Beitragvon Roman » 7. November 2000, 23:21
Hi Gustav,
[Prolog von Dir wg. übereinstimmender Meinung gestrichen]
>Ich stimme nicht mit dir überein, dass alles, was manipuliert wird, ein
Ordnungssystem aufweisen muss.<
Natürlich hast Du Recht, Gustav. Ich habe meine Formulierung sehr unüberlegt gewählt. Ich wollte darauf hinaus, dass bei so vielen offensichtlich geordneten Zahlen eine Multiplikation mit einem Faktor oder eine durch den Wertungsmechanismus bedingte Ordnung naheliegt, da die offensichtlich geordneten Zahlenkombination viel seltener sind als welche, in denen man ad hoc kein Muster erkennt.
>Sicherlich ist ein Umfrageergebnis so
fälschbar, dass die genannten Spiele in der gewünschten Reihenfolge
auftauchen und die veröffentlichten Stimmenzahlen kein erkennbares System
haben.<
Klar, kein Thema, man müßte im vorliegenden Beispiel einfach nur willkürlich Werte zwischen 0 und 11 bei jeder Zahl addieren oder subtrahieren, und die Reihenfolge wäre weiterhin unberührt - und keiner würde ein System erkennen.
>Ich stimme ebenfalls nicht mit denen überein, die glauben, dass alles, was
ein Ordnungssystem aufweist, nur durch Manipulation entstanden sein kann.<
Nicht alles - aber das meiste davon dürfte, s.o., durch den Wertungsmechanismus bedingt sein - oder eben einfache Manipulation durch einen Faktor.
>Ich vertrete hingegen entschieden die Einstellung, dass man öffentliche
Vorwürfe nur auf Grund von Beweisen erheben soll.<
Ich vertrete im vorliegenden Fall die Einstellung, dass aufgrund der apparenten Systematik der Zahlen gemutmaßt werden darf, dass da irgendwo ein fester Faktor hineingeraten ist (ich würde nur nicht gleich laut "schwere Vorwürfe" geltend machen, selbst wenn es sich im Endeffekt als richtig herausstellen *könnte*)
Nun interessiere ich mich dafür, ob da die Zahlen "gepuscht" wurden, oder ob ein mathematisches System in der Auswertung dahintersteht (nur, da frage ich mich, welches).
Der Merz-Verlag spricht auf seiner Homepage davon, dass die Zahlen, die aus Erhebungen von Spielehändlern, Spieletestern und Umfrageergebnissen unter den Abonennten der Pöppel-Revue zustande kommen, "mathematisch korreliert" werden und alleine aufgrund der Vielzahl der Beteiligten "Manipulation ausgeschlossen sei".
Und das, ehrlich gesagt, finde ich schlichtweg sehr "Wischi-Waschi". Was ist mathematisch korreliert? Der DSP präsentiert sich als Umfrageergebnis - wo ist die mathematische Korrelation, und wieso endet diese in angeblich absoluten Stimmzahlen mit dem gemeinsamen Teiler 12? Und die Sache, dass "Manipulation ausgeschlossen sei" ist auch Unfug, irgendeiner wertet das aus, und spätestens der oder die können nach Gutdünken mit den Zahlen rumspielen.
Und das mystische "mathematisch korreliert" trägt da nicht gerade zur Transparenz bei.
Und vor allem, wenn's so einfach ist, warum meldet sich niemand mal zu Wort und klärt den Mechanismus auf? Einer angeblichen Umfrage gegenüber, die noch nicht einmal den Wertungsmechanismus offenlegt, kann man doch wohl nicht vorbehaltlos trauen. Wieso sollte man in einer Umfrage eine Stimme abgeben, wenn man nicht weiss, ob diese verzwölffacht oder mathematisch wegkorreliert wird?
Der Merz-Verlag täte gut daran, da einfach mal ein klärendes Wort zu verlieren - alles andere endet zwangsläufig in einem Imageschaden. S.o., ich würde niemals an einer Umfrage teilnehmen, wo ich noch nichtmal weiss, wie mit meiner Stimme verfahren wird.
>Nichts spricht dagegen, anhand der vorliegenden Zahlen die Vermutung zu
hegen, hier könne manipuliert worden sein. Viel spricht aber dagegen, sofort
mit "schweren Vorwürfen" an die Öffentlichkeit zu treten.<
Sicherlich hätte man den Erstauftritt dieser Erkenntnis über die Stimmzahlen durchaus etwas zurückhaltender formulieren dürfen.
Was ich für mich jedenfalls aus der bisherigen Diskussion heraus sagen kann: wenn sich nicht irgendwann aufklärt, wie der Merz-Verlag den DSP auswertet, werde ich auf keinen Fall ein Abonnent der Pöppel-Revue bzw. Mitstimmer beim DSP - und ich denke, andere auch nicht. Sprich: der Imageschaden dürfte dasein, da dieses Forum ja nun mittlerweile schon einige Bedeutung in der Spieleszene hat. Hier liesen ja mittlerweile ziemlich viele mit: vom Hobbyspieler über Autoren, Spieljournalisten zu Verlegern.
Dennoch scheinen die Macher von DSP (und auch SdJ) manchmal wenig Lust zu verspüren, sich zu äussern - was ich beim manchmal zu harrschen Ton hier zwar verstehen kann, andererseits aber zur Aufklärung besser wäre. Und das Internet als öffentliches Forum sollte nun keiner mehr als Kinderspielzeug oder Freakshow abtun, das man nicht ernstnehmen muss.
>Liebe Grüße
Gustav der Bär<
Hoffe, meine Position etwas klarer umrissen zu haben,
Ciao,
Roman