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Casablanca (Amigo) bzw. Agent (Pelikan)

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Erhard Portner

Casablanca (Amigo) bzw. Agent (Pelikan)

Beitragvon Erhard Portner » 29. April 2001, 16:22

Hallo,
"Casablanca" von Eric Solomom, das vorher bereits als "Agent" bei Pelikan und in England als "The Sigma File" erschienen war, war 1991 sogar auf die Auswahlliste des Spiels des Jahres gekommen und verfügt in der Tat auch über ganz interessante Spielelemente. Und dennoch hat das Spiel - wie ich meine - einen wesentlichen Makel, auf den allerdings erstaunlicherweise in allen mir bekannten Besprechungen des Spieles noch nie eingegangen wurde.
Ich darf das Regelwerk hier als bekannt voraussetzen. Danach ist es ja so, dass die Mitspieler gegen einen Zug oder das Schlagen einer Figur Einspruch einlegen können. Dann ist durch "Bieten" von Geldsummen herauszufinden, wer den handelnden Agenten am höchsten bestochen hat. In der Regel heißt es, dass beim Preisgeben der Bestechungsgelder nicht mehr genannt werden darf, als wirklich eingesetzt wurde. Und genau das ist der Punkt! Da dies nicht kontrolliert wird, kann ich doch durchaus eine höhere Summe nennen. Da ich im nächsten Zug die Bestechungssumme auf meinem Formular in der Regel einfach entsprechend anpassen kann, kann auch später nicht mehr nachvollzogen werden, wieviel Geld ich zum Zeitpunkt des Bietvorgangs tatsächlich gesetzt hatte. Der Appell, hier einfach "ehrlich" zu spielen, ist m.E. nicht ganz überzeugend. Wenn man es andererseits jedoch zulassen würde, beim Bietvorgang auch eine höhere Summe zu nennen, als die, die man tatsächlich gesetzt hat, mit der Verpflichtung die Summe später aus seinen noch nicht gesetzten Geldern auszugleichen, geht dadurch - wie ich meine - ein wesentlicher Reiz des Spieles verloren. Ist so laut Regel ja eigentlich auch nicht vorgesehen.
Wie wird das Problem von Euch gesehen?
Mit verspielten Grüßen
Erhard (der hofft, dass wenigstens einige von Euch das Spiel überhaupt noch kennen)

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Berthold Heß

re: Casablanca (Amigo) bzw. Agent (Pelikan)

Beitragvon Berthold Heß » 29. April 2001, 16:46

Hallo Erhard,
ich fürchte, da hilft wirklich nur der Appell, ehrlich zu spielen. Wie Du sehr richtig schreibst, würde ein entscheidendes Element des Spiels zerstört, wenn man höher bieten dürfte, als man es vorher festgelegt hat. Andererseits ist es auch keine Lösung, nach einer Bestechung die Notizen offen zu legen. Dann wüsste jeder, was der andere noch ein Restkapital hat. Ein weiteres "Problem" ergibt sich auch daraus, daß man sein Geld nicht beliebig stückeln kann. Wenn also bekannt wäre, wer noch welche "Einheiten" hat, würde das auch dem Bluff einiges von seinem Reiz nehmen.
Also: außer Ehrlichkeit keine richtige Lösung!
Wobei ich meine, wer bei dem Spiel schummelt, nimmt sich selber den Spielspaß.
Ganz anderer Aspekt: Selbst ausgebuffte Spieler haben oft nicht verstanden, wie man das Spiel spielt, und wo der "Gag" liegt. Deswegen hat es sich wohl auch nicht lange gehalten.
Nice dice!
Bert

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Berit Kamb

re: Casablanca - Ehrlichkeit im Spiel

Beitragvon Berit Kamb » 29. April 2001, 17:02

Lieber Erhard,
natürlich kann das keine Frage sein, hier geht es nur mit Ehrlichkeit!
Und das ist doch auch bei anderen Spielen so. Wenn Du als Mister X nicht zugibst, entdeckt zu sein, haben die Detektive keine Chance, denn wer prüft schon nachher Deinen Weg nach. Und selbst wenn ein Mitspieler den Zettel überprüft, wer weiß nachher schon, wo wann welcher Detektiv gestanden hat?
Sicherlich gibt es noch viel mehr Beispiele, wo Du unentdeckt schummeln könntest, aber macht Dir ein Sieg Freude, wenn er durch Betrug erreicht wurde?
Mir nicht!
Liebe Grüße,
Berit

