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Frau und Spiel

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Kirsten Becker

Frau und Spiel

Beitragvon Kirsten Becker » 18. November 2000, 12:37

Liebe SpielerInnen,
aus journalistischem Interesse recherchiere ich gerade zum Thema
"Frau und Spiel(en)". Ich möchte um Meinungen, Urteile, Vorurteile,
Erfahrungen, Vorlieben und alles an Stellungnahmen bitten, was ihr
zum Thema für erwähnenswert haltet.
Auch Diskussionen fände ich spannend.
Ich habe ein paar Fragen als Orientierungshilfe und Denkanreiz
aufgelistet. Vielleicht gehen Euch aber auch ganz andere Sachen
zum Thema durch den Kopf.
Spielen aus Frauensicht
- Was sind Eure persönlichen Lieblingsspiele?
- Gibt es Frauen-Lieblingsspiele?
- Was bedeutet Euch Spiel und Spielen?
- Welche Gefühle und Erlebnisse vermitteln Euch Spiel und Spielen?
- Welche Fähigkeiten sind Eurer Meinung nach wichtig für das Spielen?
- Gibt es typisch weibliche/männliche Spielverhalten / Spieltypen?
- Gibt es Spiele, die Frauen "grundsätzlich" (fast immer) besser / schlechter spielen?
- Gibt es Spiele, die Männer "grundsätzlich" (fast immer) besser / schlechter spielen?
- Fördert / überwindet / bestätigt Spielen Geschlechterrollen - Verhalten?
- Was bedeutet Euch gewinnen / verlieren im Spiel?
- Was hat das Spiel für Euch mit dem "richtigen Leben" zu tun?
- Geben Euch Spiele Erfahrungen, die euch im "richtigen Leben" nützen?
- Wie findet ihr aus Frauensicht die Auswahl "Spiel des Jahres"?
Etc.etc.etc.
Außerdem bin ich sehr an Veröffentlichungen zum Thema "Frau und Spiel" und auch "Spieleautorinnen" interessiert. Wer weiß was und kann mir Hinweise geben?
Auf los geht's los! Ich bin gespannt!
Kirsten Becker

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Volker Tietze

re: Frau und Spiel

Beitragvon Volker Tietze » 18. November 2000, 19:46

Zum Thema Spieleautorinnen könntest Du 'mal Andrea Meyer bzw "BeWitched Spiele" kontaktieren (siehe "linke seite").
Volker

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Stefanie

re: Frau und Spiel

Beitragvon Stefanie » 19. November 2000, 13:06

Mir bekannte Spieleautorinnen sind z.B.
Edith Schlichting
Edith Grein-Boettcher
Anja Wrede
Stefanie Rohner (mit Christian Wolf)
Maureen Hiron
Doris Matthäus (mit Frank Nestel)
... es gibt aber sicher noch mehr, die mir momentan
nicht einfallen.
Die von den genannten Autorinnen entwickelten Spiele
finden sich (groesstenteils) in Luding (s. Link);
tendenziell scheinen Autorinnen eher Kinderspiele zu entwickeln (gilt natuerlich nicht fuer alle!)
Cheers,
Stefanie

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Silvia Gabriel

re: Frau und Spiel

Beitragvon Silvia Gabriel » 19. November 2000, 14:14

Da es ungefähr 2 Stunden dauern würde, alle Deine Fragen zu beantworten, hier nur eine Bemerkung zum Thema Frauenanteil beim Spielen:
Bei unserem 1. Besuch in Essen (1993) haben wir festgestellt, daß sich Frauen dort ziemlich in der Minderheit befanden. Um ein Gegengewicht zu setzen, haben wir uns entschlossen, mit einer Frauenmannschaft (dieses Wort ist schon ein Widerspruch in sich) an der Qualifikation zur Deutschen Brettspielmeisterschaft teilzunehmen, und als 3. haben wir die Endrunde auch nur knapp verpaßt. Nach weiteren nicht so erfolgreichen Teilnahmen treffen wir uns jetzt nur noch privat, wo wir "zum Spaß" spielen.
Ich habe aber den Eindruck, daß sich im Laufe der Jahre das Geschlechterverhältnis sowohl in Essen als auch bei unseren öffentlichen Spieletreffs in Ulm allmählich fast ausgeglichen hat.
Ich hoffe, es kommen noch ein paar Beiträge von Frauen, denn auch in diesem Forum sind sie unterrepräsentiert!
Silvia

