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Simulation - Spielwitz

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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peer

Simulation - Spielwitz

Beitragvon peer » 8. Mai 2001, 20:37

Hi,
Bei dem Spiel "Die Suche" ist mir mal wieder aufgefallen, wie wichtig eine korrekte Umsetzung eines Themas zu sein scheint. Eine Reihe von Leuten haben sich beschwert, dass die Buchvorlage nur mangelhaft umgesetzt wurde (was stimmt). Dass, das Spiel sonst nett ist, bemerken nur wenige.
Ein Forumsteilnehmer hat sich sogar die Mühe gemacht, alle Plättchen umzufunktionieren, damit es besser passt. Ich will diese Leistung nicht herabwürdigen, aber m.E. machen solche Verbesserungen das Spiel nicht besser, sondern nur komplizierter.
Einzelfall (aufgrund der Tolkien-Vorlage) oder Regel?
Mir gefällt es natürlich, wenn Thema und Spiel aus einem Guss sind, aber Simulation ist mir nicht so wichtig wie der Spielfluss. Bei alten Avalon Hill´s gabs z.T Unmengen an Regeln, die das Spiel zwar wirklichkeitsnäher machten aber oft den Spielfluss hemmten. Umgekehrt hat Knizias "Vampir" so viel mit Vampiren zu tun wie mit Ballettänzern.
Also, was ist euch wichtiger? Und wie ist das mit Tolkien? Wenn dann richtig? Fragen über Fragen...
ciao,
Peer (diskutierte bereits mit Tobias an der Uni)

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Gustav der Bär

re: Simulation - Spielwitz

Beitragvon Gustav der Bär » 8. Mai 2001, 21:53

> Also, was ist euch wichtiger?
In dieser Hinsicht bin ich wirklich gierig, lieber Peer: Ich will unbedingt beides haben.
Ein komplexes Regelwerk empfinde ich nicht als störend; wichtig ist mir, dass die Regeln ein in sich logisches System bilden, das die Abbildung der simulierten Situation auf einem Spielbrett oder auch durch Spielkarten ermöglicht.
Ich mag nun mal in erster Linie historisch-strategische Simulationen, daher fallen Spiele wie "Euphrat und Tigris" trotz seines klug konstruierten Regelwerks und seiner grafischen Qualität durch mein Begeisterungs-Raster durch, während "Civilization", dessen Optik doch recht erbärmlich wirkt, durch seine Übereinstimmung von Spielmechanik und Thema zu meinen Lieblingen gehört.
Natürlich ist das reine Geschmackssache: Wem es egal ist, ob das Spiel in irgend einer Beziehung zu einem konkreten Thema steht, der wird es wohl nicht als störend empfinden, wenn (zum Beispiel) einen Konflikt das Volk gewinnt, dessen König in der Nähe von mehr Tempeln steht - aber er würde seine Gleichgültigkeit gegenüber derlei Fragen wohl auch nicht zum Thema eines Postings machen.
Ich kann gut verstehen, wenn jemand, der in einem Spiel Stil und Inhalt des "Herrn der Ringe" wieder zu finden hofft, enttäuscht ist, wenn er statt dessen nur eine neutrale Spiel-Mechanik bekommt, die keinerlei Bezug zum Thema erkennen lässt.
Genau so bringe ich Verständnis (allerdings keine Zustimmung) für Anhänger abstrakter Spiele auf, die an dieser Stelle gern argumentieren werden, dass Spiele _immer_ abstrakt und _alle_ Themen aufgesetzt seien.
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(a.k.a. Peter Gustav Bartschat)

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Gerald Rüscher

re: Simulation - Spielwitz

Beitragvon Gerald Rüscher » 8. Mai 2001, 23:10

Gustav schreibt:
> Ich mag nun mal in erster Linie historisch-
> strategische Simulationen, daher fallen Spiele
> wie "Euphrat und Tigris" trotz seines klug
> konstruierten Regelwerks und seiner
> grafischen Qualität durch mein Begeisterungs-
> Raster durch, während "Civilization", dessen
> Optik doch recht erbärmlich wirkt, durch seine
> Übereinstimmung von Spielmechanik und
> Thema zu meinen Lieblingen gehört.
Das kann man kaum treffender ausdrücken. Mir geht es sehr ähnlich. Ich freue mich über die enorme, qualitativ hochwertige Vielfalt an Spielen hierzulande aber im Bereich wirklich themennaher Spiele haben die "German Games" ein deutliches Manko. Titel wie eben Civilization, 1830 oder BattleTech gibt es hierzulande so gut wie gar nicht. Von daher freue ich mich immer, wenn Spiele wie Vinci oder Evo Ausnahmen von der Regel bilden und ein Thema gut abbilden.
E&T ist ein perfektes Beispiel: als ich im Erscheinungjahr die Ankündigung gelesen hatte war ich total begeistert von der thematischen Platzierung. Als ich dann aber das Spielbrett gesehen habe bin ich vor Enttäuschung fast hinten rüber gefallen: wieder ein Schahbrettraster, abstrakte Parteien, abstraktes Spiel (wenn auch sehr gut).
Gruß & nice dice,
Jerry

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Tobias / Glomeor

re: Simulation - Spielwitz

Beitragvon Tobias / Glomeor » 8. Mai 2001, 23:54

Ich habe über unsere Diskussion in der Uni auch noch mal nachgedacht.
Für mich gibt es 3 Ansatzpunkte, die ein Spiel für mich interessant machen:
1) Spielmechanismen, die sich hauptsächlich intuitiv erklären und mich damit ein Thema erfahren lassen (-> Ich kann mich mit einer bestimmten Rolle im Spiel identifizieren, weil ich die Regeln als stimmig empfinde.)
2) Abstrakter Mechnismus, der mich in einer einfachen Eleganz beeindruckt, weil mit wenig viel möglich wird.
3) Das Spiel hat mit Tolkiens Welt zu tun ;)
Tobias (unverbesserlicher Tolkienist)

