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MEDINA - Erster Eindruck

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Ralf Bielenberg

MEDINA - Erster Eindruck

Beitragvon Ralf Bielenberg » 21. März 2001, 22:28

Heute morgen bekommen - heute abend probegespielt - MEDINA.
Endlich hält man die HiG – Neuheit des Frühjahrs 2001 in den Händen – MEDINA vn Stefan Dorra. Schon das Gewicht der Schachtel erweckt nicht gerade den Eindruck, als wenn viel Hohlraum darin vorzufinden ist. Wenn man dann die Schachtel öffnet und die beiden prall gefüllten Zipbeutel öffnet, den Gruch von frischlakiertm Holz über sich ergehen lässt (Ist halt ein brandneues Spiel) wundert man sich darüber, dass ein durchschnittlich grosses Ivar-Regal bei ähnlicher Holzmenge gut das Doppelte kostet.
Nach einigen Sekunden stiller Verzückung über das wunderschöne Material (Palast-Bausteine, Ziegenställe, Türme, Stadtmauern, Dächer und Bewohner) nimmt man sich die Spielregel zur Hand und sieht sich einem knappen und übersichtlichen Regelwerk auf sechs Din A4 Seiten gegenüber.Und genau so schnell verstanden und erklärt ist das Spiel dann auch. Jeder Spieler bekommt Palastbausteine in allen vier Farben, Vier Dachbausteine in der eigenen Farbe sowie neutral-weisse Stadtmauern, Ziegenställe und Bewohner. Dieses Material lagert man geheim hinter einem Sichtschutz mit Ausnahme der vier Dächer, die den Mitspielern zur Ansicht vor dem Sichtschirm liegen müssen. Der jüngste Mitspieler setzt die erste Bewohner-Figur wahllos in das zu bebauende Geviert und beginnt damt die Marktgasse, die im weiteren Verlauf weiter ausgebaut wird. Die Vier Ecktürme stehen bereits in der entstehenden Medina. Der Ablauf des Spiels ist schnell erklärt – jeder MUSS in seinem Zug zwei Holzteile aus seinem Vorrat verbauen, wobei jede Kombination von Bauelementen (Auch Bewohner gelten als Bauelement) erlaubt ist. Möchte man einen Palastbaustein setzen und es ist bereits ein Palast dieser Farbe im Bau, muss der Stein zur Erweiterung dieses Palastes eingesetzt werden. Besteht die Palastfarbe noch nicht oder der Palast dieser Farbe gehört bereits jemandem darf man einen neuen Palast dieser Farbe beginnen. Möchte man einen Palast für sich haben, setzt man eines seiner Dächer auf einen Palastkomplex, egal wer daran vorher gebaut hat. Man darf also innerhalb seines Zuges JEDEN freien Palast für sich in Anspruch nehmen. Hat man aber einen Palast einer Farbe bereits, darf man keinen weiteren dieser Farbe mehr für sich beanspruchen. Paläste, die bereits ein Dach haben können nur noch durch Ziegenställe oder durch die Nachbarschaft der Marktgasse sowie der Stadtmauer aufgewertet werden. Ziel des Spiels ist es in jeder der vier Palastfarben einen Palast sein eigen zu nennen und damit möglichst viele Punkte zu machen. Jeder Palastbaustein ist ein Punkt wert, jeder Ziegenstall an den eigenen Palästen ebenfalls und jedes Stadtmauernteil, das an einen eigenen Palast grenzt ist auch ein Punkt. Bewohner, die die Marktgasse darstellen und dabei in Nachbarschaft zu einem eigenen Palast stehen bringen auch je Figur ein Punkt und dann gibt es noch die Punktekarten für den jeweils grössten Palast in jeder Farbe und die vier Punktekarten der Turmwächter, die an diejenigen ausgegeben wird, die ihren Palast durch Stadtmauern oder Bebauung in der Ecke an die vier Stadttürme angeschlossen sind.
Sind dann alle Punkte ausgezählt und der Sieger ist festgestellt, stellt sich sofort das dringende Bedürfnis nach einer Wiederholung ein, wenn es nur nicht so schade wäre, die gerade neuerrichtete und einfach schön anzusehende Altstadt wieder abzureissen. Und bei diesem Anblick fühlt sich auch der Spieler mit dem geringsten Punktekonte, manchmal auch Verlierer genannt, als wirklich grosser Baumeister.
Medina hat beim ersten Anspielen einen hervorragenden Eindruck bei mir hinterlassen, obwohl ich noch weit davon entfernt bin, die taktischen Tiefen dieses Spiels zur Gänze erfasst zu haben. Auf jeden Fall wird Stefan Dorras neuestes Meisterwerk in der Zukunft noch oft meinen Spieltisch in eine aufstrebende Wüstenstadt verwandeln.
Gruss
Ralf (Hatte den Aufdruck "Viel Holzmaterial" glatt übersehen)

