Beitragvon Roman Pelek » 3. Juni 2001, 06:00
Hi Michael,
erstmal vorab: ich stimme Dir voll zu, dass es prinzipiell gerechtfertigt ist, kritisch die Anfragen bzgl. Rezensionsexemplaren zu beäugen. Schliesslich _muss_ hier bei Anfrage eine gewisse Gegenleistung erwartet werden, die sich nicht im "Besitzen" oder "Malspielen" des beglückten Eigners erschöpft.
>im internet ist es dazu noch unsinnog, wesentlich mehr als drei große (!) absätze zu schreiben, dennoch sollte da schon etwas an inhalt drin sein.<
Ist es das? Ich meine nicht. Wenn ein Spiel die Vorlage für eine ausführliche Rezension liefert, sollte die Menge nicht das Kriterium sein. Gerade im Internet hat man die Freiheit, ein Spiel entsprechend zu würdigen. Dies kann eine Kurzkritik sein, wenn's nicht viel zu sagen gibt. Ebenso aber ein längeres Plädoyer für oder gegen ein Spiel. Zum Glück gibt's hier kaum ein "Limit" an Zeilen, Zeichen o.ä.
>für eine spielbesprechung sitze ich in der regel (nur das schreiben!) eine knappe stunde, dazu das "programmieren" der internetseite und natürlich der test selbst. ganz abgesehen von der mühe, die man sich machen muss, um an spiele überhaupt zu kommen (und da schließt sich dann der siskussionskreis).<
Das ist kurz, zumindest im Durchschnitt gesehen. Klar, manche Rezension mag in einer halben Stunde durchsein, die Eingebung und das entsprechende Spiel vorausgesetzt. Andere wiederum erfordern, neben dem zeitintensiven Spielen - auch manchmal gegen eigenes Gusto - viel mehr Zeit, um am Text zu feilen oder ihn zu verfassen. Selbst wenn man die Ideen hat und quasi "herunterschreiben" kann.
>nein, es ist nicht leicht, viele große verlage irgnorieren "neulinge" der branche inzwischen. zum teil verständlich, zum teil nicht. es gibt viele abzocker, die das "geschäft" kaputt machen, da gehen relativ gut besuchte seiten (wir haben pro woch um die 1000 seitenaufrufe) leicht mal im bemusterungsstopp unter.<
Was willst Du erwarten? Skepsis ist angebracht. Das verhindert manchen einiges, aber es blockt eben auch ungewollte Erscheinungen wirksam ab.
>schade, aber so ist es, deshalb bleibe ich dabei: es ist schwer ein freiexemplar zu bekommen und es ist noch schwerer, sich dieses auf dauer zu verdienen!<
Um's auf den Punkt zu bringen: wer Rezensionsexemplare ernst nimmt, wird mit einer Arbeitszeit "belohnt", die den Kaufpreis des Spiels locker mehrfach aufwiegt. Insofern kann hier von "in Genuß kommen" so nicht die Rede sein, denn eigentlich ersparen einem Rezensionsexemplare nur die Kosten für ein Spiel und bezahlen nicht die Arbeit! Zudem sind sie dann Werbung für die Verlage. Eine gut geschriebene Kritik, egal ob negativ oder positiv, ist immer ein Vorteil für die Verlage - any news is good news. Nur ist es halt so, dass viele meinen, man könne hier einfach und günstig an Spiele kommen - und die Verlage tun gut daran, dies so nicht zu würdigen, auch wenn im Einzelfall sicher auch viele ambitionierte Schreiber gegen verschlossene Türen rennen.
Wer Rezensionsexemplare von sich aus haben will, sollte auch nachweisen können, dass das entsprechende Engagement dahintersteckt und sich bewusst sein, dass diese auch eine Anforderung an eine Arbeitsweise und -zeit stellen, die sicher die wenigsten bereit sind aufzubringen.
Ciao,
Roman