Beitragvon Jürgen Klimke » 14. Februar 2001, 17:35
Hallo Sonne,
deine Verbesserungsvorschläge sind teilweise interessant, dein Anliegen im Gesamten aber völlig überflüssig. Vor allem macht es deutlich, dass du meiner Meinung nach die Situationslage um die Jury völlig verkennst, wie eigentlich ein Großteil der Forumsschreiber;
die Auszeichnung "Spiel des Jahres" ist weder kurz vor dem Aus noch steht sie vor irgend einem Scherbenhaufen, aus dem ein neuer Preis Nutzen ziehen könnte: Nenn mir bitte ein einziges Medium, das kein Fachblatt ist, in dem über den Austritt der 3 Mitglieder geredet wurde, geschweige denn über ihre Motive oder irgend welche Streitereien;
Die Wahrheit ist, es hat niemand berichtet, und es interessiert auch niemanden außerhalb der "Szene". Und diese "Szene" ist sehr klein, sie umfasst noch nicht einmal den ganzen Bereich der Vielspieler und Freaks, sie umfasst nur den harten Kern, der eben auch die Fachmagazine oder Online-Seiten regelmäßig liest.
Oder anders ausgedrückt (und das wurde hier schon mehrfach angesprochen): es interessiert nur diejenigen, die das SDJ sowieso nicht kaufen. Zumindest nicht, weil es SDJ ist.
Ein neuer Preis könnte so sehr behaupten, er sei vorbildlich und unabhängig, es wird niemand davon Notiz nehmen.
Im Übrigen, und das wird hier gerne vermischt, sagen die Austritte der drei Unzufriedenen überhaupt nichts darüber aus, ob das am Ende ausgezeichnete Spiel besser oder schlechter ist: Haben denn Ruschitzka, Mutschke und Knopf tatsächlich für OfuA oder Mamma Mia gestimmt?
Was den Kunden letztendlich interessiert, ist ob das Spiel, das er zu Weihnachten kauft, seinen Wünschen entspricht, oder nicht. Damit, und nur allein damit hat sich das Spiel des Jahres seinen Ruf und seine Kompetenz aufgebaut. Und nur damit kann die Jury sich den Ruf auch wieder verspielen.
Nicht aber mit Streitereien darum, ob mit dem eingenommenen Geld eine PR-Agentur oder ein Spiele-Archiv beschäftigt wird.
Es kommt noch ein Zweites hinzu, warum die Sache den Verbraucher nicht wirklich interessiert: Im Gegensatz zum Politiker-Skandal, der hier oft beschworen wird, zahle ich nicht mit meinen Steuern die Diäten der Jury. Deshalb ist es mir im Einzelnen egal, was mit dem Geld, das sie einnimmt getan wird, solange ich nicht das Gefühl habe, hier wird bestochen und gemauschelt, was das Zeug hält.
Das ist aber nicht der Fall. Kommen wir doch mal alle auf den Boden der Tatsachen zurück, und versuchen die Fakten nochmal nüchtern zu sehen: 260.000 Mark per anno für eine Werbe-Agentur? Es nenne mir jemand nur eine einzige PR-Agentur, die für dieses Gehalt kompetente, flächendeckende und durchschlagende Werbung für das SDJ macht. Und bei der man dann auch noch anrufen kann, und sich erkundigen kann, was vor 5 Jahren SDJ geworden ist. (was eine im Vergleich relativ einfache Frage ist, verglichen mit denen, die das Archiv täglich gestellt bekommt, soweit ich mich informiert habe) ( wie du selbst zugegeben hast, Sonne: du weißt gar nicht so genau, was ein Spiele-Archiv macht ); Fazit: Die Arbeit des Archivs in Sachen PR ist vielleicht nicht überragend, aber nicht die "Verschwendung" von der hier alle reden. Wer mehr will, muss auch mehr bezahlen! Wollen wir tatsächlich, dass die Jury Hunderttausende von Mark jährlich ausgibt, nur um mehr präsent zu sein? Wollen wir das??
Hat einer von den drei Ausgeschiedenen das Argument von Herrn Ernst entkräftet, dass keine günstigere Agentur gefunden wurde?
Das ist nur einer von einigen inhaltlichen Fehlern, die hier in der Diskussion gerne in den Raum gestellt werden, ohne dass einmal kritisch hinterfragt wird.
Der Streit der Jury und der Verdacht auf undeutliche Geldkontrolle empören mich genau so, wie viele andere hier: Aber die Diskussion im Forum krankt erstens daran, dass alle einer Meinung sind, und zweitens, an dem in solchen Situationen immer verlockenden Gefühl, hier ist gerade etwas ganz Außergewöhnliches passiert und ich bin mittendrin. Es ist nichts Außergewöhnliches passiert. Es gab nur Streit innerhalb einer Gruppe und es gab ein paar unrühmliche Vorkommnisse. Zu einem Streit gehören aber immer zwei Parteien. Es gibt kein Armageddon, aus dem ein neuer Preis entstehen müsste. Wartet ein Jahr ab und lest Euch Eure Beiträge dann noch einmal durch.
Jürgen Klimke