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Meinungen zu "Aeronautika"?

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Roman Pelek

Meinungen zu "Aeronautika"?

Beitragvon Roman Pelek » 7. Oktober 2001, 01:49

Hi,

ich habe jüngst einmal Jean Du Poels Spiel "Aeronautika" aus seiner Historien Spielegalerie spielen können. Da es mich von Thema und der wunderschönen Aufmachung her gereizt hat, habe ich mir auch ein entsprechend atmosphärisches Spielerlebnis versprochen. Doch leider war dem in unserer Partie nicht so, und mich würden Eure Meinungen dazu interessieren, um festzustellen, ob wir Fehler gemacht haben oder es bei uns nur sehr unglücklich lief (leider habe ich keinen direkten Zugriff auf ein Exemplar, um mir selbst in nächster Zeit mit weiteren Partien ein fundierteres Bild zu machen, und 269DM sind kein Preis, den man bezahlt, nur um zu schauen, was denn wirklich aus einem Spiel herauszuholen ist).

Um's auf den Punkt zu bringen: unsere Partie war dermassen frustrierend glücksabhängig, dass alle beteiligten Spieler einen nicht unbeträchtlichen Teil des Spiels damit zubrachten, nur Karten zu tauschen, in der Hoffnung passendes zu finden, und dabei gemächlich auf der sehr knapp bemessenen Sprit-Skala "absoffen".

Das Spielziel, von London nach Paris (um den Eiffelturm herum) und zurück zu fliegen, hat keiner erreicht. Ein Spieler scheiterte knapp vor England, die anderen beiden haben noch nicht einmal die Umrundung des Eiffelturms geschafft - Sprit alle. Eine Person hat vier Runden lang nur Karten getauscht und blieb auf der Stelle stehen, eine andere bekam im ganzen Spielverlauf quasi nur Steig- und Sturzflugkarten, erstere kosteten enorm viel Sprit, letztere sind natürlich nur einsetzbar, wenn man eine gewisse Flughöhe erreicht, was wiederum nur mit erstgenannten möglich ist *seufz* Da biss sich dann die Katze in den Schwanz - Sprit alle.

Zudem setzten sich die Spieler noch mit den Blockadekarten gut zu - und die passenden Abwehrkarten hatte man natürlich nie. Und eine Runde aussetzen, um den Schaden zu beheben hieß: weiter Sprit verlieren und auf der Stelle stehen zu bleiben. Ganz so schlimm kann's die ersten Doppeldecker bei der Überquerung des Ärmelkanals nun nicht getroffen haben - ein bisschen fliegerisches Können dürften diese schon mit eingebracht haben.

Da ohne passende Karten quasi kein Haushalten mit Sprit und gezieltes Fliegen möglich ist und einem die Karten kaum Wahlmöglichkeiten lassen, was man macht, ist nach meinem Ermessen bei diesem Spiel nur etwas zu erreichen, wenn man [b]immer[/b] glücklich nachzieht. Man kann das Kartenglück so gut wie gar nicht durch die Spielweise ausgleichen (die Umrundung des Eiffelturms ist z.B. nur auf genau einer festgelegten Route möglich), und zieht man nicht gut nach, so kann man gar nichts machen oder maximal die Gegner mit einer Schadenkarte noch weiter hemmen. Der Frustfaktor, gepaart mit dem destruktiven Element, hat mir persönlich den Spielspass doch sehr verleidet.

Für mich sehr bedauerlich, da sowohl Material als auch Thema sowie grundlegende Spielmechanismen sehr viel Potential zeigen. Letztendlich scheiterte es bei uns nur am Kartenglück des Nachziehens und daran, dass ohne passende Karten nur Aussetzen mit Verlust des extrem knappen Sprits möglich ist. Wie leicht wäre es doch gewesen, mit weniger restriktiven Karten oder Optionen für grundlegende Flugmanöver, die von den Karten losgekoppelt sind, den Glücksfaktor soweit zu zähmen, dass zumindest kein solcher Frust im Spiel entsteht.

Aber vielleicht war unsere Partie aber auch nur ein absonderlicher Extremfall? Insofern würden mich Meinungen dazu brennend interessieren!

Ciao,
Roman

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Sönke Weidemann
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Beiträge: 531

Re: Meinungen zu "Aeronautika"?

Beitragvon Sönke Weidemann » 7. Oktober 2001, 02:32

Hi Roman!

Ich habe Aeronautika zwar nur in Essen spielen können, kann aber Deinen Eindruck bestätigen: es sieht - wie alle Spiele du Poels - super aus, in der spielpraktischen Umsetzung hapert es aber. Nicht, daß wir es nicht zurück nach England geschafft hätten, sogar mit glatter Landung, aber selbst der Sieger war der Meinung, es hätte nur an seinem Kartenglück gelegen.

Gruß Sönke

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Roman Pelek

Re: Meinungen zu "Aeronautika"?

Beitragvon Roman Pelek » 7. Oktober 2001, 03:14

Hi Sönke,

> Ich habe Aeronautika zwar nur in Essen spielen können, kann
> aber Deinen Eindruck bestätigen: es sieht - wie alle Spiele
> du Poels - super aus, in der spielpraktischen Umsetzung
> hapert es aber. Nicht, daß wir es nicht zurück nach England
> geschafft hätten, sogar mit glatter Landung, aber selbst der
> Sieger war der Meinung, es hätte nur an seinem Kartenglück
> gelegen.

Hm, Euch geht's also wie meinen Mitspielern und mir (und ein paar anderen darüber hinaus) :-( Irgendwie finde ich es bei diesem Spiel jammerschade. Jedes andere Spiel mit solchem Spielverlauf hätte ich wohl beiseite getan und nicht mehr weiter gewürdigt, aber irgendwie beschäftigt mich Aeronautika doch gedanklich sehr. Ich sehe da, selbst wenn man die Ausstattung und handwerkliche Liebe und Perfektion mal ausklammert, ein großes Potential, was das Spiel auch spielerisch [b]hätte sein können[/b]. Ich gewinne so langsam den Eindruck, dass mit etwas Testen, redaktioneller Arbeit und einer externen Regelerstellung aus diesem Spiel einiges herauszuholen wäre - entweder mit entsprechenden kostenminimierenden Abstrichen bei der Realisierung bei einem renommierten Verlag oder durch Leute, die einfach Spass daran haben.

So oder so wundert mich, warum man als Autor so viel Zeit, Arbeit und Liebe in ein Produkt steckt, von dem einem auffallen müsste, dass der letzte, aber entscheidende Feinschliff fehlt. Im Gegensatz zu anderen Spielen mit unbefriedigendem Spielverlauf mangelt's m.E. aber nicht am Grundkonzept oder an den Basis-Mechanismen, sondern schlichtweg verhageln unkompliziert zu verbessernde Kleinigkeiten und Abgleich von Glücksfaktor/Kartenverteilung den Spielspass...

Ciao,
Roman


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