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UR 1830 BC - wirklich so toll?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Udo Bartsch
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UR 1830 BC - wirklich so toll?

Beitragvon Udo Bartsch » 9. Februar 2002, 14:43

Ich wollte mit dieser Frage eigentlich warten, bis ich UR 1830 BC ein drittes Mal ausprobiert habe und mir sicherer bin. Da nun aber schon die ersten Nürnberg-Neuheiten vorliegen, sieht es nicht mehr so aus, als würde es jemals zu diesem dritten Versuch kommen. Deswegen also jetzt:
Warum findet ihr (und damit meine ich alle, die bei Romans Umfrage so viele Punkte vergeben haben) UR so toll? Ist es der Reiz, mal ein komplexes Ding aufgetischt zu bekommen, das man nicht gleich beim ersten Mal durchschaut? Ist es, weil ihr Fans von 18er Spielen aller Art seid? - Wie oft habt ihr UR gespielt? Hat sich eure Meinung seit der Umfrage vielleicht geändert?
Ich finde UR ganz gewiss nicht schlecht. Vor allem der Mechanismus mit dem fließenden Wasser und der Bewässerung von Land gefällt mir ausgesprochen gut. Von Begeisterung bin ich jedoch weit entfernt.
Insbesondere erscheint mir die Spiel-Geschichte nicht schlüssig: Dass man mit verschiedenen Landschaftsformen wie Wald oder Hügelland spekuliert, ist doch arg konstruiert. Beispielsweise dass mein Wald in Persia wertvoller wird, nur weil irgendjemand in Babylon seinen Wald bewässert! Weil diese Geschichte nicht wirklich überzeugt, spielt sich das ganze Spiel dann auch irgendwie krude. Man kommt nicht so richtig in einen Spielfluss hinein. Und ich befürchte, dies liegt nicht daran, dass die Taktik so viel Feinsinn erfordert, dass man erst sehr langsam drauf kommt, sondern dass die Schwierigkeiten entstehen, weil UR als Ganzes leider etwas unstimmig ist.
Ich bin gespannt auf eure Meinungen und Gegen-Meinungen.

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Ralf Arnemann
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Re: UR 1830 BC - wirklich so toll?

Beitragvon Ralf Arnemann » 11. Februar 2002, 15:04

Ich habe UR auch bisher nur zweimal spielen können. Daher kann ich die Frage gut nachvollziehen, aber nur ansatzweise eine Antwort wagen.

Es gefällt mir in erster Linie, weil ich die 18xx-Reihe mag. Und das Thema sehr gut umgesetzt wurde.

Die fehlende Logik bei der Frage der Wertveränderungen von Landschaften interessiert mich eigentlich kaum. Auch bei 18xx kann man nicht alle Regeln logisch nachvollziehen - Hauptsache, sie funktionieren. Viel unlogischer finde ich übrigens, daß irgendwelche Bautrupps oder Bewässerungswerke überall plaziert werden dürfen - babylonische Arbeitertrupps irgendwo in Elam, gegen den Willen des dortigen Königs, na ja.

Ob UR unstimmig ist oder nicht kann ich an solchen Sachen auf jeden Fall nicht festmachen.

Ein Gesamturteil zu UR steht bei mir noch aus. Bei meinen zwei Partien und den Solo-Probespielen ist nämlich jedes Mal vorzeitig das Spiel wegen Wassermangel beendet gewesen.
Laut Auskunft der Experten soll das aber unüblich sein.

Wie eine "normale" Partie aussehen würde, kann ich also nur erahnen.

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Marten Holst

Re: UR 1830 BC - wirklich so toll?

Beitragvon Marten Holst » 11. Februar 2002, 15:16

Moinle,

UR ist das einzige 18xx-Spiel, das ich bislang gespielt habe, und es gefällt mir ziemlich gut. Zwar ist es mir am Anfang etwas zu "Unhilfreich", aber das gibt sich, und man lernt immer neue Techniken kennen. Die Spielmechanismen finde ich schlüssig, und Logik, nun ja, im Schach laufen die Türme wie bescheuert über das Feld, so viel zur Logik. Da kommt es darauf an, ob der Spielmechanismus insgesamt schlüssig ist, und das ist er hier (mein "Logikliebling" bei Ur sind neben den von Ralf erwähnten Gegenkönigswillengrabereien übrigens die Flüsse, die erst einmal losfließen und dann auf ihren von links kommenden Kollegen warten).

