Beitragvon Ralf Abilgaard » 26. Februar 2001, 12:14
>Ich bin nicht geizig, aber ich habe damals für das Spiel Geld bezahlt und sehe nicht ein, dass ich jetzt (20 Jahre später) dafür bezahlen soll, dass ich es oft gespielt habe.<
Ich muß schon sagen, daß dies eine recht merkwürdige Rechtsauffassung darstellt. Das Spiel ist vor zwanzig Jahren in Deinen Besitz übergegangen. Jegliche Sorgfalt für den Inhalt und die Pflege des Spieles obliegt ab dem Kauf Dir! Hätten sich die Karten als minderwertig oder fehlerhaft erwiesen, so hättest Du im Rahmen der Gewährleistung Minderung oder Rückgabe verlangen können. Obendrein kannst Du froh sein, daß es nach 20 Jahren für das Spiel überhaupt noch Ersatzteile gibt. Der Hersteller ist keineswegs verpflichtet dieselben so lange zu lagern. Und in der Zeit sind auch schon viele Verlage den Bach herunter gegangen.
Soviel zur rein rechtlichen Situation. Die andere ist eine Sache des freiwilligen Services. Ich bewundere schon seit Jahren, den Service von HiG und Haba, welche durch beigelegte Karten für kostenlose Ersatzteilbeschaffung geradestehen und da Sie damit werben, dies auch einhalten müssen.
Aber wo willst Du bei Ersatzteilen die Grenze ziehen? Ich kenne einige Kindergärten, die sich im Laufe von zwei Jahren ihre kompletten Haba-Spiele runderneuern lassen. Im einen Jahr werden die Figuren und Würfel für DM 5 Portokosten nachbestellt, im anderen Jahr Brett und Kasten. Bei Kindergärten mag sich das für Haba aufgrund des Multiplikators, den ein solcher darstellt, sogar rechnen, aber wenn dies jeder mache würde, dann wären die Folgekosten eines verkauften Spieles für den Verlag nicht mehr abzusehen.
Kosmos läßt sich die Siedler-Ersatzteile ja auch bezahlen und das aus gutem Grund: Wenn für jedes verkaufte Siedler ein paar Jahre später kostenlos neue Karten, Siedlungen oder Hexfelder nachgeliefert werden müßten, wären das Millionenbeträge, für die der Verlag bereits heute Rückstellungen schaffen müßte. So etwas würde sich sehr negativ auf den Spielepreis auswirken.
Wieso erwartest Du eigentlich eine kostenlose ersatzteilbeschaffung für Spiele? In anderen Bereichen des Lebens kommt doch auch kein Mensch darauf. Ich besitze z. B. ein Motorrad des Baujahres 1982, welches nun leider einen Motorschaden hat. Abesehen davon, daß für derart alte und seltene Maschinen bei dem japanischen Hersteller nur schwer Ersatzteile zu beschaffen sind, bin ich bisher noch nie auf die Idee gekommen, daß ich obwohl ich für das Motorrad Geld bezahlt habe, jetzt (19 Jahre später) mit knapp DM 1000,- dafür bestraft werde, daß ich mit der Maschine so oft damit gefahren bin.
Es gibt Dinge, die bei häufigem Gebrauch verschleißen. Mit deren Erwerb liegt das Risiko des Verschliß beim Käufer. Das gilt nicht nur für Spiele, sonder für alle nicht mangelhaften Gebrauchsgegenstände, die man käuflich erwirbt: Autos, Hosen, Schuhe, Häuser, Computer, Bücher, Dachziegel, Waschmaschinen, etc. Wenn ein Hersteller bis in alle Ewigkeit für die Haltbarkeit seiner Produkte haftbar wäre, brächte dies auf Dauer jeglichen Handel zum Erliegen (das bringt mich auf eine schöne Spielidee).
Obendrein könnte der Hersteller des Spiels, den Hersteller der Karten verantwortlich machen, dieser den Hersteller des Papiers (schlechte Papierqulität), dieser den Waldbauern (schon vor 20 Jahren schlechtes Holz geliefert) und dieser könnte sich dann nur noch beim Schöpfer oder, je nach Glaubensrichtung, beim Universum darüber beklagen, daß die Dinge einfach vergänglich sind :-)
Gruß,
Ralf (der weder bei Hasbro, noch bei sonst einem produzierenden Betrieb angestellt ist)