Beitragvon Michael Werner » 30. August 2001, 22:02
Hallo Johannes,
nein, die Brett- und Kartenspiele werden sicherlich nicht aussterben. Sie werden m.E. nur in der Altersgruppe bis ca. 30 nicht mehr sehr gefragt sein. Hier wird der Anteil sicherlich geringer werden. Ich zocke auch gern stundenlang PC-Games aber wenn ein Anruf kommt zum Siedlern oder meine Freundin mit der Babel-Schachtel wackelt, ziehe ich das Brettspiel jedem PC-Spiel vor.
Warum? Weil ich hier einfach die Möglichkeit habe das Spielerische mit dem angenehmen zu vereinen. Interaktion zwischen den Mitspielern ist hier das Zauberwort. Reden, lachen und streiten mit natürlichen Personen wissen viele nicht mehr zu schätzen. Durch die Spiele erhalten die Menschen das und nicht nur tolle Grafik, Sound und Mausklicks. Schau dich in deinem Freundeskreis um. Welche Leute siehst Du privat am meisten? Ich denke Verwandte und Deine Mitspieler. Leuten mit denen Du kumunizieren willst.
Man muß aber den Leuten einfach mal das Thema "Spiel" näher bringen, dann klappt´s auch mit´n Nachbarn. Wenn ich heute zu einem PC-Spieler sage, komm spielen wir Siedler, bekomme ich als Antwort zu hören. Nein, hat nur 70 % in der BlaBlaBla-PC-Zeitschrift erhalten. Mach Dein Spiel etwas geheimnissvoller und schon ist er interessiert daran. So haben wir unzählige Leute schon zum Rollenspielen bewegt. Während der Rollenspiel-abenden aber auch einfach mal ein Brettspiel eingeworfen. Seitdem findet sich immer irgend jemand zum Spielen, egal welche Art von Spiel. Der eine lieber das, der andere eben jenes. Hauptsache spielen.
Und das trotz Familie, Kinder, Arbeit und sonstigen "Ausreden". Der Trend wird am PC sowieso zu Online-Spielen gehen. Dies ist natürlich ein Faktor der dem Brettspiel gefährlich werden kann. Online-Spiele sind aber nur ein Teil des ganzen. Sie dir einfach mal die Tausende von Skat- oder Schaffkopfrunden an, da sind sicher mehr Leute insgesamt beteiligt als Spieler vor Ihrem PC sitzen. Oder den Kegelklub oder oder.
Es wird bei den Brettspielen immer Zyklen geben. Mal wird mehr gespielt mal weniger. Dies hängt natürlich auch mit der Qualität der Spiele zusammen. Mermory (jetzt mal ohne Wertung) ist halt einfach nicht so interessant als die vielen guten Spiele der letzten Jahre. Die Spielkultur hat sich m.E. durch diese Qualität aber auch verändert. Es macht einfach mehr Spaß ein Spiel zu spielen als vor einigen Jahren als man Plastikteile aus einem Haifisch angeln musste. MB präsentiert (Gooooonnnng).
Es macht hier einfach die Mundpropaganda aus. "Du, gestern haben wir 8 Stunden Diplomacy gespielt, das war geil" "Wie, 8 Stunden ein Spiel?". "Klar, mach doch mal mit". Man muss für unser Kulturgut "Spiel" schon Arbeit leisten, die sich aber auch lohnt.
In einem gebe ich Dir aber natürlich recht, wenn ich die Kinder und Jugendliche von heute anschaue wird mit schlecht. Gameboy, PS, Saturn, X-Box. Scheiss Konsum. Hier kann und muss aber jeder Vater und Mutter versuchen dies einigermassen in Grenzen zu bringen. Ich weis ist schwer, aber nicht un-möglich.
Grüße
Michael (der hier noch viel mehr schreiben könnte)