Tschüß
Marten (muss auch manchmal auf Kollegen warten, heute war es aber umgekehrt)

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Ingo Kasprzak

Re: UR 1830 BC - wirklich so toll?

Beitragvon Ingo Kasprzak » 11. Februar 2002, 15:58

Hi Udo!

Für mich war UR das erste 18xx-Spiel - wobei mir mittlerweile versichert wurde, dass es sooo viel nun auch nicht damit zu tun hat, zumindest nicht vom Spielgefühl her.

Nach dem ersten Studium der Regel hatte ich mich vor dem ersten Spiel dazu entschlossen, erst einmal eine Kurzregel zu schreiben. Das war im Oktober. Im Dezember haben wir dann UR zum ersten Mal gespielt und es lief "mehr oder weniger" flüssig.
Im Januar dann gab es einen Abgleich mit einer weiteren Kurzspielregel, somit steht meine eigene jetzt kurz vor dem letzten Schliff; der ist mit der nächsten Partie zu erwarten. Dann werde ich die Regel wohl auch veröffentlichen und hier bekanntgeben.

Mein Schluss: Wenn man erstmal durch die eigentlich recht logische Regel durchgestiegen ist und man sich auf das Spiel konzentrieren kann, ist es ein wirklich tolles und komplexes Erlebnis, bei dem es viel zu entdecken gibt. Trotzdem muss man sich nicht auf einen 8-Stunden-Marathon einlassen. Man braucht halt erstmal 2-3 Partien, bis man richtig drin ist und man sollte komplexe Spiele mögen.
Ich habe im Bekanntenkreis aber auch schon von einer Runde gehört, in der das Spiel allen Anwesenden unbekannt war und die erste Partie wurde anhand der Regel gespielt. Die Partie endete wohl in einem Disaster. Etwas Vorbereitung durch mindestens eine Person ist also dringend anzuraten.

Wie genau der historische Hintergrund getroffen wurde, interessiert mich bei Spielen nur drittrangig. Es ist schön, wenn es passt (wie bei Troia), aber kein muss.

Ciao, Ingo
(der Udo empfiehlt, ruhig nochmal eine dritte Partie in gleicher Runde zu spielen)

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Udo Bartsch
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RE: UR 1830 BC - wirklich so toll?

Beitragvon Udo Bartsch » 12. Februar 2002, 00:11

Danke erst mal für die Antworten. Dachte schon, ich werde ignoriert.
Zunächst eine Klarstellung: Ich werfe UR 1830 BC ganz gewiss nicht vor, es sei nicht historisch korrekt. Das ist mir völlig egal.
Anscheinend habt ihr UR auch nicht öfter gespielt als ich, so dass wir wahrscheinlich durch eine Diskussion nicht zu den allertollsten Erkenntnissen vordringen werden. Schade.
Ich glaube nicht, dass UR bei mir noch einmal eine Chance bekommt. Wenn ich unbegrenzt Zeit und unbegrenzt Spielegruppen hätte, dann schon aus Forscherdrang. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass sich ein weiterer Versuch in Relation zum Zeitaufwand und im Vergleich zu möglichen Alternativ-Spielen lohnt.
Ich möchte hier noch einmal ein paar Thesen in den Raum stellen. Vielleicht hat ja jemand Lust, Einspruch zu erheben:
- Das 1830-Grundprinzip wurde bei UR auf eine Geschichte übertragen, wo es nicht passt. Die Mechanismen als solche sind nach wie vor gut, wirken bei UR aber künstlicher.
- Im Spiel habe ich zwei Rollen: Die des Königs, der seine Ländereien gut bewässert. Und die des Landschaftsformenspekulanten, der sein Geld damit macht, dass in dieser Runde bestimmte Landschaftsformen häufiger bewässert werden als andere. Ein Spiel muss nicht Punkt für Punkt die Wirklichkeit abbilden. Trotzdem erscheint mir die zweite Rolle sehr abstrakt und wenig motivierend.
- UR ist ein komplexes Spiel und auch ein erfahrener Spieler kann nicht erwarten, schon nach zwei Partien eine sehr gute Strategie entwickelt zu haben. Das eben macht ein komplexes Spiel ja aus. Es gibt aber andere komplexe Spiele (z.B. 1830, Die Macher), die mir nach zwei Partien bereits einen Fingerzeig gegeben haben, wo es langgehen sollte und was ich verbessern kann. Diesen Fingerzeig vermisse ich bei UR. Zwar lerne ich, mich in vielen Kleinigkeiten zu verbessern, aber eine deutliche Linie ergibt sich nicht. Deswegen halte ich UR a) zunächst mal für weniger gelungen und b) für unstimmig (mir fällt kein besseres Wort ein; ich meine damit, dass der rote Faden fehlt).
- UR wäre vermutlich besser, wenn man es nicht mit 1830 gekreuzt, sondern einfach nur ein Bewässerungsspiel mit Kanälen und Bautrupps usw. daraus gemacht hätte. Durch 1830 kommt eine Aktien-Ebene ins Spiel, die hier nicht passt. Die Grundstücke verhalten sich wie Aktien, sind aber keine.
Ich will nicht ausschließen, dass UR bei mir deshalb einen schweren Stand hat, weil ich es gedanklich immer wieder auf 1830 beziehe und die Einbettung der Mechanismen hier und dort vergleiche. Andererseits ist das Spiel nun mal bewusst an 1830 angelehnt, und dann muss es sich solche Vergleiche auch gefallen lassen.
Allen, die komplexe Spiele spielen wollen und 1830 noch nicht gespielt haben, empfehle ich, das schnellstmöglich nachzuholen. ... und dann könnt ihr eine prima Diskussion vom Zaun brechen: "1830 - wirklich so toll? Heh, Udo, erkläre uns bitte den Spielreiz! Zackzack!"

