Beitragvon cristinus » 25. Februar 2002, 15:55
Hi,
ich bin in allen Spielerunden, an denen ich teilnehme, derjenige, der die neuen, bzw. unbekannten Spiele erklären darf, muß soll, unter anderem deswegen, weil ich fast immer die Spiele kaufe.
Und ich bin jedesmal mit den gleichen Problemen konfrontiert, fehlende Konzentration bei komplexeren Zusammenhängen, oft komme ich mir vor wie ein Kindergärtner, der peinlich darauf achten muß, auch die zurückgebliebensten Kinderchen mit seinen Ausführungen nicht zu langweilen oder zu überfordern; nach 2 von 20 Regelseiten Sprüche wie "So, das reicht, los geht´s, der Rest kommt dann.", und dann, kaum bin ich fertig und habe (Rede-)Schaum vorm Mund, das Spiel fängt an, und der erste Spieler fragt, was er denn jetzt so machen könne. Und immer wieder wird nach genau den Details gefragt, die ich vorher mit liebevoll konstruierten Beispielen erläutert habe.
Drum frage ich mich, bzw. euch, sonst würd ichs ja nicht posten, wie es wohl am richtigsten ist, Leuten Regeln eines Spiels nahezubringen, auch wenn sie nicht gewillt sind, zunächst abstruse und unverständliche Vorgänge zu verstehen, um das Gesamtkonzept des Spiels zu kapieren.
Ich habe es bisher immer so gemacht, daß ich die Regel
(nach vorherigem Studium, nichts ist peinlicher als ein Erklärungsfehler, gefolgt von 10 minütigem Nachlesen, diese Zwangspausen werden IMMER mit freiem Spiel mit dem Material ausgefüllt, was dann, wenn mir alles klar ist, nur schwer zu bremsen ist, Tränen sind die Folge, wenn ich diverse Spielsteintürmchen und - Anordnungen kaputtmache.), vor mir liegen habe, und anhand ihrer den Spielverlauf erst grob, dann en Detail durchgehe, denn ich denke, daß es frustrierend ist, wenn man, nur grob und kurz in ein Spiel eingeführt, bei allen tollen Ideen und Aktionen, die man sich ausgrübelt, stets ein "ach ja, das geht leider nicht, weil blablabla, steht hier in der Regel." folgt.
Dann habe ich ein schlechtes Gewissen, fühle mich, als hätte ich die Einschränkung ausgedacht, nur um den tollen Zug zu verhindern.
Wichtig auch meistens die atmosphärische Motivation, um in das Spiel hineingleiten zu können, damit aus Holzwürfeln Caballeros, aus bunten Plättchen prachtvolle Gebäude und aus grob gezeichneten Sechsecken Landschaftsstriche werden.
Was also ist der beste Kompromiß?
Wie führt man den an sich spielefreundlichen, aber immer wieder zur Unkonzentriertheit und Verlust der Auffassungsgabe neigenden Spieler an nicht allzuleichte Spiele heran (ich denke da an Spiele wie La Cittá, Fürsten von Florenz, Euphrat & Tigris, El Grande...) ?
All diese Spiele (und wahrscheinlich fast alle) haben ja ein recht einfaches Grundsystem, welches in wenigen Sätzen erklärt ist.
Wenn ich das Spiel aber schon besser kenne, weiß ich, daß da sehr viele Sachen sind, die gesagt werden müssen, damit die Neulinge nicht nur Statisten sind und dann keine Lust mehr aufs nächste Spiel haben.
Ok, danke an alle, die bis hier durchgehalten haben, hat schon geholfen, mir das alles mal "von der Seele" schreiben zu können, wenns noch Feedback gibt, um so besser! :-)
Salut
Christian