Beitragvon Roman Pelek » 9. August 2001, 12:48
Moin Marten,
>Natürlich kann man das positiv sehen ("Spieltrieb" wie bei Kindern, die mit Spielmaterial auch immer gerne alles machen, nur nicht nach den Spielregeln agieren) und sicherlich gibt es oft auch Varianten, die Spaß machen, entweder, weil sie das Spiel wirklich verbessern (wie mir einige freie Varianten gegenüber dem Turnierdoppelkopf besser gefallen) oder einen anderen Aspekt in den Vordergrund schieben.<
Tja, Varianten und Regelabweichungen sind so ein Dauerbrennerthema, das sowohl positive als auch negative Aspekte hat. Ich versuche mal meine Sicht der Dinge in Worte zu fassen:
Ich bin der Meinung, dass man einem Spiel zugestehen sollte, erstmal ein paar Spiele nach den Originalregeln zu spielen, um diese fehlerfrei zu erlernen und die Wirkungen der Mechanismen kennenzulernen. Meistens haben sich Autor und Verlag j a was dabei gedacht (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel ;-) Danach kann man dann bei störenden Punkten nach eigenem Gusto nachbessern oder mit Varianten herumspielen.
Warum ich so denke? Ganz einfach: man erlebt sehr viele Fälle, wo Spieler ein Spiel kritisieren oder abwandeln, bei dem sie die Originalregeln nicht richtig gespielt haben. Hätten sie dies getan, so wären viele der Probleme gar nicht aufgetreten, die sie mit Varianten versuchen zu bereinigen. Spart also Arbeit, Zeit und Nerven - und bereitet mehr Spielspass ;-)
Zum anderen gibt es auch viele Varianten, die zwar ein existierendes Problem beim Spiel adressieren; aufgrund mangelnder Spielpraxis und Kenntnis der Mechanismen verursachen diese aber dann andere Probleme, die man hätte vermeiden können, wenn man das Originalspiel und seine Mechanik besser kennen würde.
Kurzum: ich mag Varianten und es ist sehr spannend, mit ihnen herumzuspielen und eigene zu erfinden - es hat ja auch was kreatives. Zudem sind Regeln in der Tat nur ein Vorschlag oder eine der vielfältigen Möglichkeiten, ein Spiel zu spielen. Was ich nicht so sehr mag sind doch recht weit verbreitete Schnellschüsse, die ein Spiel verschlimmbessern oder Varianten und Kritik, die auf mangelndem Regelstudium an sich basieren. Mir wird einfach manchmal zu viel "verbessert", wo keine Verbesserung notwendig ist oder Mechanismen eingeführt, die am ursprünglichen Ziel des Spiels vorbeigehen - da sollte man vielleicht lieber ein anderes Spiel spielen oder ein neues mit gleichem Material erfinden ;-)
>Oftmals wird bei Variationen auch nicht bedacht, was dann passiert und ob das vielleicht Absicht des Spieleerfinders war, dass er es anders gemacht hat, z.B. weil es nicht mehr funktioniert (ein mir bekannter Mensch hat einmal den Wurf "2w6" durch "1w12" variiert und dabei die "1" als "12" gewertet, weil die Extremereignisse ja unwahrscheinlicher seien - Effekt: die ganze Spielmechanik ging in den Dutt), z.B. weil die Athmosphäre eine andere ist.<
Hm, ja, genau solche Schnellschüsse meine ich, wo Aspekte gar nicht bedacht werden. Eine Spielentwicklung ist ein Prozess, der meistens mehrere Monate bis Jahre dauert und zig Testphasen durchläuft. Insofern sind meistens Varianten auch nicht so lässig aus dem Ärmel zu schütteln, sondern durchaus auch arbeits-, denk- und testintensiv, sollen sie gut sein.
>So, da es eh alle anders sehen (ich selbst ja auch, aber ein wenig empfinde ich das schon so) erwarte ich einmal Reaktionen.<
Naja, soviel anders sehe ich das ja nun nicht - ich find's auch nicht polemisch ;-) Es ist schon richtig, dass vielerorts zu voreilig nach Belieben umgebastelt wird. Ich habe auch bei uns manche Leute, die ein Spiel kaum kapiert haben aber schon am liebsten Sonderregeln nach 1/3 der ersten Partie einführen wollen - die bremse ich dann meist radikal aus, weil das nach eigener Erfahrung nur für Chaos sorgt und keinen Spass macht.
Erstmal ein Spiel im Original richtig kennenlernen ist so meine Devise und die funktioniert ganz gut. Zumindest sorgt sie oft für mehr Spielspass und weniger Regeldiskussionen. Danach ist immer noch genug Platz für eigenes kreatives Schaffen ;-)
>Marten (der hofft, jetzt nicht wegen ungebührenden Betragens aus dem Forum gekickt zu werden)<
Ich will doch nicht hoffen, dass jemand hier auf die Idee kommt, einen Forumsauschluss wegen eigener Meinung zu fordern *g*
Ciao,
Roman