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Erhard Portner

re: Ehrlichkeit im Spiel

Beitragvon Erhard Portner » 29. April 2001, 18:16

Hallo Berit,
Du hast recht, dass das Moment des "ehrlichen" Spielens auch in anderen Spielen enthalten ist. Neben "Scotland Yard" gilt dies auch für einige Spiele von Klaus Teuber: "Die Siedler von Catan" mit Blick auf die Fortschrittskarte "Monopol" (alle Spieler müssen eine bestimmte Rohstoffsorte, die sie in der Hand halten, abgeben) oder "Der fliegende Holländer" mit Blick auf das Aufdecken von Anteilskarten, wenn der Fliegende Holländer auf ein bestimmtes Schiff zieht.
Ich muss aber sagen, dass ich bei all diesen Spielen gerade wegen dieser Elemente schon ein etwas maues Gefühl habe. Diese Spiele sind ja darauf angelegt, dass alle Mitspieler - ohne dass man das letztlich befriedigend kontrollieren kann! - "ehrlich" spielen, weil sie sonst nicht richtig funktionieren. Und das ist, so meine ich, schon so eine Sache. Der Vorwurf richtet sich hierbei gar nicht mal gegen meine Mitspieler, sondern gegen den Spielmechanismus als solchen. Ich finde schon, dass solche Spielelemente nicht das "Gelbe vom Ei" sein können und dies beim Spielen doch unwillkürlich zu Zweifeln führen und damit dem Spielspaß Abbruch tun können.
Mit verspielten Grüßen
Erhard

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Erhard Portner

re: Casablanca (Amigo) bzw. Agent (Pelikan)

Beitragvon Erhard Portner » 29. April 2001, 18:21

Danke, Bert, für Deine Stellungnahme. Ich stimme Deiner Beurteilung zu. (Siehe aber auch meine allgemeinen Ausführungen zum Thema "Ehrlichkeit im Spiel" zu Berits Posting.)
Mit verspielten Grüßen
Erhard

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Helmut

re: Ehrlichkeit im Spiel

Beitragvon Helmut » 29. April 2001, 18:46

Hallo Erhard,
ich besitze alle der angesprochenen Spiele, bei denen man "ehrlich" sein muss, damit sie richtig funktionieren. Ehrlichkeit im Spiel ist überhaupt keine Diskussionsthema, und dennoch empfinde ich diese Spiele nicht als 100 % komplett bzw. überzeugend. Allerdings halte ich "Casablanca" trotz dieser Schwäche für ein ausgezeichnetes Spiel.
Schönen Gruß
Helmut

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Erhard Portner

re: Ehrlichkeit im Spiel

Beitragvon Erhard Portner » 29. April 2001, 19:04

"Allerdings halte ich "Casablanca" trotz dieser Schwäche für ein ausgezeichnetes Spiel."
Ich auch!
Mit verspielten Grüßen
Erhard (der in letzter Zeit Deine berühmten Einzeiler hier im Forum etwas vermisst!)

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Helmut

re: Ehrlichkeit im Spiel

Beitragvon Helmut » 29. April 2001, 22:14

Danke für diese Worte. Sie gehen runter wie Öl. Tja, wenn über Spiele diskutiert wird, die man nicht besitzt, dann ist auch ein Einzeiler zuviel des Guten!
Habe letzthin Clementoni- und KOSMOS-Neuheiten bekommen, so dass ich bald dazu Stellung nehmen kann!
MfG
Helmut

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Erhard Portner

re: Ehrlichkeit im Spiel

Beitragvon Erhard Portner » 29. April 2001, 22:31

"Habe letzthin Clementoni- und KOSMOS-Neuheiten bekommen, so dass ich bald dazu Stellung nehmen kann!"
"Die neuen Entdecker" von Kosmos finde ich sehr schön. "Schön" im wahrsten Sinne des Wortes! Es ist schon ein ästhetischer Genuss zu verfolgen, wie diese wirklich schöne Inselwelt entsteht!
Einen guten Wochenbeginn wünscht
Erhard

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Sönke Weidemann

re: Ehrlichkeit im Spiel

Beitragvon Sönke Weidemann » 30. April 2001, 00:14

Hallo!
Vor vier Wochen haben wir Casablanca seit Jahren mal wieder hervorgeholt, wiel wir zu acht waren. Ehrlichkeit ist Gott sei Dank bei uns kein Problem, aber alle 8 schauten sich nach 30 min an und fragten sich, wo denn der Witz an dem Spiel ist :-( .
Gruß Sönke

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Harald Schrapers

Bohnanza (re: Ehrlichkeit im Spiel)

Beitragvon Harald Schrapers » 30. April 2001, 10:30

Eines der besten Beispiele für Möglichkeiten, unkontrolliert zu schummeln, ist Bohnanza.
Ist dies ein Nachteil des Spiels? Sicherlich: damit ist dieses Kartenspiel nicht für jede Zielgruppe geeignet.
Hätte Amigo deshalb darauf verzichten sollen, dieses Spiel zu veröffentlichen? NEIN! Denn damit wäre uns allen eines der besten Kartenspiele überhaupt entgangen.
(Also: Nicht jedes Spiel muss für jede Zielgruppe gleichermaßen geeignet sein, manche Titel sind eben eher für 'Vielspieler' geeignet.)
Gruß
Harald

