla, Bla, Blub,
nerv, gähn usw."<
Genau sowas will ich auch gerne vermeiden, zumal wir so oft in wechselnden Besetzungen spielen, dass die Diskussionen quasi jedesmal neu aufkämen :( Apropos Siedler: stimmt, wie verfährt man eigentlich bei Deinem Beispiel? Ich glaube, wir haben intuitiv immer durch fremde Siedlungen gebaut - wenn man auch fremde Siedlungen durch Straßen bauen darf ;-)
>Aufgrund dessen habe ich einen kleinen Tick entwickelt: Bei
neuen Brettspielen frage ich: Wo gibt's die FAQ? (vergleichbare Frage bei
frisch ausgepackten Computerspielen: Kann ich's patchen?),<
Meistens kaufe ich mir die Spiele immer relativ neu, da wird dann erstmal gespielt, und dann frage ich hier halt mal nach :) FAQ's gibt's ja meist nur bei älteren Spielen mit abgrundtiefer Regel oder wirklich komplexen Spielen.
>noch bevor die Spiel-Komponenten in unzählige Zip-Tüten (ein weiterer Tick von
mir)verpackt werden.<
Den Tick hab' ich bei den meisten Spielen (mit mehr als 3,5 Figuren/Countern pro Farbe) auch. Verkürzt aber die Aufbauzeit eines Spiels enorm, und beim Abbauen isses fast egal, ob nun jeder seine Farbe wieder einsortiert oder wirr in die Schachtel wirft. Während die Kramerei von vier bis fünft Händen in einer kleinen Spielschachtel nach den eigenen Farben immer im zeitfressenden Chaos endet :)
>Stichwort Vinci: Hier von "Kleinigkeiten" zu reden, halte ich für etwas
untertrieben; ich halte Vinci in der ersten Regelfassung für schlechterdings
nicht spielbar.<
Wir haben nach den ersten Regelstudien eigentlich auch mehr diskutiert als gespielt ("Darf ich nun vom Berg übern See mit Bonus dahinein?" - "Nein, das ist doch unlogisch, den Bonus über See mitnehmen zu dürfen" - "Steht aber nix Gegenteiliges in der Regel" etc.)
Ciao,
Roman
Eine Spielregel, so sie eine gewisse Komplexität hat, kann jedoch so
sorgfältig formuliert sein wie sie nur will: Es werden immer Sonderfälle
auftreten, die so nicht absehbar waren, und die der nachträglichen Klärung
bedürfen. Und dafür gibt's ja unter anderem dieses Forum (Hoch die Tassen
darauf!)
Matthias