Beitragvon Arno C. "Ludovico" Hofer » 4. Mai 2001, 13:40
Lieber Harald,
es ehrt uns von "Ludovico" im Allgemeinen und mich persönlich als Exponent im Besonderen wenn wir durch die breite Öffentlichkeit in die Gilde der "Spielkulturträger" aufgenommen worden sind. Danke. In der Tat setzen wir uns mit dem "Spiel" kritisch, fundamental, seinen "kulturellen Wert untersuchend und unterstreichend" auseinander.
In der Tat sind wir Anlaufstelle für (Foto-)Journalisten, Wissenschafter, Spielevermittler.
In erster Linie aber sind wir "die lebendige PR-Agentur" für Spiele, die der Kategorie "German Games"(= hierzulande herkömmlich "Brett- und Kartenspiele") entsprechen. Wir sind mit unseren Spielen vor Ort, wenn es darum geht Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen - und allen gemeinsam - sinnvolle Freizeitgestaltung "zu zeigen".
Wir sind mit unserer Erfahrung vor Ort, wenn es darum geht "Spiele-Frischlingen" den Einstieg in die Spiele zu erleichtern, indem wir ihnen die Spielregeln erklären.
Wir sind mit unserem Vorwissen vor Ort, wenn es darum geht, wenn jemand wissen will ob beim Spielen nicht nur "Zeit totgeschlagen" wird - wir lassen die Leute ihre Erfahrungen mit dem Spiel selbst machen, wobei sie dann im Nachhinein draufkommen, wie "unendlich viel mehr" sie nun über sich selbst und ihre MitspielerInnen wissen, wenn sie gespielt haben.
Nein, wir sind nicht der hehre Elfenbeinturm der "Spielkultur" - wir halten diese am Leben und fördern sie (manchmal in dankenswerter Zusammenarbeit mit den Verlagen, die von unserer "fast verschenkten" PR-Arbeit natürlich auch wirtschaftlich profitieren).
Und genau diese, unsre Basisarbeit ist am schwierigsten zu finanzieren: sie ist personalaufwendig (nur bestausgebildete und daher auch nicht billige "SpieleberaterInnen" bringen wirklich die richtigen Spiele an die richtigen Leute - da muß man schon einiges am Kasten haben und Hintergründe und Zusammenhänge kennen) und daher teuer, wir machen kaum Groß- oder Mega-Events (wo Politiker sich ablichten lassen können), weil diese die "normale Anonymität des alltäglichen Alltags" fördern, wir bieten kein "dem Konsum verfallenes Publikum" (sodass auch die Sponsormöglichkeiten sehr beschränkt sind) - und die Verlage können überhaupt nicht ermessen, was wir für sie wirklich tun (weil sie teilweise nicht über ihren eigenen Tellerrand hinausblicken und nicht wissen, dass - um selbst leben zu können - der Markt stimmen muß - also der Ansatzpunkt in der Vision "größer werdende Spielkultur" liegt, nicht im einzelnen Spiele-Produkt). Hier in Erinnerung zu rufen, dass ein komplexes Spiel, wie "Die Siedler von Catan" die ganze Spielbranche wirklich gerettet hat, hieße wohl Eulen nach Athen tragen ...
Insofern würde es uns freuen, wenn wir auch PR-Agentur-Preise verrechnen könnten, dafür, dass wir für alle Verlage (einige habens leider noch immer nicht begriffen, was wir für sie leisten) fast 300 Tage im Jahr "beinharte Knochenarbeit" erledigen, indem wir Spielregel um Spielregel erklären, Eltern zum Spielen "verführen", LehrerInnen das Spiel als Medium des sozialen Lernens näherbringen, Kinder ihre Wunschzettel nach den Spielen erstellen, die wir ihnen empfohlen haben, etc. etc.
Spiel ist wie Du richtig sagst nicht nur eine "Ware" - was im Spiel steckt weiß meistens nur der- oder diejenige, der/die selbst spielt (und sich dann möglicherweise auch bewußt macht, was er/sie "da gespielt hat"). Deswegen haben wir auch die "Ludothekarsausbildung" ins Leben gerufen, in der wir "Botschafter des Spiels" ausbilden denen wir mitzugeben versuchen: "Gehet hin und lehret alle Völker ..." - aber nicht "zu siegen" sondern "zu spielen".
Herzlichst Dein
Arno