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Arno C. Hofer
Kennerspieler
Beiträge: 421

re: Ehrlichkeit im Spiel

Beitragvon Arno C. Hofer » 30. April 2001, 10:35

Genausolche Spielmechanismen sind "das Gelbe vom Ei". Verlass Dich auf Deine MitspielerInnen. Trau ihnen das zu, was Du Dir zutraust: ehrlich zu sein - oder beschleicht Dich des öfteren das "Gift der Unehrlichkeit"? Dann lass es auch bei anderen zu. Alles kontrollieren, messen, wägen zu können wäre doch schrecklich. Immer auf seinem Recht (oder seinem Glück) beharren zu können wäre doch schrecklich und würde jeden Fortschritt lähmen. Wenn man im Spiel immer nur das täte, was dezidiert erlaubt ist (und nicht nur das nicht, was dezidiert verboten ist) würde ein "Spielautomat" auch reichen, man köönte aus der Bahn nicht raus. Es gibt da ein ganz schönes Zitat: "Schummlern" wird im Leben gern vergeben (oftmals nach Verbüßen einer Strafe, wenn man sie erwischt), denn sie tun zumindest so, als würden sie die Spielregeln anerkennen - Spielverderbern vergibt man nicht: denn sie wollen ganz andere Regeln einführen (und somt kommt vermutlich überhaupt kein Spiel zustande).
Trainiere Dein Vertrauen, trainiere Dein Kontrolle, lasse Dir vertrauen lass' Dich kontrullieren im Spiel - dann wirst Du auch im Leben bestehen. Wenn Du für alles steife Regeln haben willst ist aber alles Leben draußen. Und Du nur mehr Werkzeug des "Schicksals". Und so macht auch spielen keinen Spaß mehr.
Arno

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Heiko

re: Ehrlichkeit im Spiel

Beitragvon Heiko » 1. Mai 2001, 19:46

Auch auf die Gefahr hin den Unmut Einiger auf mich zu ziehen:
Messen, Kontrollieren, Ordnung sind halt auch "deutsche" Tugenden(?). Da koennen wir halt nicht immer aus unserer Haut. Ich hab da schon Verstaendnis, wenn jemand gerne Regeln haette, die deren Einhaltung automatisch kontrollieren/durchsetzen..
Aber wie auch schon von anderen erwaehnt, man darf alles nicht so eng sehen und muss seinen Mitspielern da auch Vertrauen (in deren Ehrlichkeit und (manchmal schwieriger) deren Faehigkeiten) entgegen bringen.
Ich glaube mich ganz ganz dunkel daran zu erinnern, dass jemand aus meinem Bekanntenkreis bei einem (Karten?)spiel, bei dem's auf solche "Selbstkontrolle" ankam andauernd gewonnen hat, bis er schliesslich eines Tages die Regeln verstanden hat ;-)
Kann mich aber beim besten Willen nicht mehr erinnern bei welchem Spiel das war...

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Roman Pelek

Entdecker Grafik/Goldwürfler/Siegstrategien

Beitragvon Roman Pelek » 2. Mai 2001, 14:56

Hi Erhard,
>"Die neuen Entdecker" von Kosmos finde ich sehr schön. "Schön" im wahrsten Sinne des
Wortes! Es ist schon ein ästhetischer Genuss zu verfolgen, wie diese wirklich schöne
Inselwelt entsteht!<
In der Tat, hier ist die grafische Gestaltung wirklich hervorzuheben. Vor allem, dass auch die Inselplättchen einer Sorte grafisch so unterschiedlich gemacht sind, verdient ein Lob - ist schon ne Augenweide.
Auch spielerisch gefällts mir sehr gut, das einzige nicht ganz überzeugende finde ich nach wie vor den Goldwürfler-Aspekt... Bei drei Partien bei uns hat der Sieger das ganze Spiel über gewürfelt, weil er nicht einen Zug quasi "abgeben" wollte - und das scheint oftmals nicht die schlechteste Taktik bei dem Spiel zu sein...
Ich weiss nicht, ob es wirklich Sinn macht, das Heft aus der Hand zu geben, um den Goldwürfler wechseln zu lassen... Wenn man viel Gold würfelt, kann man zuviel machen, würfelt man zu wenig, hat man eh quasi keine Chance, >=4 Gold zu bleiben...
Zudem finde ich, dass bei den Entdeckern die Kundschafter unglaublich wichtig sind, um die Sonderpunkte zu ergattern - finde ich schön. Man muss nicht immer gross auf grossen Inseln auftrumpfen, um zu gewinnen - wenn die anderen Mitspieler sich darum streiten, kann man durch Platzierung von Kundschaftern evtl. der lachende Dritte/Vierte sein.
Ein Aspekt, der mich allerdings gestört hat ist die zu kurze "Seeschlange" - wir haben meistens deutlich über 50 Siegpunkte; einmal kam es sogar schon vor, dass man jemanden fast überrundet hat - und dann führt das zur Verwirrung.
Nuja, aber beides, der Würfler und die Seeschlange sind nur kleine Mankos an einem schönen Spiel m.E. Aber man hätt's besser machen können ;-)
Wie denkt Ihr so nach ein paar Partien mehr über diese Punkte? Andere/ähnliche Erfahrungen gemacht?
Ciao,
Roman


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