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Ingo Kasprzak

re: Simulation - Spielwitz

Beitragvon Ingo Kasprzak » 9. Mai 2001, 09:36

Hallo zusammen!
Vielleicht bin ich ja leicht zufriedenzustellen, aber mir ist es persönlich egal, aus welchen Faktoren sich der Spielspaß ableitet - Hauptsache, er ist vorhanden! Egal, ob Umsetzung des geschichtlichen Hintergrunds, ausgefeilter Mechanismus, Chaos oder Taktik. Von daher habe ich an neue Spiele zumeist keine besonderen Anforderungen, um dann höchstens negativ überrascht zu sein, sondern lasse mich vielmehr überraschen, auf welchem Wege mich das Spiel begeistern möchte.
Ciao,
Ingo

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Wolfgang Lüdtke / TM-Spiele

HdR-Die Suche (war: Simulation - Spielwitz)

Beitragvon Wolfgang Lüdtke / TM-Spiele » 9. Mai 2001, 10:19

Hallo Peer,
da du es hier noch einmal angesprochen hast, ein paar Infos zur Entstehung von "Die Suche". Als der Kosmos Verlag die Lizenz für ein "Herr der Ringe"-Spiel erworben hat, haben wir vorgeschlagen, auch ein Spiel zu diesem Thema in der Reihe "Spiele für Zwei" zu bringen, was sehr positiv aufgenommen wurde. Damit es in die Reihe passt, durfte die Spieldauer nicht zu lang sein und es musste ein Glückselement enthalten.
Außerdem sollte es einfacher sein als das große HdR-Spiel von Reiner Knizia, da wir in erster Linie diejenigen ansprechen wollen, die sich für das Thema interessieren, aber kein schwierig zu verstehendes Spiel wollen. Peter Neugebauer, der ein großer Fan der Tolkien-Bücher ist, hat dann das Spiel entwickelt.
Was uns dabei besonders gefiel, war die immer wieder andere Auslage, auf der die Hobbits umher ziehen und verschiedene Begegnungen haben mit Figuren und Gegenständen, die man aus den Büchern kennt. Eine solche Art Spiel fehlte uns bislang in der 2er-Reihe.
Es sollte keinesfalls eine Simulation sein, sondern eher so etwas wie ein Treffen mit guten alten Bekannten.
Wir hatten in der Entwicklung ebenfalls die Idee ausprobiert, den verschiedenen Kärtchen eigene Bedeutungen zu geben, um näher am Thema zu sein. Allerdings hatte das zur Folge, dass der Einstieg
ins Spiel für Gelegenheitsspieler viel zu schwierig wurde, da sie die ganzen Bedeutungen lernen mussten.
Die Akzeptanz für das Spiel war deutlich gesunken.
Wir hatten auch überlegt, ob wir als Variante so etwas anhängen sollten, aber dann hätten wir im Prinzip zwei verschiedene Spiele gehabt, was erst Recht die Gelegenheitsspieler verwirrt.
Um dennoch ein wenig mehr am Thema zu bleiben, hatten wir überlegt, die Regel einzuführen, dass das Spiel nur beendet werden kann, wenn der Ringträger zum Schicksalsberg zieht. Da es aber durchaus Spiele gibt, bei denen nicht alle blauen Begegnungskärtchen (zu denen ja auch der RING gehört) gelegt werden, wäre damit das Spielende nicht zu erreichen. Daher müsste man bei dieser Variante den RING und Gollum (damit es interessanter wird) unter die ersten 4 oder 5 der blauen Begegnungskärtchen mischen.
Es sind in der Tat noch viele Variationen möglich,
aber alle gehen am Ziel, ein eher einfaches Spiel für Ab- und Zu-, Gar nicht- oder Gelegenheitsspieler zu machen, vorbei. Bei diesen kommt Die Suche in der jetzigen Form übrigens ziemlich gut an.
Spiele Grüße
Wolfgang

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michael weber

re: HdR-Die Suche (war: Simulation - Spielwitz)

Beitragvon michael weber » 12. Mai 2001, 11:58

jajaja, aber!
es geht bei dem spiel ja darum, dass a) herr der ringe drauf steht und b) die suche. was wird also gesucht? der ring nicht, folglich der berg, dessen lage jedoch bekannt war. im prinzip ist das spiel unter dem titel aber völlig bedeutungslos, da der berg ja nicht einmal gesucht werden muss. es findet doch gar kein wettrennen zum berg statt, da es sinniger ist, ein paar höhlen zu erforschen oder ein gelbes/grünes plättchen zu finden. dass zudem der ring eine belanglose rolle spielt steht definitiv dem titel herr der ringe entgegen.
natürlich ist die art und weise, wie die karte entsteht und das setzen sehr ansprechend. die frage muss aber erlaubt sein, warum damit ausgerechnet ein beliebter buchstoff umesetzt werden soll, wenn das ergebnis nichts mit der vorlage zu tun hat, ausser ein paar namen.
es wäre sinniger gewesen, dieses spiel NICHT unter herr der ringe zu veröfentlcihen, sondern leicht modifiziert als abenteuer zu zweit in einer fantasywelt.
der herr der ringe weckt erwartungen, die bei fans des buches nicht erfüllt werden können. wenn das spiel aber für gelegenheitsspieler sein soll, dann frae ich mal ganz frech, ob mit dem titel einfach ein paar zusätzliche kunden (nämlich fantasy- und tolkien-fans) geangelt werden sollten?!?


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