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Roland G. Hülsmann
Kennerspieler
Beiträge: 2598

re: Frau und Spiel

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 19. November 2000, 23:35

Ich war jetzt schon mehrmals bei der Leserreise der Spielbox dabei und zweimal beim Siedlerwochenende des KOSMOS-Verlages und da war das Verhätlnis der Geschlechter immer eher ausgeglichen und bei den Spielrunden gab es eigentlich nie reine Männer- oder Frauenrunden. Beim Spielen läßt sich meines Erachtens wenig geschlechtsspezifisches feststellen.

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Uwe Hackenberg

re: Frau und Spiel

Beitragvon Uwe Hackenberg » 20. November 2000, 10:31

Hallo Kirsten,
beobachte schon seit 10 Jahren einige Unterschiede im Umgang mit dem Thema Spiel. Überdurchschnittlich (Ausnahmen bestättigen die Regel)
* sind Frauen, die Spiele mögen, weniger fanatische Spieler als Männer
* haben Männer eher den Sammeltrieb, möglichst viele Spiele ins Regal zu stellen
* neigen Frauen weniger zu Spielthemen, in denen man für den eigenen Vorteil andere Spieler stark schädigen muss
* bevorzugen Frauen Spiele mit kürzerer Dauer und weniger Regeln, wenige lassen sich von Longplayern à la 18xx, Die Macher etc. begeistern.
* ist der Umgang mit Verlieren und Gewinnen eher von der Erziehung als vom Geschlecht geprägt.
Ich beobachte auch den Trend, das in den Spielerkreisen der Frauenanteil steigt, kenn aber dennoch viele Runden, die fast nur von Männern besucht werden.
Häufig wird gesagt, dass Frauen in den Familien das Thema Spiel fördern, aber wenig Kontakte in der "grossen, etwas anonymen Spieleszene suchen".
Ähnliche Erfahrung habe ich gerade als Anbieter eines VHS Kurses zu Gesellschaftsspielen gemacht. Der Kurs hatte eine VHS typische Quote: 3 Männer, 14 Frauen; die Frauen hatten aber mit dem Spielen überwiegend Kontakt aus Familie, Paar und direkten Freundeskreis, die Männer hatten eher schon weitere Kreise gezogen.
Grüsse Uwe

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Michael Andersch

[OT] VHS

Beitragvon Michael Andersch » 20. November 2000, 11:00

Hallo Uwe,
ein VHS-Kurs zum Thema Spiel? Interessant.
Ging die Initiative dazu von Dir aus oder von der VHS? Was macht man da so (ist das ein Spieleabend der eben als VHS-Kurs läuft oder diskutiert man da verschiedene Arten von Spielen oder...)?
Gruß,
Micha

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Andreas Epplée

re: [OT] VHS

Beitragvon Andreas Epplée » 20. November 2000, 12:01

In der Tat. Sehr interessant! Sollte man die VHS zur weiteren Verbreitung unseres "Kulturgutes" nutzen können?
Gruss Andreas (hat den Eindruck, dass sich Brett- und Kartenspiele "kulturell" gesehen stark im Aufwind befinden...)

