Beitragvon Volker L. » 24. April 2001, 13:14
> Mich wuerde hier natuerlich interessieren wie man
> Sport definieren kann, damit Schach in diese
> Kategorie faellt, z.B. Skat, Siedler oder
> "mathematische Beweise um die Wette fuehren" aber
> nicht.
Man mag darueber streiten, ob dies ein Merkmal des
Sportes sei, aber Schach ist deswegen kein Spiel,
weil es 100%ig berechenbar ist.
Beim Sport (Mannschaftssportarten einmal ausgenommen,
da hier die Verhaeltnisse komplizierter sind) haengt
der Sieg allein von den koerperlichen (oder geistigen)
Faehigkeiten der Teilnehmer ab, nur bei relativ
geringem Unterschied jener Leistungsfaehigkeit kommt
als weiterer Faktor die Tagesform hinzu.
Wenn ich 1000mal 200m gegen Michael Johnson laufe,
wird er mit Sicherheit 1000mal gewinnen, wenn ich
1000mal ein Radrennen gegen Jan Ullrich bestreite, wird
er mit Sicherheit jedes Rennen gewinnen, und wenn ich
1000 Partien Schach gegen Gari Kasparov spiele, werde
ich garantiert keine einzige gewinnen, eben weil die
Leistungsfaehigkeit besagter Sportler die meine so sehr
uebertrifft, dass ich auch gegen einen erkaelteten Jan
Ulrich oder einen uebermuedeten Gari Kasparov keine
Chance haette.
Wuerde ich dagegen 1000 Partien Skat, Siedler, Magic
oder Monopoly gegen den jeweils amtierenden Deutschen
bzw. Weltmeister spielen, so wuerde jener
voraussichtlich etwa 950 oder auch 995 Partien gewinnen,
aber eben nicht alle. Bei einem SPIEL hat eben auch der
deutlich unterlegene eine wenn auch geringe Chance, es
gibt ein Element der Unberechenbarkeit. Ein
Zweipersonenspiel, das die Bezeichnung "Spiel" verdient,
muss daher ein gewisses Zufallselement haben, was bei
Schach & Co. nicht gegeben ist (Dame - oder war's
Muehle? - ist komplett durchgerechnet, beim Schach ist
das auch nur eine Frage der Zeit und Rechenleistung).
Ein Mehrpersonenspiel kann auch anstelle des Zufalls
die Interaktion der Mitspieler als Element der
Unberechenbarkeit haben, z.B. Conquest, ein 4-Personen-
Spiel ohne Zufallselement, das durchaus gewisse
Aehnlichkeiten zu Schach aufweist. Waehrend aber beim
Schach ein hypothetischer zukuenftiger Computer, der
genuegend Rechenleistung besitzt, um das Spiel komplett
auszurechen, gegen einen Menschen oder einen
schlechteren Computer garantiert gewinnen wuerde,
waere dies bei Conquest nicht der Fall. Zum einen
wuerden sich die drei anderen Spieler gegen einen so
uebermaechtigen Gegner verbuenden (und gegen die 3:1-
Ueberzahl wuerde selbst perfekte Vorausplanung nicht
mehr helfen) vor allem aber wegen folgender Tatsache:
Beim Schach (und Dame, Go etc.) profitiert man immer
von den Fehlern seines Gegenspielers, aber bei einem
Mehrpersonenspiel kann es vorkommen, dass Spieler 1
einen guten Zug macht, Spieler 2 laesst sich dadurch
irritieren und macht einen Fehler, von dem aber
Spieler 3 profitiert.
Also, wie gesagt, wenn nur die kraeftigeren Beine oder
die bessere (elektronische oder biologische) Rechen-
faehigkeit ueber den Sieg entscheiden, kann es nicht
als Spiel angesehen werden. Auch das von Dir genannte
"mathematische Beweise um die Wette fuehren" waere
kein Spiel, sondern Denksport. Gleiches gilt uebrigens
auch fuer "Rasende Roboter", was nicht heissen soll,
dass es keinen SPASS machen wuerde, sich damit zu
befassen.
Gruss, Volker (der sich nach nochmaligem Durchlesen
des obigen, etwas unstrukturierten Beitrags nicht zum
ersten Mal wuenscht, er koenne so gut formulieren wie
Roman)