Beitragvon Ulrich Roth » 21. Januar 2002, 23:47
Hallo Roman,
> Was aber nix dran ändert,
> dass Ta Yü ein sehr schönes Spiel ist, dass trotz des hohen
> Preises für das schöne Material einen Blick wert ist :)
zu diesem Schluss bin ich nach Lektüre sämtlicher online-Rezensionen auch gekommen. Es gibt praktisch nur Lob, teils Begeisterung, nur irgendjemand meinte,"Trax" und "Twixt" seien besser (der hatte aber sein Thema verfehlt, da diese Spiele bekanntlich keinerlei Glücksfaktor haben und demnach in einer anderen Liga antreten).
Da ich nun Ta Yü sofort selber ausprobieren wollte, habe ich mir eins gebastelt (hier in Spanien gibt's das ja nicht zu kaufen).
[i] [Allerdings bin ich mir auch nicht sicher, ob ich die Kosmos-Ausgabe überhaupt kaufen sollte. Einmal reißt mich das grafische Design nicht unbedingt vom Hocker - was natürlich Geschmacksache ist - zum anderen scheint mir die Ausgabe auch ein paar materielle Mängel aufzuweisen:
1. Auf dem Foto bei der Spielarchiv-Rezension sieht es so aus, als ob der Spielplan nicht ganz plan liegt, und auf einer Querkante das Weiß durchkommt.
2. Einige Rezensionen erwähnen, dass die Rückseiten-Markierung der dreiseitig mündenden Teile nicht gut zu erkennen ist.
3. Gravierendster Punkt (für mich ein "show stopper"): In der Kosmos-Spielregel heißt es treuherzig:
"Übrigens - Im Spielsteine-Stapel sind oft eine oder mehrere Mündungen der Steine andeutungsweise zu erkennen. Es ist völlig legitim, auch dies bei der Auswahl seines Steines zu berücksichtigen."
Also tut mir Leid, ich habe keine Lust, mir das Spielgeschehen auf diese fragwürdige Weise "anreichern" zu lassen.:evil: ] [/i]
Hier mein Eindruck nach einem guten Dutzend Partien:
Ta Yü ist wirklich ein Klassespiel, das meine Erwartungen noch weit übertroffen hat (im Moment will ich nichts anderes mehr spielen!). Kategorie "instant classic"! :smile:
Wie Michael Ziemons richtig feststellt, verläuft jede Partie anders. In den beiden letzten, beispielsweise, habe ich erst 15:0 gewonnen, doch dann - obwohl beide Seiten durchaus weiterhin die Obstruktion pflegten - sage und schreibe 108:110 verloren :mad: (Wer bietet mehr?)
Hier ein Link zur Endstellung:
http://www.terra.es/personal2/u.roth/ty.htm
Zu den Spielregeln:
Wir haben sofort beschlossen, die zwei verschiedenen Arten von Teilen zu je einem Stapel zu machen. Das Durchmischen derselben ist mühselig, und außerdem spielerisch gar nicht wünschenswert. Es ist viel interessanter, bei [i] jedem [/i] Zug zwischen den beiden Typen wählen zu können.
Die Profivariante haben wir noch nicht getestet. Ich vermute aber mal, dass ein offenliegendes gegnerisches Teil zum langsamen Brüten einlädt und insofern dem Spiel seine herrliche Leichtigkeit nimmt.
Vorschlag: Geübte Spieler können durchaus zügig zwischen zwei eigenen Teilen wählen, aber das zweite Teil sollte verdeckt in der Hand gehalten werden.
Die Drei-Personen-Variante mit dem "Störenfried" macht Spaß, muss aber evtl. etwas verfeinert werden, um das Königsmacher-Syndrom auszuhebeln. Es kommt wahrscheinlich ziemlich oft vor, dass einer der beiden "Normalspieler" irgendwann keine Chance mehr hat, das Gebot des Störenfrieds zu übertreffen, und nun vor dem unwillkommenen Dilemma steht, welchem der beiden Mitspieler er künftig helfen soll.
Vorschlag: Es gibt eine Punktwertung, und einen 1. (+1 Punkt), 2.(+-0 Punkte) und 3. (-1 Punkt) Platz. Der Störenfried ist immer entweder 1. oder 3., je nachdem ob er gewinnt oder verliert. Die beiden Normalspieler machen - gemäß ihrem Punktergebnis - die beiden anderen Plätze unter sich aus. Diese Regelung hat zur Folge, dass der chancenlose Normalspieler stets seinem noch hoffenden Kollegen beispringen wird, um selbst wenigstens 2. zu werden. (Dies gilt besonders, wenn eine Serie gespielt wird, oder wenn ein Punkt z.B. einen Euro wert ist! :razz: )
Bleibt das Problem, was passiert, wenn der Störenfried selbst keine Chance mehr hat. Da er für sich ja nichts mehr erreichen kann, wird er sich bei weiteren Interventionen tendenziell von spielfremden Erwägungen leiten lassen - nicht gut!
Vorschlag: Der gescheiterte Störenfried scheidet einfach aus (d.h. darf ab sofort keine weiteren Teile mehr legen, nur noch zuschauen)! Drastisch, aber effektiv. :grin:
Was das Vier-Personen-Spiel betrifft, so halte ich dessen Existenz(berechtigung) für eine bloße Behauptung. Genausogut könnte man Mühle oder Halma mit einem Partner alternierend spielen, aber aus gutem Grund macht das niemand. (Im Schach hätte es mehr Sinn, da es langfristige Strategien gibt, und deren telepathische Abstimmung - oder eben nicht - im Team ihren Reiz haben kann.) Vier-Personen-Ta Yü betrachte ich nur als einen verwässerten Abklatsch des Zwei-Personen-Spiels, mit verlängerten Wartezeiten für jeden Teilnehmer. :-/
Ulrich
(der im Übrigen langsam verzweifelnd hofft, dass Ivanchuk das Ding noch rumreißt!)