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KMW

re: [OT] VHS

Beitragvon KMW » 20. November 2000, 12:20

Ja, man kann die VHS nutzen. Ich habe das vor rund 20 Jahren mal 3 Jahre lang in einer Kleinstadt praktiziert. Da das Anfangsinteresse zu gering war, kam kein regulärer Kurs zustande (das heißt die Teilnehmer mußten keine Gebühren zahlen, ich als Kursleiter bekam kein Honorar - aber darauf kam's mir ja auch gar nicht an). Immerhin stellte die VHS Räume zur Verfügung und nahm die Veranstaltung in ihr Vorlesungsverzeichnis auf. Auf die VHS-Räume haben wir aber bald verzichtet und sind in eine Kneipe umgezogen (a. wegen der sonst fehlenden Getränke und b. weil uns der Hausmeister um 22:30 Uhr rauswerfen wollte).
Durch Mundpropaganda wuchs dann die Teilnehmerzahl im Lauf der Zeit und selbst die Lokalpresse interessierte sich dafür - wie gesagt, es war eine Kleinstadt.
Was wir in dem Kurs gemacht haben? Spiele gespielt, mehr nicht, also nix Theoretisches. Die Erfahrung damals: Die Leute sind froh, wenn ihnen mal jemand neue Spiele vorstellt und erklärt. Manches davon haben sie sich hinterher gekauft, wenn sie gemerkt haben, daß es ihnen gefällt.
Wichtig in dem Zusammenhang ist auch, unter welchem Titel der Kurs angeboten wird. Es muß halt draus hervorgehen, daß es nicht um Spiele für Kleinkinder geht. "Spiele für Erwachsene" ist aber auch nicht unbedingt der Idealtitel. Ich bekam damals einen Anruf von einer Frau, die mir erzählte, ihr Mann sei auf Parties immer so gehemmt - ob der Kurs das richtige für ihn sei...
KMW (der jetzt erstmal für ein paar Tage zum Spielen ins Sauerland fährt)

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Rainer Fieseler

re: [OT] VHS

Beitragvon Rainer Fieseler » 20. November 2000, 12:57

Hallo!
Ja, man kann an der Volkhochschule Spielkurse anbieten. Die initiative muss aber von den Anbietern (nicht von der VHS) ausgehen. Ich habe das schon zweimal gemacht und sogar Geld danit verdient. Wen's interessiert, der kann mich mal anmailen; ich kann dann genaueres dazu sagen.
grüße rainer

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Andreas Epplée

re: Frau und Spiel

Beitragvon Andreas Epplée » 20. November 2000, 13:13

Liebe Kirsten,
auf Deine Fragen könnte/müsste man tagelang antworten ;-) Konzentriertere Fragestellung könnte vielleicht mehr Antworten provozieren. Das liegt daran, das Spiele (ganz allgemein, aber besonders Brett- und Kartenspiele) einfach die Abläufe des Lebens konzentrieren und z.B. in Brett- und Kartenform manifestieren. Genausogut hättest Du also nach dem Leben selbst fragen können, ganz verkürzt: "Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen?" Spiele sind nur ein Medium (genau so wie Musik, Literatur, Theater, Bildende Kunst etc.), jedes menschliche Bedürfnis kann sich eine spielerische Umsetzung schaffen (siehe spielende Kinder). Deshalb gibt es selbstverständlich Spiele, die eher Frauen ansprechen (eher kommunikative, kreative, intuitive, "weiche"), und welche, die eher "männliche" Verhaltensweisen erfordern (analytisches Denken, Inbesitznahme, Destruktion, "harte"...) Und alle Zwischenstufen (wenn man/frau überhaupt so polar denken will). Spiele können Geschlechterrollen fördern, bestätigen, überwinden, ausser Acht lassen (hast Du eigentlich Rollenspiele schon mal angeschaut?), Triebe abreagieren, Leitbilder liefern, höhere und tiefere Erkenntnisse verschaffen, eine/n abheben lassen, eine/n wieder auf den Boden bringen etc. etc. Und während des Spielens lebt man ja weiter, deshalb nimmt man natürlich alle Spiel-Erfahrungen ins "restliche" Leben mit. Und je mehr man/frau spielt, desto mehr gleichen sich die Begriffe von Spiel und Leben an, das Leben wird zum Spiel, das Spiel zur Lebensform. Und die ist ein zu weites Feld, um in diesem Rahmen diskutiert werden zu können ;-)
Viele Grüsse
Andreas (gespannt, wie viele Frauen noch antworten - und wie)

