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Heiko Kauffmann

re: Spielerischer Ehrgeiz?

Beitragvon Heiko Kauffmann » 22. Dezember 2000, 11:27

Ich möchte das mal von der analytischen Seite sehen:
Nur wenn ein Spieler/in "auf Sieg" spielt kommt das ganze Spielsystem zum tragen. Denn es ist ja (speziell bei Taktik- und Strategiespielen) darauf hin entwickelt, dass es eine vielschichtige Verwebung der Möglichkeiten gibt, bei denen sich die Spieler beeinflussen, wenn sie mit dem Ziel, am Ende den Sieg davonzutragen spielen.
(z. B. gegen den führenden und dabei evtl. dem letztplazierten was gutes tun)
Und das bringt meiner Meinung nach den grössten Spass, wenn man das Spiel so spielt, wie es konzipiert ist. Da geht es nunmal drum ein Ziel zu erreichen, und das ist meistens der Sieg. Dieses Ziel erreicht man bei einem guten Spiel nicht, wenn man z. B. einen niedermacht, dann gewinnt nämlich womöglich der lachende dritte.
Je glücksabhängiger ein Spiel ist, umso weniger kann ich ja bekanntlich beeinflussen und damit kommt das "auf Sieg" spielen nicht so zum tragen.
Fazit: Destruktives sowie alles oder nichts spielen bringt einem hoffentlich demnach nichts!
Heiko (der versucht, die rafinessen des Spielsystems auszureizen und hat dabei den grössten Spass und nimmt ihn den anderen nicht)

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Heiko Kauffmann

re: Spielerischer Ehrgeiz?

Beitragvon Heiko Kauffmann » 22. Dezember 2000, 11:41

Hallo Volker!
Du sagtest:
>>Was mich im Zusammenhang mit dem Gewinnen-wollen sehr
aergert, sind Spieler, die im fruehen Stadium des
Spiels (z.B. in der dritten Runde eines auf 10 Runden
ausgelegten Spiels) die Alles-Oder-Nichts-Schiene
fahren und einen sehr riskanten Zug machen, wo sie mit
50%iger Wahrscheinlichkeit Erfolg haben und dann
praktisch uneinholbar fuehren, waehrend in den anderen
50% der Faelle die Sache schief geht und der
betreffende Spieler aussichtslos abgeschlagen ist.<<
Das riecht stark nach Fehler im Spielsystem des Spieles selbst. Bei welchen ausgewogenen Spielen geht sowas? Ich finde es eigentlich durchaus legitim das System auszureizen. Es wäre aber sehr schade, wenn die Harakiri-Methode funktioniert!
Heiko (der darüber nachdenkt bei welchem Spiel die "alles oder nicht-Methode" funktioniert, oder der einfach nur auf dem Schlauch steht)

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Heiko Kauffmann

re: Spielerischer Ehrgeiz?

Beitragvon Heiko Kauffmann » 22. Dezember 2000, 11:51

Nochmal hallo Volker!
Sorry, aber die Aussage interessiert mich auch noch.
>>Wenn es ganz dumm laeuft, kann das sogar bei geringerer
Besetzung passieren. Mit Grauen denke ich zurueck an
die eine Seefahrer-Partie zu dritt, wo ich nach dem
allerersten Wurf des Startspielers schon keine Chance
mehr hatte.<<
Wie geht das? Unglaublich! Was ist passiert? Was für ein Zug war das um Himmelswillen! Wo ist der Haken?
Klär mich auf.
Heiko (dem das Kunststück bei ca 300 gespielten Siedler-Partien noch nicht gelungen ist)

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Volker L.

