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Akademische Diskussion???

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Andreas Epplée

Akademische Diskussion???

Beitragvon Andreas Epplée » 5. Mai 2001, 12:59

Weil einige sehr wesentliche Dinge in dem hübschen Gespräch über das "Spielbox"-Editorial nicht so richtig klar wurden, hier noch einmal etwas genauer gefragt und dargestellt:
1. In welchem Rahmen werden "Brett- und Kartenspiele" akademisch diskutiert? Welche Wissenschaftler beschäftigen sich (besonders in Deutschland) ernsthaft mit Brett- und Kartenspielen? Wo kann man ihre Veröffentlichungen verfolgen?
2. Es scheint, das wir uns zeitgeschichtlich in einer Situation befinden, in der das Medium "Brett- und Kartenspiel" durch einige Faktoren (persönliche Autorenschaft, Differenzierung der Mittel, allgemeinere Verbreitung und Auseinandersetzung, gesellschaftliches Bedürfnis, geschichtlicher Überblick, Quantität der Veröffentlichungen, Prämierungen u.a.) erst eigentlich "kulturfähig" und aussagekräftig WIRD. Deshalb wirken viele Äusserungen von "Verantwortlichen" der Branche wie solche aus dem oder über das Spielearchiv eher wie Desiderata denn bestehende Verhältnisse, die einzelnen allgemeiner tätigen "Multiplikatoren" wie die "Rufer in der Wüste", die das Kommen einer seligen, allgemein spielenden Gesellschaft erwarten oder herbeisehnen, von ihr aber noch nicht ausgehen können. Die von A.C. Hofer, einem "Fachmann"(!), (zustimmend!) zitierte Äusserung, die Siedler von Catan hätten "die Branche gerettet", drückt diesen interessanten Übergangs-Zustand und das Bewusstsein der Beteiligten erschreckend deutlich aus...
3. Auch die Geschichte und Situtation des Dt. Spiele-Archivs schillert zwischen dem vielleicht Wünschbaren und dem real Existierenden. Wie bei vielen Archiven lässt sich die kulturelle Notwendigkeit für die Allgemeinheit nur schwer belegen, wenn man Kultur nicht als Kultur-GESCHICHTE versteht. Und eine wirkliche "Spiele-Wissenschaft", die ein solches Archiv als Anschauungsmaterial und fruchtbaren Nährboden nützen könnte, gibt es (noch) nicht. Bräuchten wir sie?
Entstanden aus einer privaten Sammlung, unter Leitung eines "Amateurs", erscheint auf einmal von aussen und innen der Anspruch einer Alleinvertretung der wissenschaftlich-spielerischen Interessen, der jedoch von niemandem wirklich vertreten wird und auch in Marburg nur erhoben wird, weil sonst niemand da ist. Ein vorläufiges Alibi für eine tiefere Auseinandersetzung, die im allgemeinen Bewusstsein noch nicht extistiert und doch immer unabweisbarer wird. Wie wünschenswert wären allgemein formulierte und akzeptierte Kriterien für die Qualität eines Spiels, eine Fachsprache, die nicht sofort als elitär verdächtigt würde, das Bewusstsein, dass auch bei Spielen der Satz "res severa verum gaudium" (die ernsthafte Beschäftigung ist das wahre Vergnügen) gilt...
4. Was ist ein "Spieleexperte", und wo gibt es ein Forum für ihn? Viel Spielen reicht offensichtlich nicht, und viel über Spiele schreiben noch weniger. Die Qualität der Auseinandersetung in den "Fachblättern" (vielleicht einmal abgesehen von der "Pöppel-Revue") entspricht dem Niveau der SdJ-Jury-Diskussion (kein Zufall, es handelt sich ja oftmals um dieselben Akteure), Buch-Veröffentlichungen gibt es kaum (ein Buch wie Sid Sacksons "Spiele anders als andere" steht seit Jahren einsam im Regal wie in der Spielebücher-Landschaft). Womit also soll sich die "akademische Diskussion" beschäftigen? Von welchem Kanon ausgehen? Noch einmal: brauchen wir sie? Und noch einmal: GIBT ES SIE???
Andreas Epplée

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