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Ingo Kasprzak

RE: UR 1830 BC - wirklich so toll?

Beitragvon Ingo Kasprzak » 12. Februar 2002, 00:59

Hi Udo nochmal!

Ich denke, Du hast einfach nur einen anderen Geschmack. Ausserdem kann man - so denke ich - UR nicht wirklich mit 18xx vergleichen. Einige Mechanismen sind "geklaut", aber damit hat es sich auch schon. Ich hab 18xx zwar noch nie gespielt, aber schon zugeschaut.
UR spielt sich beispielsweise auch ohne Computerunterstützung wesentlich zügiger, daher ziehe ich es vor. 18xx ist mir fast schon zu viel "Arbeit" für ein Spiel! ;-)

Daher Geschmackssache halt...!

Ciao, Ingo

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Ralf Arnemann
Kennerspieler
Beiträge: 2447

RE: UR 1830 BC - wirklich so toll?

Beitragvon Ralf Arnemann » 12. Februar 2002, 11:21

> Anscheinend habt ihr UR auch nicht öfter gespielt als ich,
Bei Ingo und Marten hatte ich den Eindruck, daß sie das schon häufiger gespielt haben.
Vielleicht können die uns mal erklären, wie eine "normale" Partie abgeht (und wie man es schafft, ohne Wassermangel bis zum regulären Ende zu kommen).

> - Das 1830-Grundprinzip wurde bei UR auf eine Geschichte
> übertragen, wo es nicht passt.
Sehe ich komplett anders. Die Übertragung des 18xx-Prinzips auf Länder und Kanäle ist im Gegenteil überraschend gut gelungen.

Die einzige tiefgreifende "Nicht-Übertragung" ist dadurch geschehen, daß man den "Aktienmarkt" nicht am Erfolg der Gesellschaften/Länder mißt, sondern an der Grundstücksart.
Das ändert das Spielgefühl erheblich. Aber das ist noch kein Grund, daß es nicht klappen sollte.

> - Im Spiel habe ich zwei Rollen: Die des Königs, der seine
> Ländereien gut bewässert. Und die des
> Landschaftsformenspekulanten, ...
Ähnlich wie bei 18xx: Der Gesellschaftsdirektor und der Aktienspekulant. Diese Doppelrolle macht den besonderen Reiz dieses Spielsystems aus und ist bei UR genauso vorhanden.

> Es gibt aber andere komplexe Spiele (z.B. 1830, Die Macher),
> die mir nach zwei Partien bereits einen Fingerzeig gegeben
> haben, wo es langgehen sollte und was ich verbessern kann.
Richtig. Es ist ungewöhnlich, nach zwei Partien immer noch so ratlos zu sein. Aber das stört nicht unbedingt, ein gutes Spiel ist auch eine längere Einarbeitung wert.
Aber da müßten die Experten hier mal genauer sagen, daß und warum sich diese Einarbeitung lohnt.