Siedler beim ersten Wurf verloren

Beitragvon Volker L. » 22. Dezember 2000, 16:37

> Sorry, aber die Aussage interessiert mich auch noch.
>
> >>Wenn es ganz dumm laeuft, kann das sogar bei geringerer
> Besetzung passieren. Mit Grauen denke ich zurueck an
> die eine Seefahrer-Partie zu dritt, wo ich nach dem
> allerersten Wurf des Startspielers schon keine Chance
> mehr hatte.<<
>
> Wie geht das? Unglaublich! Was ist passiert? Was für
> ein Zug war das um Himmelswillen! Wo ist der Haken?
> Klär mich auf.
Na, ich will mal versuchen, die Situation halbwegs zu
rekonstruieren, ist aber schon ungefaehr 4 Jahre her,
also erfinde ich eher eine Ausgangslage, die der
damaligen aehnlich ist.
Also, es war das Seefahrer-Szenarion "Zu neuen Ufern",
wie gesagt zu dritt, wobei ich der Zweite in der
Start-Reihenfolge war. Meine zweite Siedlung hatte ich
etwas westlich vom Zentrum gebaut an Holz-6, Getreide-5
und Wolle-3, die erste lag im Nordosten an Erz-2,
Lehm-9, Holzhafen. An der 2. Siedlung hatte ich
meine Stra"se nach Suedwesten gelegt. Von da aus waere
ich mit einer Stra"se nach Westen an einen Bauplatz
gekommen, wo Wolle-8, Erz-5 und dasselbe Lehm-9, an dem
ich schon war, lagen. Alternativ haette ich meine
zweite (im Spiel zu bauende) Strasse auch nach
Suedosten legen koennen und waere an dasselbe Wolle-8,
nochmal an meine Wolle-3 und irgendwas anderes
mittelgutes gekommen. Mein Plan war es also, einen der
beiden Plaetze am Wolle-8 zu bebauen und danach die
Rohstoffeinkuenfte hauptsaechlich zur Seefahrt von der
anderen Siedlung aus zu nutzen. Meine Anfangsrohstoffe
waren dann 1 Erz, 1 Lehm. Und bei drei Spielern
rechnet man ja auch nicht damit, dass einem fruehzeitig
der Weg verbaut wird. Der Startspieler aber wollte
unbedingt ein Wolle-Monopol erobern, indem er alle drei
moeglichen Siedlungsplaetze an diesem Wolle-8 belegte
(seine erste Siedlung lag schon an diesem, jeweils
2 Wegstrecken von meinen beiden potenziellen Bauorten
entfernt), dieses Wolle-8 war das einzige Wollfeld im
Spiel mit einer Ertragszahl besser als 3 oder 11.
Jedenfalls hat besagter Startspieler dann eben seine
zweite Siedlung sehr agressiv gesetzt, naemlich genau
suedlich von mir an meinem geplanten Ersatz-Bauplatz,
und die dazugehoerige Strasse ging nach Nordosten, so
dass unsere beiden Strassen sich an dieser Kreuzung
trafen. Er hat dabei in Kauf genommen, dass er an ein
oder 2 Rohstoffsorten gar nicht vertreten war und ist
auch noch das Risiko eingegangen, dass er in sehr
schlechter Position gewesen waere, wenn ich vor ihm
eine Strasse haette bauen koennen.
So weit, so schlecht.
Dann begann das Spiel. Der Startspieler wuerfelt. Was
kommt? Eine "7". Rate mal, wohin er den Raeuber
gestellt hat...
richtig, auf mein Holz-6. Dann darf er bei mir klauen.
Rate mal, welchen Rohstoff er erwischt hat...
richtig, das Erz.
Damit war das Spiel praktisch fuer mich gelaufen. Mit
der blockierten Holz-6 konnt ich nicht expandieren,
mein Hafen war wertlos, und vertreiben konnte ich den
Raeuber auch nicht, da ich zwar recht schnell Wolle
und Getreide bekam, aber kein Erz. Eintauschen ging
auch nicht, da ich nichts hatte, was der Dritte haette
gebrauchen koennen (oder er hatte sowieso kein Erz, das
er haette entbehren koennen), der Startspieler hatte
natuerlich starkes Interesse daran, dass ich kein Erz
bekomme, also hat er auch nicht gehandelt, auch nicht,
als er dann in der zweiten Runde seine Strasse gebaut
hatte. (Hatte ich schon erwaehnt, dass die erste von
mir gewuerfelte Zahle eine "6" war? Ohne den Raeuber
haette ich also den Wettlauf gewonnen).
Du glaubst, schlimmer koennte es nicht kommen? Weit
gefehlt! Zunaechst mal kam viele Runden lang keine
weitere "7", so dass mir ungefaehr 3 oder 4 Holz-
Einkuenfte entgingen. Irgendwann nach ca. 8-12 Runden
bekam ich dann endlich die Rohstoffe, um mir eine
Entwicklungskarte kaufen zu koennen. Und nun rate mal,
was fuer eine ich ziehe...
richtig, eine Siegpunktkarte!
Oh mann, war ich bedient! Fuer den Rest des Spiels
habe ich dann dem Kopf-an-Kopf-Rennen der anderen
beiden zugesehen, der Startspieler gewann mit 12:11,
zu diesem Zeitpunkt hatte ich 7 Siegpunkte (irgendwann
habe ich den Raeuber doch weggekriegt, aber den bis
dahin angefallenen Rueckstand konnt ich einfach nicht
mehr wettmachen).
Tja, so war das damals. Natuerlich war das eine
Ausnahmesituation, ein Zusammentreffen verschiedener
ungluecklicher Umstaende oder, aus der Sicht des
Startspielers, ein Vabanque-Spiel beim Setzen der
zweiten Siedlung gepaart mit gewaltigem Wuerfelglueck,
die sich so wahrscheinlich niemals wiederholen wird,
aber es ist eben auch bei einem so hervorragend
ausbalancierten Spiel wie DSvC unter extremen
Umstaenden MOEGLICH.
Gruss, Volker