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Markus Nikisch

re: Frau und Spiel

Beitragvon Markus Nikisch » 20. November 2000, 13:26

Ich bin in der glücklichen Situation fünf Schwestewrn zu haben (zwischen 24 und 39 Jahre alt). Alle haben sehr unterschiedliche Spielverhalten. Dies reicht von "eigentlich Nichtspieler" bis zu "Vielspieler". Genauso unterschiedlich ist das Spielverhalten ("unbedingt gewinnen wollen" bis "einfach einen schönen Abend haben - egal wer gewinnt". Allen haben jedoch gemeinsam, dass sie thematische Spiele den abstrakten Spielen vorziehen (wenn das Material schön ist und die Geschichte stimmt, spielen sie es umso lieber). Aber bei der Art von spielen scheiden sich schon wieder die Geister... meine älteste Schwester fasst kein Spiel an, dass eventuell länger als eine 3/4 Stunde geht, meine mittlere Schwester spielt am liebsten kommunikative Spiele (die kann meine zweitälteste aber überhaupt nicht leiden), "Cluedo" spielen aber alle gerne (wo da der Zusammenhang ist?). Partyspiele (Tabu, Outburst & Co.) spielen vier der fünf gerne... schnelle Spiele mögen drei der fünf. Alle halten sich für Spieler die wesentlich besser verlieren können als Männer und die nicht so verbissen und taktisch spielen (etwas, dass ich besonders bei meiner jüngsten Schwester nicht bestätigen kann). Keine meiner Schwestern spielt CoSims, generell mögen sie auch keine Spiele, die 30 Seiten Anleitung haben oder eine Spielzeit über 3 Stunden besitzen (ich aber auch nicht, vielleicht liegts in der Familie). Zwei spielen eigentlich hauptsächlich mit der Familie, zwei hauptsächlich mit Freunden in der Freizeit, eine eigentlich nur, wenn sie dazu gezwungen wird oder alle anderen ihr keine Wahl lassen... drei haben in der Kindheit mit Puppen gespiel, zwei haben dies verweigert! Lange rede kurzer Sinn: ich kann hierbei fast keine allgemeingültigen Regeln ziehen (alle fünf Schwestern haben sich jedoch bereit erklärt, eventuell einen Fragebogen auszufüllen). Meiner Meinung hat das spielverhalten eines Menschen sehr viel mit seinen persönlichen Veranlagungen und seiner Sozialisation zu tun (aber vielleicht ist diese Einsicht ja typisch Mann (obwohl ich in meiner Kindheit durch meine Schwestern sehr stark weiblichen Einfluss hatte)
Gruß
Markus (der in seinem Studium sehr viele Vorlesungen über Feminismus besucht hat (was aber überhaut nix zu sagen hat))

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Stefan Siebenkittel

re: [OT] VHS

Beitragvon Stefan Siebenkittel » 20. November 2000, 13:53

Hallo,
mich würde ein paar nähere Infos zu deinem Kurs zwecks Erfahrungsaustausch interessieren. Ich habe selber mal vor ein paar Jahren mit einem Partner Kurse als Bildungsurlaub durchgeführt. Diese Kurse waren zwar auf Erzieher/Innen ausgerichtet, aber wir hatten sowohl einen historischen Teil, als auch Infos über Familientaugliche (auch für Erwachsene spannend) Kinderspiele, die auch getestet werden konnten.
Ciao
Stefan Siebenkitel