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Roman Pelek

re: MEDINA - Erster Eindruck

Beitragvon Roman Pelek » 22. März 2001, 02:56

Hi Ralf,
prima Sache, Dein erster Eindruck, nur haben wir leider etwas Probleme mit der ersten Partie gehabt:
>Medina hat beim ersten Anspielen einen hervorragenden Eindruck bei mir hinterlassen, obwohl ich noch weit davon entfernt bin, die taktischen Tiefen dieses Spiels zur Gänze erfasst zu haben. Auf jeden Fall wird Stefan Dorras neuestes Meisterwerk in der Zukunft noch oft meinen Spieltisch in eine aufstrebende Wüstenstadt verwandeln.<
Hm, und genau da hatten wir unsere Probleme mit den taktischen Feinheiten. Unser Spiel war nämlich eine äusserst verbissene Angelegenheit. Ein Spieler hat es durch die mangelnde Kenntnis des Spiels aller geschafft, sich zu Beginn zwei große Tempel in zwei Ecken des Spielplans zu sichern. Und damit hatte er quasi gewonnen.
Ich hab's mit viel Überlegerei geschafft, ihm und den anderen soviele Hürden in den Weg zu werfen, dass ich noch kurz dahinter zweiter wurde, aber während dem ganzen Spiel war klar, dass er gewonnen hatte. Zumal das Spiel auch noch ungemein fies ist, da man kaum richtig zum eigenen Vorteil bauen kann (den sonst jemand anderes einstreicht), sondern fast nur darauf bedacht ist, andere zu blockieren. Bei vier Spielern ist ein Vorausplanen bis zum nächsten eigenen Zug nur sehr schwer möglich, zumindest nur dann, wenn man alle anderen gegnerischen Steine kennt - und die liegen hinter Sichtschirmen (also: merken).
Jedenfalls war das eine ziemlich anstrengende Angelegenheit, viel grüblerischer als z.B. Java, wo man wenigstens in einem Zug was zum eigenen Vorteil bauen kann, und nicht immer _nur_ schauen muss, wie man alle anderen blockiert. Und hoffnungslos noch dazu, da der Sieger schon durch den gravierenden, aber für Anfänger nicht zu ersehenden Fehler in den ersten 5 Minuten des Spiels.
Wie gesagt, es kann sein, dass Medina ein tolles Denkspiel ist - aber bei vier Spielern sehe ich momentan ob der verborgenen Teile der Spieler keine anderen Möglichkeiten als:
a) Die anderen Spieler zu blockieren, wenn man nicht sich alle Teile merken will oder
b) Sich möglichst alle Teile zu merken und dann die Möglichkeiten bis zum nächsten eigenen Zug durchzurechnen oder
c) Das Spiel aus dem Bauch raus zu spielen und zu schauen, wer gewonnen hat
a) ist rein destruktiv, b) unglaublich anstrengend und c) nicht der Sinn eines Taktikspiels
Ich glaube, dass das Spiel zu dritt wesentlich besser sein dürfte, weil planbarer für einen selbst ohne Kenntnis aller Teile. Oder dass das Spiel mit offenen Teilen mehr Reiz hat. So isses auf jeden Fall ein harter Brocken, da es kaum Fehler verzeiht, und ohne Auswendigmerken der gegnerischen Möglichkeiten fast nur destruktives oder zurückhaltendes Spiel (den anderen bloß nix anbieten) zuläßt.
So, aber das werden wir in weiteren Partien austesten, ob das wirklich so ist. Ich hoffe für das Spiel, dass nur unser gravierender Fehler zu Beginn oder übersehene Strategien zu so destruktivem und superanstrengenden Spiel geführt haben. Sonst halte ich das Spiel zumindest zu viert für zu hart für den normalen Gebrauch, dagegen ist Java konstruktiv und entspannend ;-) Leider sah Jerry das in seiner Mail ja ähnlich wie ich, deswegen befürchte ich, dass das Spiel wirklich so ist...
Ciao,
Roman