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Heiko Kauffmann

re: Siedler beim ersten Wurf verloren

Beitragvon Heiko Kauffmann » 22. Dezember 2000, 23:37

Hallo Volker,
gut rekonstruiert, respekt. Solche unglücklichen Verkettungen sind natürlich wie du schon sagtest höchst unwahrscheinlich, da kann das Spiel noch so gut ausbalanciert sein. Sobald ein glücksanteil im System ist, gibt es auch entsprechende Pechanteile.
Aber hat auch was interessantes, bei einem solchen Schicksalsschlag noch das beste aus der Situation zu machen und das scheinst du bei 7 Punkten ja gemacht zu haben, somal so extrem gegen dich gespielt wurde.
Na dann frohe Weihnachten und einen verspielten Rutsch,
der nächste Sieg kommt bestimmt! (natürlich mit überlegener Taktik!)
Heiko (dem gerade einfällt das er noch nie "Zu neuen Ufern" gespielt hat)

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Jost Schwider

re: Siedler beim ersten Wurf verloren

Beitragvon Jost Schwider » 23. Dezember 2000, 10:11

Vielleicht interessiert dich ja nach *dieser* Erfahrung die angegebene Variante (siehe URL)... ;-)

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Volker L.

re: Siedler beim ersten Wurf verloren

Beitragvon Volker L. » 29. Dezember 2000, 15:45

Die Variante "Armut ist keine Schande" kannte ich schon
und habe sie auch schon gespielt, aber mehr zur
Abwechslung, nicht als Standardregel. Das andere habe
ich - glaube ich - auch schon mal gelesen.
Ich bevorzuge eher die Offset-Variante(n):
In der ersten Runde wird eine gewuerfelte "7" ignoriert
(d.h. einfach nochmal gewuerfelt); Bei Staedte und Ritter
gilt ausserdem, dass das Barbarenschiff erst dann
losfaehrt, wenn eine der drei Bedingungen erfuellt ist:
1. Die erste Runde ist um
2. Ein Spieler hat einen aktiven Ritter
3. Ein Spieler kauft sich einen Stadtausbau.
Einen Guten Rutsch (aber nicht hinfallen!) ins neue
Jahrtausend,
Gruss, Volker


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