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Brigitte ditt

re: Frau und Spiel

Beitragvon Brigitte ditt » 20. November 2000, 14:46

Hallo,
auch ich bin fast schon ein "Oldie" im Spielebereich, seit 1986 jedes Jahrt in Essen dabei, habe jedoch schon lange vorher wöchentlich einen Spieletreff besucht.
Auch ich habe in Essen habe ich einen Wandel bemerkt. Im Rollenspielbereich dominieren zwar noch immer die Mäner in der Anzahl, doch im normalen Bereich gibt es immer mehr Frauen. Auch die Haltung Frauen gegenüber scheint sich verändert zu haben. Hierzu ein Beispiel:
Ich glaube 1991 spielte ich mit einem Bekannten und zwei jüngeren mir unbekannten Männern ( ich denke sie waren um die 18 Jahre alt) "Das letzte Paradies" bei Kosmos. Obwohl mein Bekannter immer wieder warnte, passt auf Brigitte auf, sahen sie in mir, der älteren (32) Frau keine Gefahr und fielen fast vor Überraschung um, als ich zum Schluß haushoch gewonnen hatte.
Obwohl ich jetzt fast 10 Jahre älter bin, kommt diese Überheblichkeit nicht mehr vor. Auch wundern sich immer weniger Jugendliche / junge Erwachsene, dass auch ältere Frauen komplexe Spiele spielen.
Ich denke, dass nicht nur der Umgang mit Verlieren und Gewinnen, sondern der gesammte Umgang ( alle oben genannten Punte) mit Spielen von der Erziehung geprägt wird. Mädchen werden of genug zum Angegepasstsein und vermeiden von Konfrontationen erzogen, während Jungen eben zu "ganzen Männern, die sich durchsetzen können, gemacht werden sollen.
Der gesammte Spielzeugmarkt geht ja noch immer in diese Richtung. Jungen haben Actionfiguren, Mädchen Baby Born oder Barbie, die sie bemuttern.
Brigitte (die es schade findet, dass fast nur Männer hier antworten)

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Kathrin

re: Frau und Spiel

Beitragvon Kathrin » 20. November 2000, 19:16

Puh, ich muss zugeben, dass ich das Thema nicht so einfach finde und nicht wüsste, wo ich jetzt grosse Unterschiede zwischen Männern und Frauen ziehen würde. Mag daran liegen, dass ich tatsächlich meist die einzige Frau oder eine von wenigen Frauen beim Spielen bin (hat aber wohl auch damit zu tun, dass ich Physik studiert habe!).
Nun denn, ich will mal versuchen, einige der Fragen von Kirsten zu verfolgen:
- Zwei meiner persönlichen Lieblingsspiele: Siedler von Catan, Zeitalter der Renaissance
- Frauen-Lieblingsspiele?? Weiss ich echt nicht. Anderen Postings zufolge gibt es anscheinend einige Frauen, die Komplexität bei Spielen abschreckend finden. Kann ich weder bestätigen noch widerlegen. Das kommt doch auch auf die "Vorgeschichte" (in spielerischer Hinsicht; auch der deutsche Spielemarkt hat sich mE in den letzten Jahren erst hin zu mehr komplexen Spielen geöffnet) und persönliche Vorlieben an??
- Als Fähigkeit zum Spielen sind sicher wichtig: Verlieren können, bluffen, Kreativität. Aber auch Toleranz, zB insofern, als dass Regelfuchserei (mir) keinen Spass macht und man sich halt irgendwie gütlich einigt.
- Typisch weibliche/männliche Spielverhalten / Spieltypen: Im Siedler-Buch gibt es eine kleine Passage über Heuler usw., also über Spielertypen, die ich recht passend fand. Ich finde es aber sehr schwer, da eine Zuweisung Männlein/Weiblein vorzunehmen.
Eine Einstellung beim Spielen gefällt mir nicht: "Fiese" Spiele(r). Sprich, Regeln so zu interpretieren oder zu ändern, dass man anderen möglichst tüchtig schaden kann; bzw. Regelauslegungen superernst zu nehmen (ein Beispiel: Beim Siedeln streng erst zu handeln und dann zu bauen). Ich weiss nicht, ob ersteres eher männlich und meine Einstellung eher weiblich ist. Ich persönlich glaube das nicht, da bei den Leuten, mit denen ich spiele, eben alle ungefähr dieser Meinung sind.
So, dies als kurzer Einblick von
Kathrin.