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Ralf Bielenberg

re: MEDINA - Erster Eindruck

Beitragvon Ralf Bielenberg » 22. März 2001, 20:08

Hi Roman,
es mag sein, dass das Spiel zu viert in eine wirklich anstrengende Arbeit ausartet. Ich hätte ggfs. erwähnen sollen/müssen, dass wir tatsächlich bei den ersten Partien, die zu meinem überaus positiven Eindruck führten, nur zu dritt waren. Ich würde zumindest auch dazu neigen, wie Du schon richtig erwähntest, bei vier Spielern mit offen liegenden Bauteilen zu spielen. So wirds leichter berechenbar und damit auch flüssiger. Gib dem Spiel noch ne Chance.
Gruss
Ralf (werds heute mal zu viert probieren)

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Roman Pelek

re: MEDINA - Erster Eindruck

Beitragvon Roman Pelek » 23. März 2001, 01:29

Hi Ralf,
>es mag sein, dass das Spiel zu viert in eine wirklich anstrengende Arbeit ausartet. Ich hätte ggfs. erwähnen sollen/müssen, dass wir tatsächlich bei den ersten Partien, die zu meinem überaus positiven Eindruck führten, nur zu dritt waren.<
Hm, das wäre scheinbar angebracht gewesen, da ich mir vorstellen kann, dass Medina zu dritt wesentlich konstruktiver ist, da mehr Platz und abschätzbarere Züge der Gegner. Ich werd's auf jeden Fall noch zu dritt und zu viert probieren, und am Wochenende oder an einem einsameren Abend zu zweit mit der Dittschen Variante.
Momentan sehe ich mich allerdings ausserstande, das Spiel auch nur annähernd zu beurteilen nach unserer missglückten Partie - die war viel zu frustrierend.
>Ich würde zumindest auch dazu neigen, wie Du schon richtig erwähntest, bei vier Spielern mit offen liegenden Bauteilen zu spielen. So wirds leichter berechenbar und damit auch flüssiger. Gib dem Spiel noch ne Chance.<
Auf jeden Fall, schliesslich ist Medina eigentlich ja genau meine Sorte Lieblingsspiel - einfache Regeln, schönes Material, Kategorie abstraktes Taktikspiel mit viel Tiefgang. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das immer so destruktiv, langwierig und frustrierend abläuft - gerade bei HiG und Stefan Dorra nicht.
Und selbst wenn wäre es gelacht, wenn man zu dieser prima Spielidee die Regeln nicht so hinbiegen könnte für unterschiedliche Besetzungen: Variante für 2, ohne Sichtschirme zu viert - das sind doch schon mal Ansätze.
Ursprünglich war wohl auch die Idee der Sichtschirme, dass man eben nicht so genau weiss, was die anderen noch machen, um damit das Durchrechnen aller Möglichkeiten zu unterbinden. In der Praxis zeigt sich aber paradoxerweise, dass genau das alle trotzdem versuchen, und deswegen stundenlang nachdenken und rekapitulieren, wer was gebaut hat.
Ansonsten: ein Spiel, das zu dritt besser funktioniert als zu viert wäre mal eine weitere willkommene Abwechslung zum häufig vorkommenden Gegenteil. Wenn's zu dritt ein prima Spiel ist, habe ich damit auch keine Probleme.
Ciao,
Roman (der Medina seiner Freundin empfohlen hat, um ihr was gutes zu tun... Und dann so ein Desaster - grmpf)


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