> Ich will nicht ausschließen, dass UR bei mir deshalb einen
> schweren Stand hat, weil ich es gedanklich immer wieder auf
> 1830 beziehe ...
Das ist wohl richtig. Auf den ersten Blick denkt man, man könne ganz gewohnt losspielen. Und plötzlich stellt man fest, daß doch einiges krass anders ist und man sich besser noch mal dumm stellt und von vorne anfängt zu denken.
Vielleicht kommt jemand völlig ohne 18xx-Erfahrung viel schneller mit UR zurecht, weil er nicht erstmal einige Partien lang in die falsche Richtung denkt.

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Marten Holst

Einarbeitung in Spiele

Beitragvon Marten Holst » 12. Februar 2002, 14:15

Moinle Ralf,

erst einmal ein "Ja und Amen" auf alles, was Dein Geschreibsel gerade so hergab, aber

> > Anscheinend habt ihr UR auch nicht öfter gespielt als ich,
> Bei Ingo und Marten hatte ich den Eindruck, daß sie das schon
> häufiger gespielt haben.

Nicht "häufiger" als Ihr, wenn ich die Angaben richtig gelesen habe, immerhin habe ich es leider nicht, und muss da immer auf einen Gastgeber bauen (den ich die letzten Wochen eher zum Football belästigt hatte...).

Aber zum [b]Hauptanliegen[/b] meines diesmaligen Gepostes:

> > Es gibt aber andere komplexe Spiele (z.B. 1830, Die Macher),
> > die mir nach zwei Partien bereits einen Fingerzeig gegeben
> > haben, wo es langgehen sollte und was ich verbessern kann.
> Richtig. Es ist ungewöhnlich, nach zwei Partien immer noch so
> ratlos zu sein. Aber das stört nicht unbedingt, ein gutes
> Spiel ist auch eine längere Einarbeitung wert.

Aber hat man es nicht öfters, dass gerade komplexe Spiele sehr frustrieren, wenn man früh Fehler macht, und die entsprechenden Spieler dann dem Spiel keine zweite Chance geben...

> > Ich will nicht ausschließen, dass UR bei mir deshalb einen
> > schweren Stand hat, weil ich es gedanklich immer wieder auf
> > 1830 beziehe ...
> Das ist wohl richtig. Auf den ersten Blick denkt man, man
> könne ganz gewohnt losspielen. Und plötzlich stellt man fest,
> daß doch einiges krass anders ist und man sich besser noch
> mal dumm stellt und von vorne anfängt zu denken.
> Vielleicht kommt jemand völlig ohne 18xx-Erfahrung viel
> schneller mit UR zurecht, weil er nicht erstmal einige
> Partien lang in die falsche Richtung denkt.

Passiert öfter als man denkt: "Big Boss" ist ja eine Hommage an "Acquire"... nur sollte man die Strategien dieser beiden Spiele in streng getrennten Schubladen verwahren, sonst geht man unter... (ich mag sie beide).

Tschüß
Marten (um Uhr 18:30 wohl schon wieder zu Hause)

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Arne Hoffmann

[OT] Re: Einarbeitung in Spiele

Beitragvon Arne Hoffmann » 12. Februar 2002, 15:32

Moin Marten!

Marten Holst schrieb:

> Marten (um Uhr 18:30 wohl schon wieder zu Hause)

Nicht um Uhr 18:30 [b]b[/b]ei [b]C[/b]arsten? :-D

Tschoe,

- Arne -

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Marten Holst

Re: [OT] Re: Einarbeitung in Spiele

Beitragvon Marten Holst » 12. Februar 2002, 15:44

Moinle Arne,

> > Marten (um Uhr 18:30 wohl schon wieder zu Hause)
>
> Nicht um Uhr 18:30 [b]b[/b]ei [b]C[/b]arsten? :-D

Nö, denn:

(a) nicht um 18:30, da steht man vor der Tür,
(b) nicht am Dienstag, da wäre man nur wenige Leute.

Aber (c) nette Interpretation :lol:

Tschüß
Marten (endlich mal was, wo ich nicht grummele... was ist das bloß für ein Monat heute... grumpf)

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Udo Bartsch
Kennerspieler
Beiträge: 115

RE: UR 1830 BC - wirklich so toll?

Beitragvon Udo Bartsch » 12. Februar 2002, 17:58

Hm, mal sehen, vielleicht wage ich ja doch noch einen 3. Versuch. Habe jetzt wieder ein bisschen Lust bekommen.
An Ralf: Dein Problem mit dem Wasser hatte ich übrigens nicht. Beide Partien gingen bis in die fünfte Ära, waren dann allerdings ruckzuck vorbei. Wenn ich mich richtig erinnere, wurde jeweils nur eine Runde in der 5. Ära gespielt.


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