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Sven

re: Frau und Spiel

Beitragvon Sven » 20. November 2000, 22:38

Hallo Brigitte!
Die Sache mit den Geschlechtsspezifischen Spielzeug
hielt ich früher auch für eher erziehungsbedingt.Daher habe ich immer versucht meine Kinder unvoreingenommen ans Spielen heranzuführen.Meine Tochter (die ältere von Beiden)hatte auch anfänglich mehr "typisches Jungen-Spielzeug" (Reste meiner Kindheit),wofür sie sich aber eigentlich nie interessierte,trotz viel gemeinsamer Beschäftigung.Als drei Jahre später mein Sohn kam sa das Kinderzimmer auch bedeutend "Mädchen-spezifischer"aus und er wurde dort mit einbezogen.Es half alles nichts.Er stand von Anfang an wie verrückt auf Autos und Action (das hat er nicht von mir)und sie auf Puppen und familiäre Rollenspiele.
Gut-der Einfluss von Fernsehen (bei uns eher gering),Kindergarten,Freunden etc ist nicht zu leugnen,aber gerade durch Beobachtungen in "aufgeklärten" Familien ist meine Mutmaßung,daß Rollenverhalten viel mehr ist als anerzogen.Und der Spielzeugmarkt ist wohl eher ein Ergebnis von Angebot und Nachfrage.
Ansonsten stimme ich den 5Punkten von Uwe Hackenberg zu.
Gruß Sven (der nicht glaubt,daß sich die Frau als solche auf dem Spielbrett erst die Gleichberechtigung erkämpfen muß :-) )

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Sönke Weidemann
Kennerspieler
Beiträge: 531

re: Frau und Spiel

Beitragvon Sönke Weidemann » 20. November 2000, 23:20

Hallo Brigitte! Gott sei Dank kann ich bei meinen beiden Nichten ( 12 und 9 Jahre alt ) beobachten, daß eine "mädchenhaft angepasste Erziehung" passé ist: Wenn ich beim Spielen von Sing Sing unter Einsatz von gleichfarbigen M&M-Schoko-Kugeln total über den Tisch gezogen werde, kann ich vor soviel Phantasie beim Schummeln nur meinen Hut ziehen!
In den anderen Spielrunden kann ich zwar beobachten, daß sich die Spielerinnen eher ungern zu Spielen wie Junta oder Intrige überreden lassen; wenn sie aber erstmal dabei sind, spielen sie wesentlich subtiler als ihre männlichen Kollegen: während wir uns wie Bolle über einen gelungenen Zug freuen, haben sie uns schon mit einem leisen, kalten Lächeln an die Wand gestellt ;-).
Gruß Sönke ( der fast immer in gemischten Runden spielt )

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gammon

re: Frau und Spiel

Beitragvon gammon » 21. November 2000, 00:30

Hi Kirsten,
als interessanten Buchtipp kann ich hier den Titel "Leeres Viertel Rub´Al-Khali" anbringen. Ich zitier mal eben die Kladde:
"Zwei deutsche Forschungsreisende machen sich in jenes Wüstengebiet Südarabiens. Der eine reiste am Ende des 18. Jhdts und war auf der Suche nach den mosaischen Gesetzestafeln. Der andere folgte 200 Jahre später den Spuren, um eine Theorie über archaische Formen des Spielens zu entwickeln. Für beide wird es eine Reise ins Ich und in die Fremde..."
Das ganze ist ein Roman, beobachtet aber Dinge wie Rollenverhalten und ursprüngliche, typische Mädel/Bub Spiele, z. B. Verstecken etc.; sicher nicht die hier diskutierten.

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Holger Peine

re: Frau und Spiel

Beitragvon Holger Peine » 21. November 2000, 14:25

Ein ganz kleines Indiz dafür, daß es vielleicht doch
geschlechtsspezifische Präferenzen beim Spielen gibt:
Auf news:rec.games.board läuft gerade der Thread
"Settlers of Catan card game variants", der damit
begann, daß jemand um Rat bat, was er mit dem
Siedler-Kartenspiel tun sollte, da seine Frau die
aggressiven Karten in diesem Spiel nicht mag
(Feuerteufel, Spion usw.). Innerhalb von weniger
als 24h haben sich bisher drei Leute dazu gemeldet,
und _alle_ sagten unisono "bei meiner Frau ist es
genauso".
Ein Indiz dafür, daß Frauen aggressive Spielelemente
nicht so gern mögen?

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Roland G. Hülsmann
Kennerspieler
Beiträge: 2598

re: Frau und Spiel

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 21. November 2000, 15:32

Kann gar nicht sein! Meine Frau hat deartige Skrupel - sehr zu meinem Leidwesen ;-) - nicht!

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Roman Pelek

re: Frau und Spiel

Beitragvon Roman Pelek » 21. November 2000, 15:32

Hi,
>Ein Indiz dafür, daß Frauen aggressive Spielelemente
nicht so gern mögen?<
Die Tendenz gibt es sicherlich, wie ich in meinem Bekanntenkreis feststelle. Zum einen stossen bestimmte, weniger subtile kriegerische Thematiken, klar auf Ablehnung (so hab' ich mir z.B. die nähere Betrachtung von JUMP diese Messe gleich nach den ersten 2 Minuten abgeschminkt). Zum anderen spielen die meisten Frauen in unserem Kreis zwar durchaus "hart" im Sinne von "auch auf Sieg", aber sie neigen weniger dazu, dies mit aggressiven/offensiven Mitteln zu tun, sondern eher mit einer subtileren/defensiveren Spielweise. Was allerdings nach meinen Beobachtungen und unseren Spielen im allgemeinen nicht ein Nachteil sein muss.
Einziger Haken bei der Geschichte: manche Frauen reagieren durchaus auch verärgert, wenn andere aggressiv spielen und dadurch sie bewusst in die Enge treiben (hat bei uns deswegen schon manche kurzzeitige "Beziehungskrise" gegeben) - während bei den meisten Männern diese Unmut weniger stark (bzw. weniger langfristig, nach dem Spiel ist meist Schluss mit der Thematik) ausgeprägt ist.
Aber auch sonst muss ich (leider) von unseren Kreisen das allgemeine Vorurteil bestärken, dass Männer eher längere, komplexere, durchaus auch sehr abstrakte Strategiespiele mögen und Frauen eher die verbale Kommunikation schätzen (Tabu, Outburst, Trivial Pursuit, Handelei bei Siedler) und mehr auf Interaktion und kürzere Spieldauern "stehen". Wobei das auf meine Freundin jetzt gar nicht zutrifft, aber die studiert ja auch Mathe/Physik ;-) Aber auch die mochte "JUMP" z.B. wegen der Thematik nicht, auch wenn sie sonst gerne richtig fies gegen mich spielt und oft gewinnt - aber das hängt auch vom Spiel ab, manche Spiele gewinnt fast nur sie und manche fast nur ich; kennt Ihr so ein Phänomen auch?
Ob das mit den Frauen/Männer-Präferenzen beim Spielen jetzt allerdings eher Erziehungssache oder Veranlagung (oder beides) ist, tja, wer will das schon beurteilen können - schliesslich sind die gesellschaftlichen Einflüsse durch Medien und Umfeld oft so gross, dass man das nicht eindeutig zuordnen können dürfte. Ist aber auf jeden Fall eine interessante Fragestellung; ich z.B. achte durchaus bei der Auswahl mancher Spiele auch auf "Frauengeschmack" in unseren Runden.
Ciao,
Roman


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